Vom Sparer zum Investor – Andreas Ogger (wobi Invest GmbH)

Andreas Ogger ist Geschäftsführer der wobi Invest GmbH. Im Interview spricht er über die Wichtigkeit eine Investition zu verstehen und sich finanziell zu bilden.

Andreas Ogger

Der World Wealth Report offenbart, dass in Deutschland 1,46 Millionen Menschen sich zu der Gruppe der Dollar-Millionäre zählen. Gehören Sie zu dieser Gruppe?

Andreas Ogger: Ja, allerdings ist dieses Geld nicht „flüssig“ oder ohne Weiteres abrufbar. Es ist, wie bei allen überdurchschnittlich Vermögenden (der Vermögensdurchschnitt in Deutschland beträgt 70.000 Euro), investiert unter verschiedenen Investmentfirmen, die sich wiederum an weltweit verteilten Wertschöpfungsketten beteiligen. Liquide habe ich eine Reserve und steuerliche Verpflichtungen, sofern ich diese nicht ohnehin sofort begleiche. Denn Geld in Minuszinszeiten für ein Jahr ertragslos zu parken, drückt höchstens Angst und Mangelbewusstsein aus und ist nicht zu empfehlen.

In den Suchmaschinen dominiert der Suchbegriff „Wie wird man Millionär“. Wie sind Sie es geworden?

Andreas Ogger: Die Fokussierung auf die Zahl einer Million oder mehrerer davon ist vielleicht der runden Summe geschuldet, für das Leben allerdings wenig brauchbar. Ich hatte nie Millionen als erstrebenswertes Ziel im Sinn, sondern als ersten finanziellen Meilenstein die Stufe der wirtschaftlichen Absicherung, wie ich sie nenne. D. h. meine Kapitalerträge versorgen mich regelmäßig mit so viel Nettogeld, wie ich normalerweise in Monaten normaler Berufstätigkeit verdienen würde. So viel Geld schließt alle unverzichtbaren Ausgaben für die reine Existenz ein zzgl. allem, was für ein weitgehend normales Leben benötigt wird, wie es die meisten Menschen führen.

Alle Stufen darüber hinaus wie die Stufe der finanziellen Souveränität oder sogar der finanziellen Grenzenlosigkeit werden von vielen erträumt, aber so gut wie nie erreicht – was auch gar nicht nötig ist. Denn ab einer gewissen Summe schränkt viel Geld die erträumte Freiheit auch wieder ein und verpflichtet zu Arbeit, die die Verwaltung des Geldes verlangt. Geld kann vom Hamsterrad befreien, aber mit der Zeit auch selbst zu einem werden.

Viele Jahre waren für mich durch Verluste geprägt, in denen ich in bekannte und auch komplett sinnfreie Geldanlagen investiert habe. Das waren Jahre der „Versuch und Irrtum“-Phase, wie sie der Großteil derer erleidet, die ich heute als Geldanleger bezeichne: Geldanleger sind Menschen, die denken, sie würden investieren, dabei sind sie nur das Opfer der Finanzindustrie, der sie ihr Geld überlassen.

Investoren haben ganz andere Ansprüche als Geldanleger und wollen im Sinne voller Eigenverantwortlichkeit genau wissen, was wann ihr Geld wie macht und wie stabil das soziale und ökonomische Umfeld ihres Geldes ist. Mir diese Ansprüche zu eigen zu machen war der Wendepunkt: es war die Überfahrt vom Ufer der Masse der Geldanleger zum anderen Ufer der überschaubaren Investorenwelt. Oder weniger prosaisch ausgedrückt: Ich habe mich mit finanzieller Bildung beschäftigt. Seitdem habe ich nur wenige und verkraftbare Verluste erlitten bzw. gar keine mehr in den letzten Jahren.

Und auf finanzielle Bildung, ich nenne sie „WohlstandsBildung“, folgt die Bildung von Wohlstand ganz von allein. Dabei verläuft der Weg eines jeden Investors anders, so individuell wie die Persönlichkeit des Investors selbst.

Welche Tipps zur Persönlichkeit können Sie Millionärsanwärtern mit auf den Weg geben?

Andreas Ogger: Wenn mit der Frage gemeint ist, dass es Tipps geben könnte, mit denen man an seiner Persönlichkeit arbeiten kann, um Millionen aufzubauen, dann muss ich passen. Eine Millionärspersönlichkeit kenne ich nicht. Die haben einfach Menschen, die Millionen aufgebaut haben. Grundsätzlich ist das Ziel, Millionen zu besitzen, kein besonders dienlicher Magnet, um dieses Geld ins eigene Leben zu ziehen. Hilfreicher wäre, sich in allen Einzelheiten genau das Leben auszumalen und zu visualisieren, dem man nachgehen würde mit der Unterstützung von Millionen im Rücken. Konsumwünsche sind dabei auf Dauer schlechte Motivatoren; zu definieren, wer man als Mensch und Persönlichkeit innerhalb der größten Vision von sich selbst sein könnte – das pflastert nicht nur einen Trampelpfad, sondern eine ganze Autobahn auf dem Weg zu Reichtum.

Bei all Ihrer Erfahrung können Sie sicherlich auch finanzielle Ratschläge geben?

Andreas Ogger: Sich mit finanzieller Bildung oder mit finanziell gebildeten Menschen zu beschäftigen, dürfte mein wertvollster Tipp sein. Wer an diesem Thema dran bleibt, wird weiter kommen. Und wenn er beginnt für dieses Thema zu brennen, kommt er ganz weit.

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass man mit geerbtem Geld lockerer umgeht, als mit erarbeitetem. Glauben Sie daran? Was würden Sie Erben raten?

Andreas Ogger: Ich kenne keine reichen Erben von wirklich großen Geldmengen; ich kenne nur sehr reiche Menschen, die gelernt haben, umsichtig und verantwortungsvoll enorme Geldmengen aufzubauen oder zu verwalten. Manchmal haben sie diese geerbt, meistens durch Unternehmensübertragungen. Doch dieses Erbe wurde meistens mit genauso viel Arbeit verdient, wie das Geld selbst aufzubauen.

Verändert Reichtum Ihrer Meinung nach – oder auch vielleicht aus Ihrer Lebenserfahrung heraus – den Charakter?

Andreas Ogger: Geld verändert den Charakter so gut wie gar nicht, sondern legt nur frei, beleuchtet und verstärkt, was an Charakter vorher schon da war; dieser Charakter wird durch den Lichtkegel größerer Geldmengen einfach nur sichtbar: Großzügige Menschen waren schon großzügig mit wenig Geld und werden noch großzügiger, wenn sie zu Geld kommen. Ebenso ergeht es geizigen Menschen: die kleben mit viel Geld noch mehr an jedem einzelnen Euro.

Welche sind Ihre Goldenen Regeln für finanziellen Erfolg und wie man es vielleicht schaffen kann Millionär zu werden?

Andreas Ogger: Verschaffe zuerst anderen, was du dir selbst wünschst. Wenn du dir Millionen wünschst, dann ist der schnellste Weg dorthin zu kommen, andere dorthin zu bringen.

Herr Ogger, vielen Dank für das Gespräch.

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