Olga Witt: „Wir brauchen kein Tierwohllabel“

Wir sprechen mit Olga Witt, Gründerin und Betreiberin von Zero Waste Läden und einem Onlineshop für Zero Waste Spezialprodukte, über Lebens- und Schlachtbedingungen von Tieren für die Fleischproduktion.

Immer mehr Verbraucher wollen Nachhaltigkeit in der Tierhaltung und Schlachtung, wenn es um Schweine, aber auch um Rindfleisch und Geflügel geht. Wie ist Ihre Position zum Tierwohllabel?

Olga Witt

Olga Witt: Wir brauchen kein Tierwohllabel. Wir brauchen deutlich höhere Standards für die Tierhaltung. Verbindlich für alle und vor allem müssen die Standards endlich auch ausreichend kontrolliert werden.

Freiwillige Informations-Labels auf abgepacktem Fleisch gibt es viele, alle unterschiedlich, es fehlt aber wohl eine staatlich verbindliche Richtlinie. Das wird von Verbraucherschützern und Tierschutzverbänden kritisiert. Wie sehen Sie das?

Olga Witt: Das ist totaler Quatsch

Wenn man in den Supermarktketten die Aufkleber zur „Stallhaltung“ sieht, bemängeln Kritiker, dass es reine Alibi-Kennzeichnungen seien. Dienen diese wirklich dem Tierwohl?

Olga Witt: Nein

Wenn man sieht, dass Schweine weniger als einen Quadratmeter Stallfläche haben dürfen, dann ist das ein Skandal. Wie geht der Handel und Ihr Unternehmen mit dem Thema „Tierschutz“ um?

Olga Witt: Der Handel allgemein akzeptiert das. Für uns ist das vollkommen ausgeschlossen. Das hat mit Tierwohl nichts zu tun, egal welches Siegel da draufsteht. Bei Tierprodukten kommt unter den Standards von Demeter, Naturland und Bioland nichts in Frage.

Die Firma LIDL hat jetzt 50 Mio. Euro für den staatlichen Fonds für Tierwohl eingezahlt. Zieht jetzt die ganze Branche nach?

Olga Witt: Das weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht wozu dieser Fonds gut ist.

Verbraucher pochen auf bessere Lebens- und Schlachtbedingungen bei Masttieren, wollen laut Statistik aber nur wenig mehr für `Fleischprodukte zahlen. Wie passt das zusammen?

Olga Witt: Gar nicht. Deshalb muss bessere Tierhaltung verpflichtend werden und auch kontrolliert werden. Die Tierhaltungsstandards müssen grundsätzlich verbessert werden und nicht nur auf bestimmte Siegel angewendet werden.

Frau Witt, vielen Dank für das Gespräch.

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