Private-Equity: Geschäftsmodell ist transparenter geworden – Harald Rehberg (CFH Management GmbH)

Harald Rehberg ist Geschäftsführer der CFH Management GmbH. Im Interview spricht er über Private-Equity Investitionen, deren Chancen und Risiken sowie die Auswirkungen des Brexit.

Harald Rehberg

Private-Equity-Unternehmen werden im Volksmund häufig als Heuschrecken bezeichnet. Woher kommt dieser zweifelhafte Ruf?

Harald Rehberg: Der Begriff entstammt der politischen Diskussion und projiziert an einzelnen Transaktionen festgemachte Vorwürfe auf eine ganze Branche. Der Kernvorwurf dahinter lautete, durch eine zu hohe Fremdkapitalfinanzierung von Unternehmenskäufen die erworbenen Unternehmen zu schwächen. Den Unternehmen würden zu hohe Finanzierungslasten aufgebürdet, so dass keine Mittel für Investitionen oder andere operative Verwendungen mehr zur Verfügung stünden. Ergänzt wurde das Bild durch Kritik an Umstrukturierungen o. ä., bei denen beispielweise lokale Standorte oder Belegschaften in Frage gestellt wurden.

Halten Sie die Kritik an Ihrer Branche gerechtfertigt?

Harald Rehberg: Nein. Es mag Einzelfälle gegeben haben, auf die diese Vorwürfe zugetroffen haben. Aber grundsätzlich steht Private Equity ja gerade für den Eigenkapitalanteil an Unternehmenskäufen. Auch börsennotierte Unternehmen oder Familienunternehmen erwerben andere Firmen, mitunter gar mit einem höheren Fremdkapitalanteil. Die Branche hat die seinerzeit entflammte Diskussion aber zum Anlass genommen, ihre Öffentlichkeitsarbeit deutlich zu verbessern und mehr Transparenz hinsichtlich des Geschäftsmodells und der Akteure zu schaffen. Insbesondere der BVK Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (www.bvkap.de) veröffentlicht viele Daten zur Wachstums- und Beschäftigungswirkung dieses Wirtschaftszweigs.

Wie agieren und arbeiten Private-Equity-Unternehmen wirklich? Welchen Bedarf decken Sie?

Harald Rehberg: Letztlich funktioniert das Geschäftsmodell eines PE-Investors nur, wenn er eine Wertsteigerung des erworbenen Unternehmens erreicht. Dies geschieht typischerweise durch ein Gewinnwachstum und wird durch eine Stärkung des Unternehmens (Wachstum, neue Märkte, Zukäufe etc.) erreicht. PE-Gesellschaften investieren viel Geld und Zeit, um derartige Potenziale zu identifizieren und zu heben. Müssen dagegen Rationalisierungsmaßnahmen getroffen werden, liegt dies in der Regel eher am Wettbewerbsdruck – beispielsweise durch die Globalisierung – als an der Eigentümerstruktur.

Woher kommt eigentlich das Geld, dass Sie investieren?

Harald Rehberg: Generell wird Private Equity von institutionellen Investoren (Banken, Versicherungen, Pensionsfonds, Stiftungen, Vermögensverwaltungen u. ä.) getragen. In unserem Fall – wir investieren die Regionalfonds TGFS Technologiegründerfonds Sachsen und WMS Wachstumsfonds Mittelstand Sachsen – sind dies neben dem Freistaat Sachsen regionale Banken und Sparkassen.

Risikokapitalgeber sind auf Rendite aus. Ist das eine Chance oder eher ein Risiko für einen Übernahmekandidaten?

Harald Rehberg: Renditechancen und Risiko kann man nicht voneinander trennen. Das Risiko trägt aber in erster Linie der Investor. Für ein Unternehmen liegt die Chance darin, sich gemeinsam mit einem PE-Investor Wachstumspotenziale zu erschließen, die ihm sonst möglicherweise verschlossen blieben. Dies ist aber ein beidseitig selektiver Prozess. Ebenso wie der Finanzinvestor ein mögliches Investment intensiv analysiert, sollten die Eigentümer des Unternehmens den Investor (handelnde Personen, Referenzen, Strategie) gründlich prüfen, bevor sie ihm Anteile am Unternehmen übergeben. In unserem Fall sind unsere Investoren – und damit auch wir – neben der Rendite auch an der nachhaltigen Entwicklung der regionalen Wirtschaft interessiert.

Während sich der US-Kongress mit einer stärkeren Regulierung der Branche befasst, wird in Europa um Risikokapital geworben. Wie steht es um den europäischen Private-Equity-Markt im internationalen Vergleich?

Harald Rehberg: Nach der Finanzkrise ist die Finanzmarktregulierung in den meisten Teilen der Welt verschärft worden. Dies ist grundsätzlich auch richtig so, da nur durch Transparenz Vertrauen in der Öffentlichkeit zurückgewonnen werden kann. Für europäische Anbieter wäre es wünschenswert, wenn hier eine weitgehende Angleichung globaler Standards erfolgen könnte. Noch deutlicher gilt dies im Übrigen in der steuerlichen Behandlung, in der insbesondere die Bundesrepublik noch gegenüber anderen Ländern zurückliegt. Ein erster Schritt scheint hier aber mit dem aktuellen Fondsstandortgesetz gemacht zu werden.

Hat der Brexit Auswirkungen auf die europäische Private Equity Szene?

Harald Rehberg: Für uns als regionaler Akteur sehe ich hier keine Auswirkungen. Die großen paneuropäischen Fonds haben zumeist ohnehin schon erkannt, dass man den Zielmarkt „Deutscher Mittelstand“ besser mit einem Team vor Ort adressiert.

Herr Rehberg, vielen Dank für das Gespräch.

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