Mäßige Deutschkenntnisse hemmen Ausbildungserfolg – Adrian Heimerer

Adrian Heimerer ist Geschäftsführer der Berufsfachschulen Heimerer GmbH. Im Interview spricht er über die Qualitätssicherung und Digitalisierung in der Ausbildung.

Bildung im Wandel: Die Anforderungen an Bildungseinrichtungen und Lehrer/innen haben sich im digitalen Zeitalter verändert. Wie haben Sie das in den letzten Jahren wahrgenommen?

Adrian Heimerer

Adrian Heimerer: Wir haben in Deutschland allgemein sehr lange benötigt um die Digitalisierung anzugehen, so auch im Bildungswesen. Glücklicherweise wurde im Jahr 2018 das Förderprogramm DigitalPakt Schule ausgerollt, welcher Schulen Fördermittel für die Digitalisierung der Klassenräume zur Verfügung stellt. Die Bereitstellung von Geräten allein ist aber bei weitem nicht ausreichend, es müssen Konzepte zur sinnvollen Einbindung dieser geschaffen werden. Da solche Konzepte nicht existieren haben wir in den letzten Jahren enorm in unsere IT Abteilung investiert und intensiv an Konzepten, Schulungen der Lehrkräfte und sinnvoller Beschaffung von IT-Geräten gearbeitet.

Die Veränderung in der Bevölkerungsstruktur mit Flüchtlingen und mehr Migranten führt zu veränderten Lerninhalten. Wie reagiert Ihre Einrichtung darauf?

Adrian Heimerer: Die Heimerer Schulen zählen ja zu den drei größten Pflegeschulen Deutschlands. Vor allem im Bereich der Pflege ist der Ausländeranteil traditionell hoch, zudem sind wir im Ausland aktiv und somit kannten wir die Herausforderung Nicht-Muttersprachler im Unterricht mitzunehmen bereits. Innovative Lernkonzepte (digital, spielerisch, interkulturell usw.), die richtige Kombination von fachpraktischem Unterricht mit Theorie und freiwillige Zusatzangebote wie Sprachkurse haben bei uns dafür gesorgt, dass alle mitkommen und voll integriert sind.

In der Bildungsbranche gibt es auch ein sogenanntes Qualitätsmanagement. Welchen Anforderungen muss der Qualitätsbeauftragte eines Bildungsinstituts in der Praxis gerecht werden?

Adrian Heimerer: Aufgabe des QM-Beauftragten ist es, in kontinuierlichem Austausch sowohl mit dem Bildungsträger als auch mit den Leiter*innen und Lehrkräften sowie den Schüler*innen und Auszubildenden der Bildungseinrichtungen zu stehen. Dadurch kann er ermitteln, ob die Qualitätsvorgaben unter den realen Bedingungen des Lehrbetriebs umgesetzt werden und umsetzbar sind. Der Bildungsträger kann auf diese Weise unterstützt durch den QM-Beauftragten bei Bedarf frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um Probleme beim Erreichen der Qualitätsziele zu beseitigen und Rahmenbedingungen zu verbessern. Für Arbeitsbedingungen zu sorgen, die ein hohes Niveau der Lehre garantieren und gleichermaßen die Zufriedenheit von Mitarbeiter*innen und Studierenden als ein wichtiges Qualitätskriterium sicherstellen, ist dabei eine der Anforderungen an den QM-Beauftragten.

Man sagt, dass Lehrer/innen und Ausbilder/innen dem Stress in den Bildungseinrichtungen mit den Schülern kaum noch gewachsen sind. Haben Sie ähnliche Erfahrungen oder kennen Sie Beispiele dafür?

Adrian Heimerer: Die Lehrkräfte sind den Anforderungen, die die Schüler*innen stellen, durchaus noch gewachsen. Als eine zunehmende Schwierigkeit wird aber von vielen Lehrenden unserer Berufsfachschulen empfunden, dass nicht wenige der Migrant*innen, die wir gemeinsam mit Muttersprachler*innen ausbilden, nur über mäßige Deutschkenntnisse verfügen. Einen für alle Beteiligten befriedigenden Unterricht zu gestalten und dabei ein hohes Niveau der Ausbildungen zu gewährleisten, ist tatsächlich eine Herausforderung für unsere Lehrkräfte. Die Corona-Pandemie fordert sie aktuell zudem in extremer Weise, weil sie ihre Unterrichte inzwischen immer sowohl für die Präsenzveranstaltung als auch abgewandelt online für die in Quarantäne befindlichen Schüler*innen gestalten müssen. Das digitale Know How liefern wir in allen Formen, dürfen die Lehrkräfte dabei jedoch nicht überlasten.

Der „nationale Bildungsbericht für Deutschland“ benennt alle 2 Jahre Leistungen und Herausforderungen im deutschen Bildungssystem. Können Sie über Zweck und Nutzen kurz etwas sagen?

Adrian Heimerer: Dadurch dass die Entwicklungen des Bildungswesens unter Berücksichtigung politischer, rechtlicher und demografischer Aspekte kontinuierlich über einen festgelegten Zeitpunkt in ganz Deutschland erforscht und im Bildungsbericht zusammengefasst werden, bietet der Bericht eine Orientierungshilfe für die Gestaltung und sinnvolle Anpassung von Bildungsmaßnahmen, aber auch für die nötige personelle und materielle Ausstattung der Einrichtungen. Wir haben beispielsweise dem unumkehrbaren Trend zur Digitalisierung entsprechend unsere Schulen mit hochwertigem technischen Equipment ausgestattet. Dadurch kann der Unterricht vielfältiger und zeitgemäß gestaltet werden. Als die Corona-Pandemie uns im März zur Schließung unserer Schulen zwang, hatten wir zudem bereits passende Unterrichtskonzepte entwickelt, die sofort für den Fernunterricht nutzbar waren. Aber auch unsere Bildungsangebote können wir den erkennbaren Trends der Bedarfe am Arbeitsmarkt anpassen. Dafür ist der Bildungsbericht durchaus nützlich.

Man spricht gerne vom „Recht auf Bildung“ und „Lebenslangem Lernen“. Wird Deutschland diesem Anspruch Ihrer Meinung nach voll gerecht?

Adrian Heimerer: Wir haben bei beiden Themen im internationalen Vergleich eine gute Ausgangssituation in Deutschland, wir müssen uns aber dennoch weiterentwickeln. Das Recht auf Bildung wird nicht konsequent durchgesetzt. Auszubildende in der Pflege mussten bis vor kurzem noch Schulgeld bezahlen, in der Physiotherapie teilweise immer noch und erschwerend kommt die fehlende Ausbildungsvergütung hinzu. Gegen diese Ungerechtigkeit kämpfen wir aktuell. Das Lebenslange Lernen in Form von Weiterbildung und Umschulungen muss verstärkt gefördert werden, da wir durch Automatisierungsprozesse sonst auf eine massive Arbeitslosigkeit zusteuern. Wir haben unsere Angebote dahingehend bereits ausgebaut und arbeiten kontinuierlich daran.

Herr Heimerer, vielen Dank für das Gespräch.

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