Welche neuen Möglichkeiten eröffnet die nachhaltige Architektur für die Gestaltung moderner Städte und Wohnräume?
Im Stadtraum wird mehr Wert auf die Aufenthaltsqualität gelegt. Nachhaltige Architektur hebt die Trennung zwischen Natur und Stadt auf und schafft klimatisch hochwertigere Stadträume, z. B. durch Alleen, grüne Plätze, mehr Verschattung und Begrünungen auf Balkonen, Terrassen und an der Fassade. Insbesondere die Vegetation als neue Komponente in der Stadt erfährt eine Renaissance und führt zu lebenswerten Räumen für Menschen und zu mehr Biodiversität. Auch im Innenraum kommen zunehmend natürliche Materialien wie Holz zum Einsatz, die durch ihre ästhetischen und physikalischen Eigenschaften eine warme und angenehme Aufenthaltsqualität für den Menschen schaffen.
Was sind die größten Unsicherheiten, die Architekten bei der Planung nachhaltiger Gebäude berücksichtigen müssen?
Wir fokussieren uns auf die Qualitäten, die wir erreichen möchten. Wahre Qualität bedeutet, dass das Haus lange steht. Dafür beschäftigen wir uns verstärkt mit den Materialien und deren Herstellung und Lieferketten. Hochwertige Materialien beeinflussen die Langlebigkeit und Nutzungsqualität eines Gebäudes maßgeblich. Gleichzeitig spielt die Kommunikation eine entscheidende Rolle: Wir beraten unsere Kunden frühzeitig zu den langfristigen Mehrwerten – etwa bei der Investition in eine nutzbare Dachfläche, die über die Lebensdauer eines Wohngebäudes hinweg Vorteile bietet.
An welchen Kriterien messen Sie den Erfolg nachhaltiger Bauprojekte?
Neben der Langlebigkeit eines Gebäudes ist das für uns die Flexibilität in der Nutzung. Ein erfolgreich nachhaltiges Gebäude kann sich über Generationen den Nutzerbedürfnissen anpassen und bleibt dennoch immer funktionsfähig. Gleichzeitig erscheint der Einsatz von einfachen, soliden Technologien der sinnvolle Weg, um langfristige Nachhaltigkeit sicherzustellen. Der Indikator für den Erfolg nachhaltiger Gebäude ist die Langlebigkeit des Gebäudes über Generationen hinweg.
Gibt es spezifische Beobachtungen aus Ihrer Praxis, die besonders hervorheben, wie Nachhaltigkeit in der Architektur effektiv umgesetzt werden kann?
Unsere Lösungen entwickeln wir analytisch mit Optioneering – einem interdisziplinären Ansatz, der Architektur, Ingenieurwissen, wissenschaftliche Methoden und softwaregestützte Analysen kombiniert. So können wir durch iterative Prozesse und Variantenuntersuchungen die bestmöglichen Lösungen in Bezug auf Materialwahl, Energieeffizienz, städtebauliche Integration und Kosten erarbeiten. So haben wir bei unserem Projekt Matchbox in Eschborn die einfachen Flächen der Fassade als Energielieferanten identifiziert. Das Gebäude umgibt allseitig eine bauwerkintegrierte und damit ästhetische Photovoltaikanlage. In der nachhaltigen Architektur geht es darum, die Dinge neu zu denken, dadurch neue Möglichkeiten zu erkennen und umzusetzen.
Wie bereiten Sie Ihr Architekturbüro strategisch auf die zukünftigen Anforderungen im Bereich der nachhaltigen Architektur vor?
Wir verbessern kontinuierlich unsere Analyseverfahren und integrieren verstärkt KI-gestützte Entwurfswerkzeuge, um Materialeinsatz und energetische Parameter zu optimieren. In der heutigen Zeit sind sowohl eine intelligente Ausnutzung von Flächen als auch ein optimierter Einsatz von Baumaterialien elementar. Durch intelligentes Engineering kann der Einsatz von kostbaren Ressourcen in allen Bereichen des Bauens optimiert werden. Gleichzeitig ist ein nachhaltiges Haus immer auch ein schönes Haus. Unser Anspruch an nachhaltige Architektur ist es, mit einer ästhetischen Bauweise eine lebenswerte Umwelt für alle zu schaffen.
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Portrait: © Benjamin Schenk