IT-Infrastruktur zwischen Stabilität und Wandel

Interview mit Androosh Minayan
Androosh Minayan, Geschäftsführer der pace‑IT GmbH, beschreibt, wie sich IT-Infrastrukturen zwischen Cloud, Eigenbetrieb und steigenden Anforderungen an Sicherheit und Betrieb neu ausrichten.

Welche technologischen Trends sehen Sie aktuell als besonders prägend für die IT-Infrastruktur?

Wir beobachten, dass viele Unternehmen ihre Infrastruktur heute wesentlich bewusster gestalten. Sie setzen nicht mehr allein auf die Cloud, sondern kombinieren eigenes Rechenzentrum, Cloud-Dienste, Edge-Standorte und SaaS so, dass jede Anwendung dort läuft, wo sie in Leistung und Kosten den größten Nutzen bringt. Parallel verändert sich das Sicherheitsverständnis. Der Zugriff orientiert sich zunehmend an Identitäten und Rollen, und es entstehen klare Abläufe für den Wiederanlauf, die den Geschäftsbetrieb im Ernstfall schnell stabilisieren. Auch der Alltag im Betrieb wandelt sich. Telemetriedaten und Automatisierungen helfen dabei, Störungen früh zu erkennen und Änderungen verlässlich umzusetzen, was Teams spürbar entlastet. Und schließlich wirkt KI stärker auf die Infrastruktur ein, als es viele erwartet haben. Damit sie im Unternehmen wirklich Mehrwert erzeugt, braucht sie eine tragfähige Datenbasis und ausreichend Leistung im Hintergrund.

Wo liegen die häufigsten Fehler oder Risiken, die Unternehmen bei der Modernisierung ihrer IT-Infrastruktur begegnen?

In Modernisierungsprojekten zeigt sich meist sehr schnell, wie wichtig ein detaillierter Blick auf den eigenen Bestand ist. Wenn Systeme, Abhängigkeiten oder alte Konfigurationen nicht vollständig erfasst sind, fehlt jede verlässliche Grundlage für weitere Schritte. Ebenso wichtig ist ein gemeinsames Verständnis davon, was die Modernisierung eigentlich erreichen soll. Das hilft, technische Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus zu treffen, sondern daran auszurichten, was im Geschäftsalltag wirklich besser werden soll, zum Beispiel die Sicherheit oder die Stabilität. Komplex wird es häufig in den Übergangsphasen. Dort treffen alte und neue Umgebungen aufeinander und gerade bei Zugriffen oder Backups entstehen schnell Lücken, wenn man sie nicht bewusst im Voraus plant und testet. Ein Aspekt, der zudem oft unterschätzt wird, ist der Umgang mit Downtimes: Ausfallzeiten müssen frühzeitig berücksichtigt, sauber geplant und klar kommuniziert werden und sollten, wo möglich, durch passende technische Maßnahmen vermieden werden. Am Ende zeigt sich die Qualität einer Modernisierung im täglichen Betrieb. Eine Umgebung, die gut automatisiert ist und aussagekräftige Signale liefert, lässt sich deutlich einfacher weiterentwickeln und entlastet die Teams spürbar. Solche Aspekte wirken unscheinbar, machen in der Praxis jedoch den entscheidenden Unterschied.

Wie gestaltet sich die praktische Umsetzung neuer IT-Infrastrukturlösungen im Unternehmensalltag?

Zu Beginn einer Modernisierung hat es sich bewährt, nach einer detaillierten IST-Analyse zunächst ein klares Bild der künftigen Umgebung zu entwickeln, damit alle wissen, worauf hingearbeitet wird. Die Umsetzung erfolgt dann bewusst in überschaubaren Schritten. Neue Komponenten werden zuerst in einzelnen Bereichen eingeführt, um Erfahrungen zu sammeln und den laufenden Betrieb nicht zu gefährden. Entscheidend sind die Übergangsphasen, in denen alte und neue Systeme parallel laufen. Wenn Zugriffe und Datenwege sauber vorbereitet sind, bleibt dieser Übergang stabil. Mit der Zeit entstehen so klare Abläufe, weniger manuelle Aufwände und eine Umgebung, die im Alltag stabil läuft und sich langfristig verlässlich weiterentwickeln lässt.

Zusammenarbeit: Wie wichtig ist die Abstimmung zwischen IT-Dienstleistern und internen Abteilungen bei der Infrastrukturentwicklung?

Sie entscheidet oft darüber, ob ein Projekt als Erfolg oder als Belastung wahrgenommen wird. Externe Partner bringen viel Erfahrung aus unterschiedlichen Umgebungen mit, während die interne IT genau weiß, wie das Unternehmen funktioniert und welche Besonderheiten berücksichtigt werden müssen. Eine ebenso wichtige Rolle spielen die Fachbereiche: Sie bringen Anforderungen und Rahmenbedingungen ein, die oftmals in keiner technischen Dokumentation stehen, aber für den langfristigen Betrieb entscheidend sind. Wenn diese Perspektiven früh zusammengeführt werden, entstehen Lösungen, die wirklich passen und sich verlässlich betreiben lassen. Gute Abstimmung zeigt sich dabei nicht nur im Projekt selbst, sondern vor allem danach, wenn Wissen im Unternehmen verankert ist, Verantwortlichkeiten klar geregelt sind und die Teams sicher mit der neuen Umgebung arbeiten.

Wie könnte sich die IT-Infrastruktur in den kommenden Jahren technologisch weiterentwickeln und welche strukturellen Veränderungen erwarten Sie?

Viele der Entwicklungen, die wir heute sehen, werden sich in den nächsten Jahren weiter vertiefen. Besonders deutlich wird das im Zusammenspiel von Daten, KI und Infrastruktur: Systeme müssen nicht mehr nur stabil laufen, sondern kontinuierlich auswerten, entscheiden und automatisiert reagieren können. Dafür braucht es integrierte Plattformen, in denen Datenwege, Rechenleistung und Sicherheitsmechanismen enger zusammenwachsen als heute. Gleichzeitig rücken Energie, Regulierung und digitale Souveränität stärker in den Mittelpunkt. Architekturentscheidungen hängen zunehmend davon ab, wie effizient ein Standort betrieben werden kann, welche Vorgaben erfüllt werden müssen und welche Abhängigkeiten man bewusst eingehen möchte. Strukturell führt das zu einer stärkeren Ausrichtung der IT auf klare Plattform- und Governance-Modelle. Teams verantworten nicht mehr einzelne Systeme, sondern ganze Services und arbeiten enger mit Fachbereichen zusammen.

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