Wie haben sich die Marktbedingungen für Immobilienmakler durch die Digitalisierung der Vermarktung verändert?
Die Digitalisierung hat die Transparenz massiv erhöht – für Käufer wie Verkäufer. Informationen sind heute schneller verfügbar, die Vergleichbarkeit ist größer und der erste Eindruck entsteht nahezu ausschließlich online. Käufer und Verkäufer können sofort Einblicke in die Angebotsstruktur erhalten, sehen mit wenigen Klicks, welche Anbieter in ihrer Nähe tätig sind, und erhalten konkrete Angebote über KI-Suchen. Für Makler bedeutet das: Durchschnitt reicht nicht mehr aus. Wer digital nicht exzellent präsentiert und vertreten ist, verliert bereits vor dem ersten persönlichen Kontakt. Gleichzeitig trennt sich stärker die Spreu vom Weizen. Digitale Reichweite allein ersetzt keine fundierte Marktkenntnis, keine strategische Preispositionierung und keine professionelle Verhandlungsführung.
Welche Hindernisse sehen Sie derzeit bei der digitalen Vermarktung von Immobilien?
Das größte Hindernis ist die Austauschbarkeit. Viele Angebote sehen gleich aus – gleiche Portale, ähnliche Bilder, ähnliche Texte. Dadurch entsteht kaum Differenzierung. Hinzu kommt eine gewisse Reizüberflutung. Interessenten scrollen schnell und entscheiden innerhalb weniger Sekunden, ob sie sich intensiver mit einer Immobilie beschäftigen. Die sozialen Netzwerke haben hierfür den Grundstein gelegt. Die Herausforderung besteht daher in der strategischen Positionierung: Wie wird eine Immobilie so aufbereitet, dass sie emotional anspricht, Vertrauen schafft und überzeugt? Es gilt, positiv aufzufallen.
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, bei dem digitale Tools den Verkaufsprozess positiv beeinflusst haben?
Ein konkretes Beispiel sind hochwertige Visualisierungen bei renovierungsbedürftigen Objekten. In mehreren Fällen konnten wir durch realistische Möblierungs- und Modernisierungsdarstellungen Interessenten erreichen, die zuvor Schwierigkeiten hatten, das tatsächliche Potenzial der Immobilie zu erkennen. Digitale Tools helfen dabei, fehlende Vorstellungskraft zu ersetzen – und vor allem Unsicherheiten zu reduzieren. Genau diese Unsicherheit führt häufig dazu, dass Suchende Abstand von einem Angebot nehmen. Fehlen klare Gestaltungsmöglichkeiten, belastbare Kosteneinschätzungen oder verlässliche Partner wie Handwerker, fühlen sich viele Interessenten überfordert. Indem wir nicht nur visualisieren, sondern auch strukturiert aufzeigen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und wie diese umgesetzt werden können, schaffen wir Orientierung und Sicherheit. Gerade bei komplexeren Immobilien beschleunigt das die Entscheidungsfindung spürbar.
Inwiefern hat sich die Zusammenarbeit zwischen Maklern und Kunden durch digitale Technologien verändert?
Die Kommunikation ist schneller, direkter und transparenter geworden. Reportings erfolgen situativ, Dokumente sind digital abrufbar, Prozesse effizienter. Gleichzeitig erwarten Kunden heute eine deutlich höhere Professionalität. Wer digital präsent ist, muss auch digital strukturiert arbeiten. Oft mangelt es an verlässlichen und zeitnahen Rückmeldungen in der Branche. Digitale Prozesse erleichtern die Zusammenarbeit – aber Vertrauen entsteht weiterhin im persönlichen Austausch und durch Verbindlichkeit.
Welche Entwicklungen erwarten Sie in der digitalen Vermarktung von Immobilien in den kommenden Jahren?
Wir werden eine zunehmende Individualisierung erleben – sowohl in der Zielgruppenansprache als auch in der Präsentation von Immobilien. In einer stetig wachsenden Informationsflut werden vor allem diejenigen sichtbar sein, die sich klar positionieren und qualitativ hervorheben. Datenbasierte Marktanalysen und KI-gestützte Auswertungen werden weiter an Bedeutung gewinnen und Entscheidungsprozesse unterstützen. Gleichzeitig wird hochwertiger Content – professionelle Fotografie, Videografie und eine durchdachte visuelle Inszenierung – noch stärker zum Differenzierungsmerkmal. Technologie allein wird den Makler jedoch nicht ersetzen. Sie wird vielmehr den professionellen Makler stärken – und den unprofessionellen zunehmend überflüssig machen.