Mobile First ist kein Designtrend mehr

Interview mit Max Wellner
Max Wellner, Gründer der Digitalagentur Nakaryu, erklärt, warum Mobile First längst mehr ist als eine Layout-Frage – und welche strategischen, technischen und organisatorischen Konsequenzen sich daraus ergeben.

Welche neuen Möglichkeiten eröffnet das Mobile First Design für Webagenturen in der Gestaltung von Nutzererlebnissen?

Bei Nakaryu denken wir in Projekten grundsätzlich „mobile first“, nicht nur im Webdesign, sondern auch bei Landingpages, Funnels, Content-Struktur und Social-Media-Kampagnen. Der Grund ist simpel: Der größte Teil der Touchpoints findet heute mobil statt, vom ersten Ad-Kontakt bis zur Anfrage oder Bestellung. Deshalb gestalten wir Nutzerführung, Inhalte und Performance konsequent für mobile Nutzung und skalieren danach auf größere Screens.
Für Webagenturen eröffnet das die Möglichkeit, Nutzererlebnisse klarer und fokussierter zu bauen. Inhalte werden konsequent priorisiert, Wege kürzer, Navigation und Interaktionen daumenfreundlich gedacht und Calls-to-Action klarer platziert. Gleichzeitig ist Mobile First oft der schnellste Weg zu besserer Performance und Barrierefreiheit, weil man früh gezwungen ist, Ballast zu reduzieren und die Seite stabil und schnell zu machen.

Welche Risiken und Unsicherheiten müssen Unternehmen beachten, wenn sie auf Mobile First Design umstellen?

Weil wir Mobile First nicht nur als Layout-Thema sehen, betrachten wir die Risiken ganzheitlich. Die größte Unsicherheit ist, Mobile First als bloße Verkleinerung von Desktop zu verstehen, statt Inhalte, Prioritäten und Nutzerflüsse wirklich neu zu ordnen. Wenn Content nicht konsequent verdichtet wird, entstehen mobil schnell zu lange Seiten, unklare Informationshierarchien und Reibung in den wichtigsten Schritten.
Häufig kommen technische Bremsen hinzu, etwa durch Consent-Banner, Tracking, Chat-Widgets oder unoptimierte Fonts, die mobil besonders stark ins Gewicht fallen. Zusätzlich ist die Umstellung organisatorisch anspruchsvoll, weil UX, Content, Entwicklung und Marketing enger zusammenarbeiten müssen.

Was sind die entscheidenden Kriterien, um den Erfolg einer Mobile First Design-Strategie zu messen?

Da der Großteil der Touchpoints mobil startet, messen wir Erfolg entlang der gesamten Journey, vom ersten Kontakt bis zur Conversion. Grundlage sind Performance und Stabilität, etwa Core Web Vitals, Ladezeiten und Layout-Stabilität.
Danach zählen Nutzersignale: Schaffen Nutzer ihre Aufgaben, wie hoch sind Abbruchraten in Formularen oder im Checkout, welche Schritte werden tatsächlich genutzt, welche Micro-Conversions passieren? Ergänzend betrachten wir Business-Kennzahlen wie mobile Conversion Rate und Lead-Qualität sowie SEO-Signale wie mobile Rankings und CTR. Wichtig ist außerdem, die Übergänge zwischen Social oder Ads, Landingpage und Website sauber messbar zu machen, weil hier in der Praxis viele Conversion-Verluste entstehen.

Gibt es besondere Beobachtungen oder Erfahrungswerte, die im Rahmen von Mobile First Projekten besonders relevant sind?

Ja, und sie hängen stark damit zusammen, dass Mobile First bei uns auch Landingpages, Funnels und Social-Kampagnen umfasst. Content ist fast immer der Engpass, weil Mobile First nur funktioniert, wenn Inhalte klar priorisiert, verdichtet und verständlich strukturiert werden.
Formulare sind häufig der größte Hebel. Details wie Auto-Fill, passende Tastaturtypen, klare Fehlermeldungen und eine sinnvolle Feldreihenfolge machen einen enormen Unterschied. Außerdem sind externe Skripte oft die eigentliche Performance-Bremse. Hier lohnt sich bewusste Reduktion und technisches Feintuning. In der Praxis bringt ein iteratives Vorgehen die besten Ergebnisse: testen, messen, verbessern statt einmalig alles „fertig“ zu bauen.

Wie sollten sich Webagenturen strategisch auf die Zukunft des Mobile First Designs vorbereiten, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Wer wettbewerbsfähig bleiben will, sollte Mobile First als ganzheitliche Disziplin verstehen, nicht als Designtrend. Weil der größte Teil der Touchpoints mobil stattfindet, müssen Agenturen die komplette Journey mobil denken – also Social und Ads, Landingpages, Content-Struktur, Performance und Conversion-Flows als Einheit.
Dazu gehören Performance-Engineering mit klaren Performance-Budgets, Design-Systeme und komponentenbasiertes Arbeiten, Barrierefreiheit als Standard sowie datenbasierte Entscheidungen über Analytics, Funnel-Analysen und Tests. KI und Automatisierung können unterstützen, etwa bei Content-Varianten, Qualitätschecks oder Testing, sollten aber Nutzerführung und Markenlogik nicht ersetzen.

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Max Wellner

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