Wie beobachten Sie den aktuellen Markttrend in Bezug auf die Cloud-Migration innerhalb der Systemhaus-Branche?
In den letzten Jahren hat sich viel getan – vor allem im Mittelstand merken wir, dass das Thema Cloud richtig an Fahrt aufnimmt. Wichtig ist dabei, genau hinzuschauen, wie migriert wird.
Bei vielen Unternehmen geht es zunächst um eine sogenannte Lift-&-Shift-Migration. Bestehende Server werden relativ unverändert in die Cloud übertragen, meist um Kosten oder Wartungsaufwand zu reduzieren. Das kann ein sinnvoller erster Schritt sein, ist aber noch keine echte Transformation.
Spannend wird es dort, wo Unternehmen cloud-native denken – etwa wenn ERP-Lösungen vollständig in die Cloud verlagert oder Identitäts- und Zugriffsmodelle mit Plattformen wie Microsoft Entra ID oder Okta neu aufgebaut werden. Dann entstehen neue Möglichkeiten, etwa durch Single Sign-on, Zero-Trust-Modelle oder modernes Rechtemanagement.
Welche Hindernisse begegnen Ihnen häufig bei der Migration von IT-Infrastrukturen in die Cloud?
Oft beginnt es mit einem grundlegenden Missverständnis: Geht es um die Migration von Infrastruktur oder von Prozessen? Dieser Unterschied ist entscheidend.
Bei klassischen Lift-&-Shift-Projekten sind es häufig technische Themen wie Internetanbindung, mögliche Downtimes oder die Frage, ob Anwendungen in der Cloud performant genug laufen – insbesondere bei CAD- oder Spezialsoftware.
Bei cloud-nativen Projekten rücken dagegen organisatorische Fragen in den Vordergrund: Wie gelangen Daten sicher in die neue Umgebung? Müssen Altsysteme aus Revisionsgründen weiterbetrieben werden? Und wer sorgt dafür, dass Mitarbeitende mit den neuen Lösungen souverän arbeiten können?
Können Sie ein Beispiel aus der Praxis teilen, bei dem eine Cloud-Migration erfolgreich durchgeführt wurde?
Ein besonders eindrucksvolles Projekt war die Migration eines Verlagshauses. Dort wurde die komplette Serverlandschaft abgelöst – inklusive Fachanwendungen, Datenmigration und Telefonanlage.
Die größte Herausforderung lag weniger in der Technik als in der Organisation: Planung, klare Kommunikation und aktives Change Management waren entscheidend. Ein Terabyte Daten lässt sich nicht nebenbei migrieren. Mit dem richtigen Team und einer guten Begleitung verlief der Übergang jedoch reibungslos.
Inwiefern hat sich Ihr Vorgehen bei der Zusammenarbeit mit Kunden durch die Cloud-Migration verändert?
Heute stehen ausreichend belastbare Methoden zur Verfügung, um Cloud-Migrationen strukturiert und sicher umzusetzen. Entscheidend ist jedoch, dass Kunden gemeinsam mit ihrem IT-Systemhaus zunächst ihre bestehende Infrastruktur analysieren, um die passende Migrationsstrategie zu definieren.
Eine reine Lift-&-Shift-Migration ist aus meiner Sicht nicht mehr zeitgemäß und sollte nur in begründeten Ausnahmefällen erfolgen. Nachhaltiger ist es, Fachanwendungen schrittweise in cloud-native Lösungen zu überführen, die als echte Cloud-Services betrieben werden.
Welche Entwicklungen erwarten Sie in der Cloud-Migrationstechnologie in den kommenden Jahren?
In den kommenden Jahren wird sich die Migrationstechnologie deutlich weiterentwickeln, insbesondere im Bereich cloud-nativer Ansätze. Softwarehersteller werden zunehmend strukturierte und automatisierte Verfahren anbieten, um lokal betriebene Anwendungen in Cloud-Lösungen zu überführen.
Langfristig wird sich die Nutzung weiter vereinfachen. Anwendungen werden nicht mehr lokal installiert, sondern über den Browser als zentrale Arbeitsoberfläche genutzt. Das verändert nicht nur die Technik, sondern auch die Art, wie Unternehmen mit IT arbeiten.