Mobile First als Disziplin der Reduktion

Interview mit Eike Kruse
Eike Kruse ist Webdesigner und arbeitet täglich mit Mobile-First-Konzepten. Er beschreibt, wie Reduktion, Performance und klare Priorisierung digitale Projekte prägen.

Welche neuen Möglichkeiten bietet Mobile First Design für die Gestaltung von Webseiten und digitalen Anwendungen?

Für mich ist Mobile First vor allem eine hilfreiche Disziplin: Man muss früh entscheiden, was wirklich wichtig ist. Wenn ich ein Projekt mobil denke, entsteht automatisch eine klarere Struktur, weniger Ablenkung und eine bessere Nutzerführung. Das fühlt sich am Ende nicht nur auf dem Smartphone gut an, sondern oft auch am Desktop. Ein weiterer Vorteil: Mobile First bringt Performance mit auf die Agenda. Wenn eine Seite mobil schnell lädt und die wichtigsten Informationen sofort verständlich sind, steigt die Chance enorm, dass daraus eine Anfrage oder Buchung wird.

Wo sehen Sie die größten Risiken oder Unsicherheiten bei der Implementierung eines Mobile First Ansatzes?

Das größte Risiko ist, dass Mobile First missverstanden wird: Viele machen aus einer Desktop-Seite einfach „alles kleiner“. Das funktioniert selten. Mobile First heißt für mich: priorisieren, reduzieren, sauber führen. In der Praxis ist die größte Unsicherheit meistens nicht technisch, sondern organisatorisch: „Alles ist wichtig“ – und dann wird die Startseite zur Litfaßsäule. Mobil rächt sich das sofort. Technisch sehe ich Risiken bei zu schweren Setups (zu viele Plugins, zu große Bilder, zu viele Effekte), weil das mobile Erlebnis dann trotz schönem Design träge wirkt.

Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Kriterien, um den Übergang zu einem Mobile First Design erfolgreich zu gestalten?

Ich achte besonders auf fünf Punkte: Ein klares Ziel pro Seite: Was soll der Nutzer hier tun oder verstehen? Inhalte in der richtigen Reihenfolge: Erst das Wesentliche, dann Details. Kurze Wege: Navigation, Kontakt, Buchung – alles ohne Suchen. Touch-taugliche Bedienung: Buttons, Abstände, Formulare. „Daumenfreundlichkeit“ ist kein Detail. Performance als Qualitätsmerkmal: Wenn es schnell ist, wirkt es automatisch professioneller.

Gibt es besondere Erfahrungen oder Beobachtungen, die Ihnen bei der Umsetzung von Mobile First Projekten begegnet sind?

Was ich immer wieder sehe: Die größten Verbesserungen entstehen nicht durch mehr Design, sondern durch bessere Entscheidungen. Sobald Inhalte klarer sind, wird die Seite ruhiger und Nutzer finden schneller, was sie brauchen. Außerdem sind mobile Nutzer deutlich ungeduldiger, aber nicht unfair: Wenn sie in den ersten Sekunden verstehen, worum es geht und was der nächste Schritt ist, bleiben sie. Wenn nicht, sind sie weg. Diese ersten, entscheidenden Sekunden versuche ich in jedem Projekt sehr bewusst zu gestalten.

Wie bereiten Sie sich strategisch darauf vor, den Mobile First Ansatz in den kommenden Jahren weiterzuentwickeln?

Ich entwickle meine Projekte so, dass sie langfristig wartbar bleiben: Komponenten statt Sonderlösungen: Wiederverwendbare Bausteine, die mobil starten und dann skalieren. Messbar arbeiten: Ich schaue mir regelmäßig an, wo Nutzer abspringen und was tatsächlich geklickt wird. Technik schlank halten: Lieber weniger Tools und dafür sauber umgesetzt. Das zahlt sich über Jahre aus. Und ganz pragmatisch: Ich teste neue Seiten wirklich konsequent am Handy, nicht nur im Browser-Simulator. Das ist oft der Moment, in dem man merkt, ob es im echten Leben funktioniert.

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Eike Kruse

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