Achim Plate: Jeder Anleger sollte zunächst seine persönliche Risikoneigung einschätzen

Dipl.-Ing. Achim Plate ist Chief Executive Officer der Lloyd Fonds AG. Mit ihm sprechen wir über Aktien als Altersvorsorge, Aktienfonds sowie Fondsratings.

An Aktien führt in der Altersvorsorge kaum ein Weg vorbei – korrekt?

Achim Plate

Dipl.-Ing. Achim Plate: Absolut, für die Altersvorsorge sind Aktien oder Aktienfonds gerade aufgrund des langfristig niedrigen Zinsumfeldes und der weltweit durch die Covid-19-Pandemie nochmals deutlich gestiegenen Staatsverschuldungen ein sehr wichtiger Baustein für die Altersvorsorge. Zusammengefasst sind Aktien die liquideste Variante, am globalen Produktivkapital beteiligt zu sein. Dies sollte sich auch in einem möglichen inflationären Umfeld für den Anleger auszahlen. Natürlich gibt es immer Restrisiken in einzelnen Ländern oder Branchen, weshalb gerade für die Altersvorsorge das Thema der Diversifikation eine entscheidende Rolle spielt. Wir sind auch kurzfristig grundsätzlich positiv für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte gestimmt. Durch die flächendeckende Impfung wird die Covid-19-Pandemie ab Sommer dieses Jahres allmählich abklingen und damit sollte die Konjunktur Fahrt aufnehmen. Die andauernde lockere Geldpolitik der Notenbanken und staatliche Förderprogramme schaffen zudem ein positives Umfeld für Aktien.

Gemeinhin wird beim Gang an die Börse eine breite Streuung empfohlen. Aktienfonds sind die einfachste Variante hierzu. Gibt es für Privatanleger überhaupt andere Möglichkeiten breit gestreut anzulegen?

Dipl.-Ing. Achim Plate: Ja, gibt es. In den letzten Jahren haben sich in Deutschland zahlreiche FinTechs etabliert, die eine moderne, digitale Art der Vermögensanlage anbieten. Da sie die komplexe Vermögensanlage für viele Anleger vereinfacht, ist dieser Markt rasant gewachsen. Auch wir sind mit unserem FinTech LAIC seit dem 1. April 2020 in diesem Markt aktiv. Das Herzstück unserer digitalen Vermögensverwaltung ist der von uns über mehrere Jahre entwickelte LAIC ADVISOR®. Kurz gesagt übernimmt das algorithmusbasierte Portfoliomanagement auf Basis einer permanenten Risikoüberwachung globaler Rahmenbedingungen und abgestimmt auf die Risikoneigung der einzelnen Kunden die Diversifikation für diese.

Wir setzen unseren LAIC ADVISOR® bereits in mehreren Produkten für private Anleger ein. Erstens können vermögende Privatanleger ab einer Mindestzeichnungssumme von 50.000 Euro ihr Individualdepot zusammenstellen und steuern lassen. Zweitens bieten wir mit fünf LAIC-Fonds breit diversifizierte Mischfonds mit unterschiedlichen Risikostrategien und Nachhaltigkeitsschwerpunkten an. Drittens haben wir mit zwei Versicherungspartnern fondsgebundene, steuerlich geförderte Rentenversicherungen im Markt positioniert, die auf unseren digital gesteuerten Mischfonds basieren und ebenfalls private Anleger adressieren.

Es gibt Tausende Fonds von diversen Anbietern. Wie sollten Anleger das Thema angehen, um eine vernünftige Auswahl treffen zu können?

Dipl.-Ing. Achim Plate: Jeder Anleger sollte zunächst seine persönliche Risikoneigung einschätzen. Sie entscheidet letztendlich über die Zusammensetzung seiner Anlage. Bei der Fondsauswahl sind Kriterien, wie z. B. die Performanceentwicklung, die Volatilität, aber auch die Erfahrung des Anbieters, der Track-Rekord wichtig. In unserem Geschäftsmodell bieten wir vermögenden Anlegern über unsere Vermögensverwaltung Lange Assets & Consulting GmbH die Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher, übergreifender Vermögenskonzepte im persönlichen Dialog durch erfahrene Berater an. Zudem setzen wir mit unserem FinTech LAIC auf die zunehmende Individualisierung der Anleger bei ihrer Entscheidung für eine Vermögensanlage. Ein Beispiel: Im Individualdepot LAIC – My Portfolio Selection können Anleger nach ihren Präferenzen in Bezug auf Nachhaltigkeit, Regionen oder Branchen investieren und vor allem wird die Allokation auf die persönliche Risikobereitschaft abgestimmt. Im Ergebnis ergeben sich durch die Kombination der unterschiedlichen Wahlmöglichkeiten ungefähr 60.000 Portfoliozusammensetzungen, kein Portfolio gleicht dem anderen.

Wie lässt sich die Qualität von Fonds messen und prüfen?

Dipl.-Ing. Achim Plate: Mit Hilfe des eigenentwickelten, auf künstlicher Intelligenz basierenden Algorithmus, dem LAIC ADVISOR®, haben wir als ein Teilschritt unseres 6 stufigen Investmentprozesses bei unserer digitalen Vermögensverwaltung die LAIC-Scorecard zur Qualitäts- und Risikobewertung von Fonds- und ETFs entwickelt. In diesem Schritt hat die LAIC-Scorecard die Aufgabe, Kennzahlen der Fonds und ETFs zu bewerten. Somit wird jedes einzelne Investment im Universum quantitativ nach vorgegebenen LAIC-Qualitätskriterien, wie Performanceparameter, Handelsmodalitäten und Informationsqualität bewertet und mit anderen Fonds und ETFs verglichen. So berechnet das umfassende Screening und Scoring System täglich etwa 200.000 berechnete Scores, auf dessen Basis sie ein Ranking über alle Fonds und ETFs erstellt und damit einen Beitrag zur Qualitätssicherung leistet.

Im nächsten Schritt, der Kernoptimierung, wird für jedes Portfolio die „optimale“ Allokation ermittelt. Daraufhin wird diese Allokation, mit Fokus auf die Minimierung potenzieller Verluste, durch das Risikomanagement kontrolliert. Zur Einschätzung der aktuellen Marktlage wird sowohl für das Portfolio als auch für den Gesamtmarkt, eine Volatilitätsprognose erstellt. Die Einschätzung der Marktlage fließt in die Berechnung des VaR und Expected Shortfalls ein. Diese beiden Kennzahlen liefern eine Einschätzung über die potenziellen Verluste des Portfolios und werden mit der Risikotoleranz des Kunden abgeglichen. Das Zusammenspiel von Optimierung und Risiko Management sorgt für ein Portfolio, das über verschiedene Marktphasen hinweg, mit Fokus auf Volatilität und dem maximalen Drawdown, das optimale Rendite-Risiko-Verhältnis für jeden Kunden bieten kann.

Sind Fondsratings bei der Auswahl hilfreich?

Dipl.-Ing. Achim Plate: Fonds-Ratings können eine erste Orientierung bieten, berücksichtigen aber nicht die individuelle Situation des Kunden. Aus unserer Perspektive entscheidet erst die Bewertung der individuellen Situation des Kunden über das passende Anlagemodell.

Was sind die wichtigsten Faktoren, die eine langfristig erfolgreiche Anlagestrategie auszeichnet?

Dipl.-Ing. Achim Plate: Die wichtigsten Faktoren für eine langfristig erfolgreiche Anlagestrategie sind das Risikomanagement, also eine Risikobewertung und ggf. Anpassungen im Portfolio auf täglicher Basis und ein Bewertungssystem, das im Sinne des Kunden Kosten und Erträge in Einklang bringt. Je individueller die Anlagestrategie auf die Lebenssituation des Kunden ausgerichtet ist, umso besser wird sich der Kunde mit seiner Anlageentscheidung fühlen und auch bei seiner getroffenen Entscheidung bleiben.

Wie steuert ein professioneller Vermögensverwalter die Risiken im Portfolio?

Dipl.-Ing. Achim Plate: In unserem Geschäftsmodell haben wir eine eigene, cloudbasierte und hoch leistungsfähige digitale Infrastruktur zur Steuerung aller Geschäftsfelder aufgebaut. Die Lloyd Fonds – Digital Asset Plattform 4.0. (DAP 4.0) ist somit das Herzstück unserer drei Geschäftsfelder. Sie ist Kern für die Steuerung des Algorithmus in unserem LAIC ADVISOR®, wo wir das Risiko jeden Tag u.a. mit Parametern wie dem Value at Risk oder dem Expected Shortfall neu berechnen. Die Systeme basieren auf unserem Know-how und werden durch unzählige täglich aktualisierte Daten unterstützt. Auch unsere erfahrenen Fondsmanager werden bei der Vorbereitung ihrer Investmententscheidungen in unseren Publikumsfonds durch die Daten der DAP 4.0 unterstützt. Gleiches gilt auch für unsere Berater in der Vermögensverwaltung, die im persönlichen Dialog mit dem Kunden Vermögenskonzepte entwickeln und umsetzen.

Herr Plate, vielen Dank für das Gespräch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.