Welche neuen Möglichkeiten sehen Sie in der aktuellen Baukostenentwicklung, um innovative Bauprojekte zu realisieren?
Ich sehe derzeit noch keine dramatische Veränderung der Baukostenlage, die per se neue Spielräume eröffnen würde. Innovative Bauprojekte haben es nach wie vor schwer – weniger wegen der Kosten selbst, sondern vor allem aufgrund der Vielzahl an Regeln, Normen und Vorschriften. Für Planer ist es wirtschaftlich riskant, hiervon abzuweichen, da Abweichungen schnell haftungs- oder genehmigungsrelevant werden können.
Ob Instrumente wie die Einführung der Gebäudeklasse E hier tatsächlich zu einer spürbaren Erleichterung führen, muss sich erst noch zeigen. Innovation entsteht aktuell weniger durch neue Spielräume als durch ein sehr präzises Navigieren innerhalb eines engen Regelwerks.
Mit welchen Risiken oder Unsicherheiten müssen Architekturbüros angesichts der steigenden Baukosten rechnen?
Kostensteigerungen sind für Architekturbüros grundsätzlich problematisch, insbesondere weil in vielen Planerverträgen haftungsrelevante Baukostenobergrenzen vereinbart werden. Gleichzeitig wird der Einfluss des Architekten auf die tatsächlichen Baukosten häufig überschätzt.
Gerade in den vergangenen Jahren haben wir erlebt, dass externe Faktoren wie Energiepreise, Materialverfügbarkeiten oder geopolitische Entwicklungen erhebliche Kostensteigerungen auslösen können, die mit der architektonischen Planung nur sehr bedingt zu tun haben. Diese Diskrepanz zwischen Verantwortung und tatsächlicher Steuerbarkeit stellt für Planer ein zentrales Risiko dar.
Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Kriterien, um bei der Planung von Bauprojekten trotz hoher Kosten die richtigen Weichen zu stellen?
Es gibt einige vergleichsweise einfache, aber wirkungsvolle Grundsätze, um Gebäude zu realisieren, die nachhaltig, robust und langfristig ihr Geld wert sind. Dazu gehört vor allem eine auf das Wesentliche reduzierte und robuste Haustechnik, die nicht auf maximale Komplexität, sondern auf Verlässlichkeit und Wartungsarmut setzt.
Ebenso entscheidend sind eine angemessene Konstruktionsweise sowie ein gezielter, differenzierter Einsatz von Qualitäten – abhängig von Nutzung, Funktion und Beanspruchung der jeweiligen Räume. Nicht jeder Quadratmeter muss denselben Ausstattungsstandard haben, um ein gutes Gebäude zu ergeben.
Gibt es aus Ihrer Erfahrung heraus Beobachtungen, die im Umgang mit gestiegenen Baukosten besonders relevant sind?
Ein Aspekt, der zu Projektbeginn häufig unterschätzt wird, ist der Faktor Bauzeit. Kosten, die durch verlängerte Bauzeiten entstehen, verbessern in der Regel nicht die Qualität des Gebäudes. Sie erhöhen lediglich den finanziellen Aufwand, ohne einen entsprechenden Mehrwert zu erzeugen.
Um die Bauzeit im Griff zu behalten, ist nicht nur eine gute Planung erforderlich, sondern auch ein engagierter Auftraggeber. Durch eine vollständige und rechtzeitige Beauftragung der notwendigen Planungs- und Bauleistungen kann der Bauherr einen wesentlichen Beitrag zu einem stabilen und zügigen Projektverlauf leisten.
Wie bereiten Sie sich strategisch auf zukünftige Entwicklungen im Bereich der Baukosten vor?
In unserem Büro legen wir großen Wert auf eine realistische Einschätzung der Kosten bereits zu Projektbeginn. Häufig existieren gerade in frühen Projektphasen – auch auf Bauherrenseite – noch sehr optimistische oder veraltete Vorstellungen von Baukosten.
Unsere Strategie ist es daher, möglichst früh einen belastbaren Konsens über Projektziele, Qualitätsanspruch und finanziellen Rahmen herzustellen. Nur wenn Einigkeit darüber besteht, was gebaut werden soll und was bewusst nicht, kann ein Projekt stabil entwickelt werden.
Diese frühe Klärung schafft Transparenz und Vertrauen. Sie hilft, spätere Korrekturen zu vermeiden, die zu einem Zeitpunkt erfolgen müssten, an dem sie teuer, zeitkritisch und oft schmerzhaft für alle Beteiligten sind. Ein klarer Blick zu Beginn ist aus unserer Sicht die beste Versicherung gegen böse Überraschungen im weiteren Projektverlauf.