Wie hat sich die digitale Vermarktung von Immobilien entwickelt und welche Trends sind aktuell prägend?
Die digitale Vermarktung hat sich stark professionalisiert. Heute geht es nicht mehr nur um Inserate, sondern um ganzheitliche Inszenierung: hochwertige Fotos, Videos, Drohnenaufnahmen, Social-Media-Content und datenbasierte Kampagnen. Sichtbarkeit entsteht dort, wo Aufmerksamkeit ist – zunehmend auch außerhalb klassischer Immobilienportale. Dabei ist die Datenanalyse der Zielgruppe stärker in den Fokus gerückt, sodass Social-Media-Kampagnen nicht breit gestreut werden, sondern den passenden Käufer gezielt über Targeting ansprechen.
Immobilienpräsentationen und Videos sind dabei nicht mehr einfache Bilder oder Rundgänge, sondern schaffen Emotionen und erzeugen Interesse.
Wo liegen die größten Herausforderungen der digitalen Vermarktung?
Die größte Herausforderung liegt in Qualität und Konsequenz. Digitale Kanäle funktionieren nur mit klaren Prozessen, professionellem Content und strategischem Einsatz. Wer das vernachlässigt, verliert Reichweite und damit Marktanteile.
Entscheidend ist zudem die richtige Mischung aus digitalen Prozessen und persönlicher Betreuung. Immobilienvermittlung ist People Business. Digitale Tools sollen nicht das Gespräch mit dem Kunden ersetzen, sondern im Gegenteil dem Makler mehr Zeit verschaffen, um den persönlichen Kontakt zu pflegen.
Können Sie ein Beispiel aus der Praxis nennen, wie digitale Vermarktung erfolgreich umgesetzt wurde?
Gerade bei hochwertigen und außergewöhnlichen Immobilien ist eine andere Herangehensweise notwendig. Aktuell vermarkten wir eine Immobilie mit eigenem See in Wesel für 4,7 Millionen Euro. Die typischen Käufer solcher Objekte sind häufig nicht auf klassischen Portalen unterwegs.
Wir haben daher überlegt, welche Zielgruppe angesprochen werden könnte, und eine Kooperation mit einem Influencer aus dem Bereich Angeln geschlossen. Sein YouTube-Video, das in dem Haus entstanden ist, brachte mehr neue Anfragen als jedes Immobilienportal.
Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Kunden durch digitale Tools verändert?
Digitale Tools machen die Zusammenarbeit transparenter und effizienter. Kunden erhalten schneller Informationen, können Objekte virtuell erleben und sind besser vorbereitet. Das schafft Vertrauen und spart Zeit auf beiden Seiten.
Verkäufer erhalten zusätzlich Auswertungen zu den Aktivitäten rund um ihre Immobilie und sehen den tatsächlichen Vermarktungsaufwand. Käufer können Unterlagen direkt nach der Besichtigung einsehen und über unsere App Fragen stellen.
Wie blicken Sie auf die Zukunft der digitalen Immobilienvermarktung?
Künstliche Intelligenz, automatisierte Prozesse und personalisierte Ansprache werden die Vermarktung weiter prägen. Entscheidend bleibt jedoch, Technologie sinnvoll einzusetzen – als Unterstützung für Qualität, Beratung und persönliche Betreuung.
Gerade bei Kapitalanlagen werden Daten eine größere Rolle spielen als bei Privatkäufen. Ein Immobilienkauf bleibt jedoch ein emotionales Thema. Kunden informieren sich heute intensiver, sind aber oft mit Halbwissen überflutet. Umso wichtiger wird Vertrauen – eine Basis, die bisher keine KI abbilden kann.