Welche Rolle spielt die Unabhängigkeit von Versicherungsmaklern bei der Beratung von Kunden, und wie beeinflusst dies die Kundenzufriedenheit?
Gerade Kunden – insbesondere Neukunden – schätzen unsere Unabhängigkeit sehr. Das Wissen, dass wir von A (wie Allianz) bis Z (wie Zurich) sämtliche relevanten Gesellschaften berücksichtigen können, schafft Vertrauen. Zusätzlich ermöglicht unsere „Nicht-Datensammler-Pool-Kunden-App“ eine transparente und übersichtliche Darstellung aller Verträge an einem Ort. Diese Kombination aus Auswahlfreiheit und Transparenz wirkt sich unmittelbar positiv auf die Kundenzufriedenheit aus.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen in der Weiterbildung von Maklern, um eine wirklich unabhängige Beratung sicherzustellen?
Ganz klar: Fleiß. Der Weg zum wirklich unabhängigen Makler ist anspruchsvoll, zeitintensiv und oft nervenaufreibend. Fachliche Weiterbildung, Marktkenntnis und kontinuierliche Auseinandersetzung mit neuen Produkten und Prozessen sind unerlässlich – Abkürzungen gibt es hier nicht.
Zu mir: Ich bin Versicherungskaufmann, Finanzberater, Fachwirt für Finanzberatung, Programmierer und war vor meiner Firmengründung Geschäftsstellenleiter einer damaligen PKV-AG – bevor diese sich den sektenähnlichen Hirngespinsten eines Strukturvertriebes verkaufte.
Gibt es ein Beispiel aus Ihrer Praxis, das verdeutlicht, wie eine unabhängige Beratung den Unterschied für einen Kunden gemacht hat?
Ja, durchaus. In der Praxis erleben wir immer wieder, dass Kunden über Datensammler, Fintechs oder stark beworbene TV-Formate dazu verleitet werden, Apps zu installieren und damit unbewusst Maklervollmachten oder Bestandsübertragungen – teils an ausländische Investoren – zu erteilen (insbesondere bei Anbietern aus dem Umfeld von ProSiebenSat.1 oder RTL).
Nach einer sachlichen Aufklärung in einem fünfminütigen Telefonat gelingt es in eigentlich allen Fällen, die Kunden und Verträge zurückzugewinnen. Resultat: Häufig werden wir anschließend sogar aktiv im Familien- oder Bekanntenkreis weiterempfohlen – ohne dies aktiv einzufordern.
Ein weiteres Beispiel aus dem Alltag ist der Ausschreibungsprozess bei bKV-, BU- oder Firmenkunden: Wir vergleichen nicht nur Tarife, sondern auch Annahmeentscheidungen. Das gibt unseren Kunden echte Sicherheit. Vor zwei Jahren hat ein Versicherer nach unserer Intervention die Haftpflichtdeckung eines Kunden um rund 30.000 Euro erhöht, nachdem wir eine mögliche Ausschreibung bzw. Kündigung in Aussicht gestellt haben. Ich denke nicht, dass ein AO-Vermittler dies in dieser Form erreicht hätte.
Wie erleben Kunden im Alltag die Zusammenarbeit mit einem unabhängigen Versicherungsmakler im Vergleich zu anderen Beratern?
Die Rückmeldungen sind durchweg positiv im Vergleich zu klassischen Hochglanzprospekt-Verkäufern, die heute häufig unter erheblichem Verkaufsdruck stehen. Themen wie Besserstellungsklauseln, die es in der Ausschließlichkeit oft nicht gibt, sowie die Flexibilität, Kunden bei gleicher oder besserer Leistung auch zu einem anderen Versicherer zu begleiten, werden als klarer Mehrwert wahrgenommen.
Unabhängigkeit bedeutet für unsere Kunden vor allem eines: echte Kundenorientierung und tatsächliche Bedarfsermittlung. Wir arbeiten nicht mit Verkaufsdruck, sondern mit nachhaltigen Lösungen – haften aber selbstverständlich auch direkt für unsere Beratung.
Welche Kompetenzen und kulturellen Entwicklungen sind für die Zukunft der unabhängigen Versicherungsberatung entscheidend?
Auf fachlicher Ebene sind solides EDV- und Prozess-Know-how unverzichtbar. Ebenso wichtig ist jedoch ein authentischer, menschlicher und auch humorvoller Umgang mit Kunden – etwa wenn man sonntags auf der Couch bei VOX oder „Goodbye Deutschland“ sitzt und auf Fintech-Werbung oder vermeintlich perfekte Google-Bewertungen hereinfällt.
Kulturell ist die Entwicklung schwer vorherzusagen. Den Trend einer reinen „Geiz-ist-geil“-Mentalität erleben wir in unserem Kundenkreis zum Glück kaum bis gar nicht. Laufkundschaft haben wir bewusst nicht.
Wer billig kauft, kauft zweimal.