Warum gute UX heute mehr als Technik ist

Interview mit Thomas Vitzthum
User Experience wird zunehmend zum Ausdruck von Markenidentität. Creative Director Thomas Vitzthum erläutert, welche technischen und gestalterischen Trends Webprojekte prägen – und wo Agenturen häufig an Wirkung verlieren.

Welche aktuellen technischen Trends prägen derzeit die User Experience in der Webentwicklung?
Aktuelle UX-Trends werden zunehmend von Markenidentität und Klarheit geprägt. User Experience wird immer stärker als Ausdruck der Marke verstanden und beeinflusst Wiedererkennbarkeit und Vertrauen.

Technisch setzt sich ein Performance-first-Ansatz durch. Schnelle Ladezeiten und reaktionsfähige Interfaces sind zentrale Qualitätsmerkmale moderner Websites. Headless- und API-first-Architekturen schaffen dafür die nötige Flexibilität, um komplexe Interfaces performant umzusetzen.

Gleichzeitig beobachten wir, dass hochwertige Animationen und bewusst gestaltete digitale Experiences eine starke Wirkung entfalten können. Richtig eingesetzt, unterstützen Motion Design und Interaktionen die Nutzerführung und verstärken die Markenwahrnehmung. Entscheidend ist dabei eine funktionale, dosierte und technisch saubere Umsetzung.

Gestalterisch verbinden sich minimalistische Interfaces mit gezielten Micro-Interactions, um sowohl Klarheit als auch Ausdruck zu schaffen. Der Fokus liegt insgesamt auf markengetriebenen, technisch präzisen und langlebigen Nutzererlebnissen.

Wo sehen Sie häufige Fehler oder Risiken, die Webagenturen bei der Gestaltung der User Experience begehen?
Viele Agenturen orientieren sich stark an vorgefertigten Lösungen, ohne diese konsequent auf Marke, Zielgruppe und Nutzungskontext abzustimmen. Der Rückgriff auf Templates und Standarddesigns führt häufig dazu, dass Websites austauschbar wirken und kaum Wiedererkennbarkeit entwickeln.

Zudem wird User Experience nach wie vor zu technisch gedacht. Veraltete Systeme, starre CMS-Strukturen oder rein funktionale Ansätze verhindern echte Erlebnisse. Es fehlt an Gefühl, Atmosphäre und klarer Nutzerführung – und damit auch an Markenwirkung.

Ein weiterer zentraler Punkt ist das Zusammenspiel im Team. User Experience entsteht nicht allein durch einen Screendesigner und einen Entwickler. Projektmanager, Konzepter und Texter müssen von Beginn an aktiv eingebunden sein. Nur wenn alle Beteiligten aufeinander eingespielt sind und in dieselbe Richtung denken, entstehen funktionierende digitale Experiences und starke Markenauftritte. Genau dieses Zusammenspiel unterscheidet Agenturen voneinander.

Wie lassen sich diese Trends praktisch im täglichen Geschäftsumfeld einer Webagentur umsetzen?
Für uns beginnt eine gute User Experience immer mit einem klaren Verständnis der Marke. Gestaltung, UI-Systeme und Interaktionen leiten sich konsequent aus Markenidentität, Inhalten und Nutzerbedürfnissen ab.

Technisch setzen wir auf modulare, saubere Strukturen, die Designqualität langfristig tragfähig machen und Weiterentwicklung ermöglichen. Trends verstehen wir nicht als Vorgabe, sondern als Werkzeuge, die gezielt eingesetzt werden, wenn sie Nutzerführung und Markenwahrnehmung sinnvoll unterstützen.

Nicht jeder Trend passt zu jedem Kunden. Inhalte spielen dabei eine zentrale Rolle. Content, Tonalität und visuelle Gewichtung bestimmen maßgeblich, welche gestalterischen Mittel sinnvoll eingesetzt werden können. Entscheidend ist ein bewusstes Abwägen zwischen Ausdruck, technischer Machbarkeit und strategischer Relevanz.

Inwieweit ist die Zusammenarbeit zwischen Designern, Entwicklern und Kunden entscheidend für eine gelungene User Experience?
Eine überzeugende User Experience entsteht nur im Zusammenspiel aller Beteiligten. Designer und Entwickler müssen von Beginn an eng zusammenarbeiten, damit Gestaltung und Technik eine funktionale und gestalterische Einheit bilden.

Dabei reicht eine klare Rollenverteilung allein nicht aus. Designer benötigen ein grundlegendes technisches Verständnis, Entwickler wiederum gestalterisches Gespür. Ebenso wichtig ist die frühzeitige Einbindung der Kundenseite. Ziele, Inhalte und Nutzerbedürfnisse lassen sich nur dann sinnvoll berücksichtigen, wenn sie gemeinsam erarbeitet und klar definiert werden.

Workshops helfen, Erwartungen abzugleichen, Markenwerte herauszuarbeiten und komplexe Anforderungen strukturiert zu besprechen. Transparente Kommunikation ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor und sorgt dafür, dass User Experience als gemeinsamer Prozess verstanden wird.

Welche technologischen Entwicklungen erwarten Sie in naher Zukunft, die die User Experience weiter beeinflussen könnten?
Wir erwarten, dass KI-gestützte Interfaces und adaptive Designsysteme künftig an Bedeutung gewinnen – etwa bei Personalisierung, Content-Strukturierung oder der Anpassung von Interfaces an unterschiedliche Nutzungskontexte, ohne die Markenidentität zu verlieren.

Gleichzeitig steigt der Anspruch an Klarheit, Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit. Technologische Möglichkeiten nehmen zu, wodurch ein bewusster und verantwortungsvoller Einsatz umso wichtiger wird.

Design, Konzeption und Markenverständnis bleiben dabei klar in Menschenhand. KI-gestützte Werkzeuge verstehen wir als unterstützende Helfer, nicht als Ersatz. Ihr Potenzial entfalten sie nur auf Basis klarer strategischer und gestalterischer Grundlagen. Genau hier sehen wir bei Gravik unseren Schwerpunkt.

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Thomas Vitzthum

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