Uwe Fleischhauer: Bei Privatanlegern sind Immobilien und Sachwerte beliebt

Uwe Fleischhauer ist Mitglied des Vorstands der YIELCO Investments AG. Mit ihm sprechen wir über unkonventionelle Investmentstrategien, alternative Investments sowie Private Markets.

Uwe Fleischhauer

Es gibt viele unkonventionelle Investmentstrategien. Ein spezieller Trend sind Alternative Investments. Was versteht man unter dieser Art von Geldanlage?

Uwe Fleischhauer: Unter Alternative Investments werden generell vor allem jene Vermögenswerte subsumiert, welche nicht in verbriefter Form an öffentlichen Börsen gehandelt werden und nicht für jeden Investor öffentlich zugänglich sind. Generell werden als Alternative Investments alle Anlageklassen außerhalb von Aktien, Anleihen und Bargeld definiert. Darunter können beispielsweise zwar auch Kunstwerke, Luxusuhren, Oldtimer fallen, aber in der Praxis spricht man vor allem von Hedge-Fonds, Private Equity (Unternehmensbeteiligungen mit Eigenkapital), Private Debt (Fremdkapitalbasierte Finanzierungen) und privaten Infrastrukturinvestments, auch Themen wie Real Estate, Holz/Wald o.a. sind/können Bestandteil eines Alternative-Portfolios sein. Alternative Investments zeichnen sich dadurch aus, dass Anleger vor allem erhöhte Zugangsbeschränkungen haben, welche die Erwerbbarkeit erschwert. Im Gegensatz zu traditionellen Anlageklassen ist die Preisfindung stärker von Verhandlungen zwischen Käufer und Verkäufer geprägt.

Alternative Geldanlagen können praktisch alle Sachwerte sein, bei denen eine Wertsteigerung möglich ist. Was sind die beliebtesten Assets im Segment der Alternativen Investments?

Uwe Fleischhauer: Derzeit erfreuen sich vor allem Private Markets (vor allem Eigenkapitalbeteiligungen im Bereich Private Equity und Infrastruktur sowie auch Private Debt) an hoher Nachfrage bzw. hoher Beliebtheit unter Investoren. Dies ist unter anderem auch auf eine höhere Werthaltigkeit in Krisenzeiten zurückzuführen sowie starke, langfristige Wertsteigerungspotenziale. Des Weiteren sind für institutionelle Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen Anlageklassen wie Private Debt und Infrastruktur auch ein Substitut für Anleihen, um langfristig auch konstante Ausschüttungen sicherzustellen. Private Equity verfügt weiterhin über den größten Kapitalzufluss im Bereich der Alternativen Investments. Bei Privatanlegern sind Immobilien und Sachwerte mit emotionalem Charakter beliebt – neu im Trend sind auch kryptografische Währungen. Institutionelle Investoren fokussieren sich dagegen vor allem auf die Investitionen in den Bereichen Private Equity, Infrastruktur und Private Debt – viele streben derzeit signifikante Quoten in diesen Anlageklassen im Verhältnis zum Gesamtbestand der Kapitalanlagen an.

Wie riskant bzw. rentabel sind Alternative Investments?

Uwe Fleischhauer: Abhängig vom Risikoprofil der angedachten Laufzeit und Renditeorientierung des Anlegers können in jedem der genannten Segmente unterschiedliche Rendite-/ Risikoergebnisse erzielt werden. Eine Pauschalisierung des Rendite-/ Risiko-Profils kann für Alternative Investments somit nicht durchgeführt werden – aufgrund der hohen Heterogenität der Alternativen Investments sowie der weiteren Unterteilung der Anlagestrategien in den verschiedenen Anlageklassen. Grundsätzlich reichen die erzielbaren Renditen von 5% bis weit über 15 bis 20%. Private Markets Investitionen werden u.E. oft mit einem zu hohen Risiko assoziiert – Risiko ist u.E. bei richtiger Vorgehensweise moderat und überschaubar. Private Debt gehört eher zum konservativen (Rendite-/Risiko-) Spektrum – Private Equity/Venture Capital verspricht höhere Renditen. Generell weisen Private Markets Investitionen in der Regel eine geringere Volatilität auf als vergleichbare liquide Anlageklassen. Um das teils höhere Risiko aufzufangen, bedarf es einer guten Streuung der getätigten Investitionen. Für Investitionen in Kunst oder Uhren ist eine Einschätzung der Zielrendite stark abhängig der Nachfrage der Bevölkerung und kann so ein Vielfaches des ursprünglichen Investments erzielen, aber auch einen hohen Verlust mit sich tragen.

Investitionen in Sachwerte wie Oldtimer, Kunst, Wein oder Luxusuhren erfordern eine hohe Expertise. Für welchen Typus von Anlegern sind solche Investments überhaupt geeignet?

Uwe Fleischhauer: Solche Investitionen sind vor allem für HNWI (vermögende Privatkunden) geeignet, die entweder eine Vorliebe für solche Sachwerte/-investitionen hegen und daher ggf. auch weniger auf eine Wertsteigerung angewiesen sind, oder für Anleger interessant, welche bereits ein ausreichendes und gut diversifiziertes Portfolio von liquiden/illiquiden Anlagen getätigt haben, meist über Fondslösungen. Nicht selten gilt ebenso eine Investitionsquote in Immobilien als wichtiger Baustein. Zusätzlich benötigen HNWI in der Regel keine stetigen Ausschüttungen von ihren Investments im Gegensatz zu beispielsweise Versicherungen und Pensionskassen. Schmuck, Kunst, Oldtimers, etc. werden neben den Alternative Investments auch oft der Liebhaberei zugeordnet. Sind die klassischen Anlageformen, je nach Bedarf und Anlagesumme des Anlegers, hinreichend abgedeckt, ist hinsichtlich der Diversifikation und ggf. durch intrinsisches Interesse wie Motivation ein Investment in dieses Segment interessant. Institutionelle beschäftigen sich mit diesen Anlageklassen in der Regel nicht.

Was empfehlen Sie Investoren, die Interesse an Alternativen Investments haben, aber noch wenig Erfahrungen mit solchen Assets haben?

Uwe Fleischhauer: Für Investoren, die noch über kein „Alternative-Exposure“ verfügen, bieten sich vor allem Dachfondslösungen an. Dabei wird eine hohe Diversifikation über eine hohe Anzahl an Transaktionen, auch über „vintage years“ erzielt und die essenzielle Managerselektion wird von einem erfahrenen Team (Asset Manager) vorgenommen. Zusätzlich kann so Zugang zu stark zugangsbeschränkten Fonds sichergestellt werden, insofern der Dachfonds-Manager gute Beziehungen zu den besten Zielfonds pflegt. Somit können mit einer Dachfondslösung attraktive Renditen bei einem sehr geringen Risikoprofil erzielt werden: Ein Kapitalverlust ist hier extrem unwahrscheinlich. Ein einführendes Gespräch im Vorfeld wie auch die Definition und Vorstellung über das eigene Risikoverständnis, der eigenen Renditeerwartung sowie das verfügbare Kapital und (Liquiditäts-) Anforderungsprofil für alternative Anlageklassen ist empfehlenswert. Auf jeden Fall gilt es, jegliche Art von Klumpenrisiken zu vermeiden.

Herr Fleischhauer, vielen Dank für das Gespräch!

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