Warum Klarheit zur zentralen UX-Disziplin wird

Interview mit Laura Grashoff
Geschwindigkeit, Aufmerksamkeit und klare Entscheidungen prägen heute die User Experience. Laura Grashoff erläutert, warum gute UX weniger mit Trends als mit Struktur, Fokus und Verantwortung zu tun hat.

Welche aktuellen technischen Trends beeinflussen die User Experience in der Webentwicklung am stärksten?

Ein prägender Trend ist ganz klar der Umgang mit Geschwindigkeit und Aufmerksamkeit. Nutzer sind heute permanent mit Informationen konfrontiert und entscheiden innerhalb weniger Sekunden, ob sie bleiben oder gehen. Für die User Experience bedeutet das vor allem eines: Klarheit.
Inhalte müssen sofort verständlich sein, Seiten schnell laden und Nutzer ohne Umwege zur relevanten Information führen. Technisch rücken daher Performance, reduzierte Interfaces und eine klare visuelle Struktur immer stärker in den Fokus.

Welche typischen Fehler treten häufig bei der Umsetzung moderner User-Experience-Konzepte auf?

Ein häufiger Fehler ist, dass Projekte ohne klares Ziel starten. Oft ist nicht eindeutig definiert, wen die Website ansprechen soll und welche Handlung der Nutzer ausführen soll. Fehlt ein konkreter Nutzer-Avatar, bleibt die Ansprache unscharf.
Gleichzeitig werden Erwartungen geweckt, die die Website später nicht erfüllt – sei es funktional oder inhaltlich. Gute User Experience entsteht nur dann, wenn Ziel, Inhalt und Nutzerführung sauber aufeinander abgestimmt sind.

Wie setzen Sie in Ihrer Agentur innovative User-Experience-Ansätze im Arbeitsalltag konkret um?

User Experience beginnt für uns lange vor dem eigentlichen Design. Wir starten mit klaren Zielen, einer definierten Zielgruppe und realistischen Nutzungsszenarien. Darauf aufbauend entwickeln wir Userflows, Wireframes und erste Prototypen, die früh getestet und iterativ weiterentwickelt werden.
Innovation bedeutet für uns nicht, möglichst viel Technik einzusetzen, sondern Komplexität zu reduzieren und Nutzer intuitiv zu führen.

In welcher Weise arbeiten Designer und Entwickler zusammen, um ein konsistentes Nutzererlebnis zu gewährleisten?

Designer und Entwickler bringen unterschiedliche, aber gleichermaßen wichtige Perspektiven ein. Designer denken visuell, nutzerzentriert und oft visionär. Sie entwerfen Lösungen, die sich leicht und selbstverständlich anfühlen sollen.
Entwickler sorgen dafür, dass diese Ideen technisch sauber, performant und im Budgetrahmen umsetzbar sind. Ein konsistentes Nutzererlebnis entsteht dort, wo beide Disziplinen frühzeitig und eng zusammenarbeiten.

Wohin entwickelt sich die Technologie im Bereich User Experience, und welche strukturellen Veränderungen erwarten Sie?

Die User Experience wird sich künftig deutlich stärker personalisieren. Künstliche Intelligenz und Automatisierung ermöglichen es, Inhalte und Strukturen dynamisch an das Verhalten einzelner Nutzer anzupassen – teilweise in Echtzeit.
Grundlage dafür sind belastbare Daten und ein verantwortungsvoller Umgang mit Tracking und Datenschutz. User Experience wird damit noch datengetriebener und versteht sich zunehmend als Schnittstelle zwischen Design, Technologie und Strategie.

Gute User Experience ist kein kurzfristiger Trend, sondern das Ergebnis klarer Entscheidungen. Wer Nutzer versteht, Ziele definiert und Technologie sinnvoll einsetzt, schafft digitale Erlebnisse, die langfristig funktionieren – unabhängig von Designmoden oder Tools.

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Laura Grashoff

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