Welche technischen Trends sehen Sie aktuell als wegweisend für die digitale Sichtbarkeit von Marken?
Für uns sind vor allem drei Trends wegweisend: KI-gestützte Content-Produktion, datengetriebenes Social Media Marketing und plattformgerechtes Bewegtbild. KI hilft, Inhalte schneller zu planen, Varianten zu entwickeln und Hypothesen zu testen: von Text über Visuals bis hin zu ersten Videoentwürfen, die wir redaktionell und kreativ schärfen.
In der Zusammenarbeit mit mittelständischen Unternehmen, Verbänden und B2B-Marken sehen wir, dass KI gerade in der Konzeptionsphase und bei der Content-Variation enorme Effizienzgewinne ermöglicht – etwa, wenn aus einer Kernbotschaft unterschiedliche, zielgruppenspezifische Versionen für LinkedIn, Instagram oder die Website entstehen. Jedoch entscheidet die menschliche Bewertung: Ob eine Botschaft wirklich zur Marke passt, Stakeholder abholt oder intern anschlussfähig ist, kann keine Maschine allein entscheiden.
Zweitens verändern Social-Media-Insights, Listening-Tools und ein sauberes Tracking die Arbeit an digitaler Sichtbarkeit. Wir können für unsere Kunden sehr genau sehen, welche Themen, Formate und Tonalitäten Reichweite, Interaktion und Leads erzeugen und welche Inhalte zwar Aufwand, aber kaum Wirkung produzieren. Das verbessert die Steuerung von Kampagnen und die langfristige Content-Strategie über alle Kanäle hinweg.
Drittens nimmt die Bedeutung von Bewegtbild weiter zu: Reels, Shorts, Social Clips oder kurze Testimonial-Videos sind in vielen Projekten zu einem Standardbestandteil geworden. In unseren Kundenprojekten arbeiten wir häufig mit modularen Video-Setups, bei denen wir aus einem Dreh viele unterschiedliche Assets für verschiedene Plattformen gewinnen. Ergänzend gewinnen Themen wie Social SEO, Creator-Kooperationen und nutzergenerierte Inhalte an Relevanz, insbesondere für Marken, die Nähe aufbauen wollen.
Wo liegen die häufigsten Fehler und Risiken, wenn Unternehmen ihre digitale Präsenz optimieren wollen?
Ein häufiger Fehler ist, mit Tools und einzelnen Maßnahmen zu starten, ohne vorher eine klare Kommunikationsstrategie zu definieren. In der Praxis erleben wir oft, dass Unternehmen „mehr auf LinkedIn machen“ oder „endlich TikTok testen“ wollen – ohne zu klären, welche Ziele erreicht werden sollen, wen sie ansprechen und mit welchem Kernversprechen sie im Markt wahrgenommen werden möchten. Dann werden Kanäle zwar bespielt, aber die Wirkung verpufft, weil der rote Faden fehlt.
Ein zweites Risiko ist inkonsistente Markenführung über die Kanäle hinweg. Wenn Website, Social Media, PR, Newsletter und Paid-Kampagnen unterschiedliche Botschaften senden oder visuell nicht zusammenpassen, verwässert das die Marke. In unseren Projekten, etwa bei Rebrandings oder dem Auf- und Ausbau von Social-Media-Kanälen, achten wir daher darauf, zunächst das kommunikative Fundament zu klären: Positionierung, Tonalität, Bildsprache und Narrative. Erst darauf bauen wir konkrete Maßnahmen auf.
Gerade in Veränderungsprozessen unterschätzen viele Unternehmen, wie stark eine klare, stringente Kommunikation über Erfolg oder Scheitern entscheidet. Wenn digitale Sichtbarkeit steigt, aber intern die Kommunikation nicht mitwächst, entstehen Spannungen: Mitarbeitende fühlen sich nicht abgeholt, Führungskräfte werden überrascht, externe Stakeholder erleben Widersprüche. Deshalb verknüpfen wir bei vielen Mandaten externe Sichtbarkeit bewusst mit interner Kommunikation und Change-Begleitung.
Hinzu kommen rechtliche und reputative Risiken, etwa beim Einsatz von KI, bei Bildrechten, Urheberrecht, Datenschutz oder Kennzeichnungspflichten. Wer diese Punkte nicht sauber klärt und ohne klare Guidelines arbeitet, riskiert Fehler, die Vertrauen und Sichtbarkeit nachhaltig beschädigen können. Wir arbeiten mit KI-Guidelines und Qualitätschecks, um sicherzustellen, dass neue Technologien verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Wie integrieren Sie neue Technologien in die alltägliche Arbeit, um die digitale Sichtbarkeit Ihrer Kunden zu erhöhen?
Wir integrieren neue Technologien nie um ihrer selbst willen, sondern entlang der Kommunikationsstrategie des Kunden. Am Anfang stehen Ziele, Zielgruppen und Botschaften, daraus leiten wir ab, welche Tools echten Mehrwert bringen: in der Analyse, in der Content-Entwicklung, in der Distribution oder im Monitoring. So stellen wir sicher, dass Technologie kein Selbstzweck ist, sondern die Arbeit an der Marke unterstützt.
Wir nutzen KI-Tools zum Beispiel für Themen- und Keywordrecherche, Ideenfindung, erste Content-Entwürfe und -Varianten, Social-Media-Redaktionsplanung, Community-Management-Workflows sowie Reporting und Social Listening. Bei Kunden aus Industrie, Handel oder der Getränke- und Lebensmittelbranche hilft uns das, komplexe Inhalte schneller zu strukturieren und in verständliche, relevante Formate zu übersetzen, ohne an inhaltlicher Tiefe zu verlieren.
In unserer Agentur gehören regelmäßige interne Workshops zu KI und digitalen Tools fest zum Alltag. Wir testen neue Anwendungen an echten Kunden-Cases, etwa zur Akquise-Optimierung, zur effizienteren Erstellung von Videos oder zur Verbesserung des Monitorings. Die Erkenntnisse übertragen wir dann in unsere laufenden Projekte. Wichtig ist uns: KI unterstützt, aber sie ersetzt keine Beratung, keine Haltung und keine Verantwortung.
Unsere Kunden profitieren von innovativen Methoden, ohne selbst alle Tools im Detail kennen oder bewerten zu müssen. Wir übersetzen technologische Entwicklungen in konkrete, verständliche Maßnahmen, die zur Marke passen, etwa einen KI-gestützten Themenradar für LinkedIn, eine effizientere Content-Produktion für ein Rebranding oder ein Reporting, das klare Handlungsempfehlungen liefert.
Inwiefern gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Marketingagenturen und Technologieanbietern, um innovative Lösungen zu entwickeln?
Technologieanbieter sind für uns wichtige Partner, um digitale Sichtbarkeit skalierbar und messbar zu machen. Viele unserer Kunden nutzen spezialisierte Tools für Social Media Management, Monitoring, Publishing, Analyse oder Marketing Automation. Unsere Aufgabe ist es, die Bedürfnisse der Marke zu übersetzen, passende Lösungen zu identifizieren und so zu implementieren, dass sie im Alltag genutzt werden.
In der Praxis übernehmen wir häufig eine moderierende Rolle zwischen Kunde und Technologieanbieter: Wir definieren Anforderungen, begleiten Onboarding- und Setup-Prozesse, entwickeln Redaktions- und Freigabeworkflows und übersetzen Daten in Kommunikationsentscheidungen. So entstehen Setups, in denen das Zusammenspiel aus Technologie, Agentur und Inhouse-Team funktioniert, etwa bei Corporate-LinkedIn-Accounts oder dem Aufbau von Social-Media-Präsenzen.
Besonders spannend wird es, wenn wir mit Anbietern neue Funktionen testen oder spezifische Use Cases unserer Kunden begleiten, z. B. bei KI-basierten Themenanalysen oder effizienterer Asset-Verwaltung. Hier bringen wir unsere Praxiserfahrung ein und zeigen, was im Agentur- und Unternehmensalltag wirklich hilfreich ist.
Für unsere Kunden ist dieser Dreiklang aus Marke, Agentur und Technologie wichtig, um Lösungen zu entwickeln, die nicht nur gut aussehen, sondern auch in Organisation, Prozesse und Kultur passen. Nur dann entfalten sie Wirkung auf die digitale Sichtbarkeit und wirken nachhaltig.
Welche technologischen Entwicklungen erwarten Sie in der Zukunft, die die digitale Sichtbarkeit grundlegend verändern könnten?
Wir erwarten, dass KI in den nächsten Jahren noch tiefer in alle Kommunikationsprozesse hineinwächst – weg von einzelnen KI-Tools hin zu integrierten, intelligenten Systemen. Content wird stärker personalisiert, Kampagnen passen sich in Echtzeit an Nutzerverhalten an, Routineaufgaben werden weitgehend automatisiert. Das erhöht die Anforderungen an Marken: Wer sichtbar bleiben will, braucht klare Inhalte und Werte, die auch in einer hochautomatisierten Umgebung erkennbar sind.
Zudem wird die Verzahnung von Owned, Earned und Paid Media weiter zunehmen. Daten aus Website, Social Media, PR-Maßnahmen, Kampagnen und Sales-Prozessen fließen zusammen und ermöglichen ein genaueres Bild darüber, welche Inhalte zur gewünschten Wirkung führen. Für unsere Kunden wird digitale Sichtbarkeit damit noch stärker zur Unternehmensaufgabe, Kommunikation, Marketing, Vertrieb und HR müssen enger zusammenrücken.
Drittens rechnen wir mit einem weiteren Schub bei immersiven und interaktiven Formaten: von AR-Elementen über interaktive Videos bis hin zu virtuellen Events und Formaten, die digitale und physische Erlebnisse kombinieren. Für Marken im Mittelstand, im Handel oder im B2B-Sektor eröffnet das neue Möglichkeiten, komplexe Produkte und Leistungen erlebbar zu machen, auch ohne riesige Budgets, wenn man gezielt vorgeht.
Parallel dazu werden Regulatorik, Ethik und Transparenz im Umgang mit KI und Daten an Bedeutung gewinnen. Unternehmen werden sich noch stärker fragen müssen: Wie arbeiten wir mit KI? Welche Regeln setzen wir uns? Und wie kommunizieren wir das nach innen und außen? Als Agentur sehen wir unsere Aufgabe darin, unsere Kunden nicht nur kreativ und technisch zu begleiten, sondern auch kommunikativ – damit digitale Sichtbarkeit auf einem stabilen, verantwortungsvollen Fundament steht.