Renditekiller: hohe Kosten und falsches Timing – Markus Ross (CEROS Consulting GmbH)

Markus Ross ist Geschäftsführer der CEROS Consulting GmbH. Im Interview spricht er über dem Zusammenhang zwischen Ethik und Investmententscheidungen sowie aktive und passive Investmentstrategien.

Der Wirecard-Skandal hat bei der Deutsche Börse für Reformbemühungen, um eine Neuausrichtung von Deutschlands wichtigstem Aktienindex geführt. War dieser Schritt längst überfällig, was denken Sie über die Reform?

Markus Ross: Zu viele Pleitesituationen sollten insbesondere bei einem Index, der nur aus wenigen Aktien besteht und bei dem einzelne Aktien relativ hoch gewichtet sind, vermieden werden. Marktkapitalisierung und Liquidität sind wichtig, sollten aber nicht die einzigen Kriterien sein. Ein „deutscher Aktienindex“ sollte einen möglichst guten Querschnitt der bedeutendsten öffentlich notierten deutschen Unternehmen abbilden, es sollte sich um grundsätzlich „solide“ Firmen halten, also keine, die schon massiv unter Betrugsverdacht stehen oder noch nie einen Gewinn gemacht haben. Die Regeln sollten nicht zu starr sein, damit Wechsel im Index nicht allzu häufig stattfinden, denn jeder Wechsel ist für die Anleger mit Kosten verbunden. Am Tag des Austauschs im Index kaufen die Anleger den Wert des neuen Indexmitglieds in der Regel mit entsprechend hohem Kursaufschlag und müssen den alten Wert mit häufig großen Kursabschlägen verkaufen.

Es ist ein zweischneidiges Schwert: Einerseits geht der Investmenttrend zu Ethik und Nachhaltigkeit, anderseits sollen auch Waffenhersteller aufgenommen werden, wie das Deutsche Aktieninstitut vorschlägt – wie passt das zusammen, dürfen „unethische“ Unternehmen überhaupt ausgeschlossen werden?

Markus Ross: Ethiküberlegen sollten m. E. bei Investmententscheidungen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Wenn ein Unternehmen mit den entsprechenden behördlichen Überlegungen legal und erfolgreich tätig ist, spricht im Allgemeinen nichts gegen ein Investment, weder in die Aktie selbst noch in Indizes, die diesen Wert enthalten. Dass eine christliche Kirche nicht unbedingt direkt in Waffenhersteller oder möglicherweise auch Gentechnik investieren möchte, kann man nachvollziehen. Es gibt jedoch die unterschiedlichsten Ethik- und Moralvorstellungen. Diejenigen der Christen unterscheiden sich zum Teil recht deutlich von denen der Sozialisten oder denen des Islam. An welchen Vorstellungen soll sich der Indexanbieter orientieren? Wer hat hier die Deutungshoheit?

Ähnlich liegt es in der medialen und politischen Verteufelung von fossilen Energieträgern oder Verbrennungsmotoren. Solche Überlegungen sollten keinen unmittelbaren Einfluss auf die Zusammensetzung von Aktienindizes haben – aus Investorensicht kann es jedoch durchaus ratsam sein, solche „ungeliebten“ Werte zunächst einmal zu meiden.

Im Übrigen gibt es „ethisch-reine“ Indizes oder auch Indexfonds, die z. B. den S&P 500 um sittlich fragwürdige Unternehmen bereinigen.

Deutsche Börse-Vorstand Weimer wünscht sich zudem eine Ausweitung des Index auf 40 statt 30 Dax-Unternehmen, gleichzeitig sollen die Voraussetzungen für die Aufnahme erhöht werden. Führt dies wirklich zu mehr Qualität?

Markus Ross: Eine Ausweitung auf 40 Titel finde ich richtig und sofern die „richtigen“ Aufnahmekriterien gewählt werden (und fragwürdige Unternehmen nicht aufgenommen werden), wird das auch die Qualität erhöhen.

Investiert Ihr Unternehmen in den DAX? Würden Sie es privaten Kapitalanlegern raten?

Markus Ross: Wir investieren für Anleger über Aktien-ETFs weltweit in Aktien und insofern auch in den DAX. Wir raten Anlegern derzeit, sich auf Sachwerte zu konzentrieren – also Aktien, Gold oder Immobilien – und Anlagen in festverzinsliche Papiere mit langen Laufzeiten zu meiden. Wir favorisieren eine passive Investmentstrategie gegenüber aktiven Verwaltungsansätzen, da die Erfahrung gezeigt hat, dass die Rendite der Anleger nach Kosten bei Passivstrategien in der Regel deutlich höher ist als bei aktiven Verwaltungsansätzen, die im allgemeinen mit relativ hohen Gebühren verbunden sind (die „Renditekiller“ aus Anlegersicht sind im wesentlichen hohe Kosten und falsche Timingentscheidungen).

Werden bei einem DAX-ETF alle Titel ausgewählt? Wie schaffen es Index-Fonds meist rentabel zu arbeiten?

Markus Ross: Ein ETF, der sich auf einen bestimmten Aktienindex bezieht, muss alle Titel in dem jeweiligen Index mit den entsprechenden Gewichtungen enthalten und die Zusammensetzung auch immer der neuen Indexzusammensetzung anpassen. Die Gebühren bei Indexfonds, wie börsengehandelten ETFs, liegen deutlich niedriger als bei „aktiv“ verwalteten Fonds, da auch der Verwaltungsaufwand erheblich geringer ist – für die Abbildung eines Indizes benötigt man kein Research und keine teuren Fondsmanager.

Herr Ross, vielen Dank für das Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.