Digitale Vermarktung zwischen Plattformlogik und Regulierung

Interview mit Georg Kuthan
Georg Kuthan, Inhaber von Kuthan-Immobilien in der Metropolregion Rhein-Neckar, erläutert, wie Datenschutz, Plattformregeln und KI-Vorgaben die digitale Vermarktung strukturell verändern.

Welche politischen oder regulatorischen Veränderungen beeinflussen aktuell die digitale Vermarktung im Immobiliensektor?

Die digitale Immobilienvermarktung steht derzeit vor allem unter dem Einfluss von Datenschutz, Transparenzpflichten und zunehmender Regulierung digitaler Technologien. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) hat das Spielfeld grundlegend verändert: Themen wie Cookie-Einwilligungen, Tracking-Beschränkungen oder die rechtssichere Nutzung von CRM- und Marketing-Tools sind für Makler längst keine Randthemen mehr. Tracking, Leadgenerierung und datenbasiertes Marketing sind nur noch unter klar definierten Bedingungen möglich.

Hinzu kommen strengere Vorgaben bei Pflichtangaben – etwa zu Energieeffizienz oder Verbraucherinformationen –, die digital jederzeit korrekt abrufbar sein müssen. Für Makler bedeutet das: Digitale Sichtbarkeit ohne rechtliche Substanz funktioniert nicht mehr. Nicht zuletzt beeinflussen Plattformregeln großer Immobilienportale sowie geplante Regulierungen im Bereich Künstliche Intelligenz zunehmend, wie Inhalte erstellt, ausgespielt und automatisiert verarbeitet werden dürfen.

Inwiefern wirken sich diese Veränderungen auf die Strategien und Prozesse von Immobilienmaklern aus?

Diese Rahmenbedingungen trennen professionelle Marktteilnehmer von reinen Anbietern und Hobby-Maklern. Digitale Vermarktung ist heute ein strategisches Steuerungsinstrument. Makler müssen Prozesse strukturieren und Inhalte dokumentieren. Gleichzeitig steigt der Bedarf an qualitativ hochwertigen, erklärenden Inhalten, da reine Werbebotschaften an Wirkung verlieren.

Viele Makler – auch wir – investieren daher verstärkt in unsere eigene Website, Content-Strategien, Videoformate und Lead-Systeme, um unabhängiger von einzelnen Plattformen zu werden. Ganz verzichten können wir auf sie jedoch noch nicht. Kurz gesagt: Wer digital vermarktet, muss heute unternehmerisch denken, nicht werblich.

Was sind die größten Herausforderungen, denen Makler bei der Umsetzung der neuen Anforderungen gegenüberstehen?

Die größte Herausforderung ist aus meiner Sicht die Gleichzeitigkeit der Anforderungen: rechtlich sauber, technisch effizient und kommunikativ überzeugend zu arbeiten. Das verlangt Know-how, Investitionen und klare Entscheidungen.

Viele Makler unterschätzen den Aufwand oder delegieren Digitalisierung halbherzig. Das rächt sich – entweder durch rechtliche Risiken oder durch ineffiziente Vermarktung. Aus meiner Sicht ist Digitalisierung kein Tool, sondern eine Managementfrage. Digitale Prozesse erfordern Umdenken, klare Zuständigkeiten und oft auch Investitionen, deren Nutzen sich nicht immer sofort messen lässt.

Wie wird die digitale Vermarktung von Immobilien in der Praxis wahrgenommen und welche Erfahrungen haben Makler bisher gesammelt?

In der Praxis erwarten Eigentümer heute eine professionelle digitale Inszenierung ihrer Immobilie nicht nur im Exposé. Das ist vergleichbar mit Markenauftritten in anderen Branchen. Hochwertige Fotos, Videos, virtuelle Rundgänge und schnelle digitale Kommunikation gelten heute als Standard. Makler, die dies bieten, gewinnen nicht nur mehr Anfragen, sondern vor allem besser informierte und entscheidungsfähige Kunden, die auf einer Vertrauensbasis mit uns arbeiten wollen.

Unsere Erfahrung zeigt: Digitalisierung beschleunigt Entscheidungen – ersetzt aber nicht die persönliche Beratung. Die besten Ergebnisse entstehen dort, wo digitale Effizienz und menschliche Kompetenz zusammenkommen.

Welcher gesellschaftliche oder regulatorische Trend könnte in Zukunft die digitale Vermarktung von Immobilien maßgeblich prägen?

Künftig wird weniger die Technik entscheiden, sondern die Regulierung von Vertrauen. Künstliche Intelligenz, automatisierte Bewertungen und personalisierte Ansprache werden stärker kontrolliert – gleichzeitig aber unverzichtbar.

Gesellschaftlich wächst der Wunsch nach Orientierung in einem komplexen Markt. Wer digitale Kanäle nutzt, um Wissen zu vermitteln statt nur Reichweite zu erzeugen, wird profitieren. Die Zukunft gehört Maklern, die digital führen, nicht nur werben.

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Georg Kuthan

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