Was bleibt, wenn Tempo keine Strategie mehr ist

Interview mit Agnes Kowalska
Die Zinswende hat den Immobilienmarkt nicht nur abgekühlt, sondern neu sortiert. Agnes Kowalska, Gründerin von KOCO Immobilien, spricht über Verantwortung, Orientierung und strukturellen Wandel.

Welche strategische Relevanz hat die aktuelle Zinsentwicklung für die Immobilienbranche und insbesondere für Makler?
Für mich persönlich ist die Zinsentwicklung der größte Veränderungstreiber unserer Branche seit vielen Jahren. Sie hat den Markt entschleunigt – und genau das macht Qualität wieder sichtbar. Bei KOCO haben wir früh verstanden, dass Makler nicht mehr nur Angebote vermitteln dürfen, sondern Zusammenhänge erklären müssen. Heute geht es darum, Orientierung zu geben, Unsicherheit einzuordnen und Entscheidungen faktenbasiert zu begleiten. Wer das kann, bleibt relevant – wer nicht, verschwindet.

Inwiefern erfordert die Zinsentwicklung Anpassungen in den Finanzierungsprozessen oder Geschäftsmodellen von Immobilienmaklern?
Die Zinsentwicklung hat unser Geschäftsmodell klar geprägt. Wir haben bei KOCO Prozesse neu gedacht und Finanzierung konsequent in die Vermittlung integriert. Kaufentscheidungen entstehen heute nicht mehr spontan, sondern strategisch. Deshalb arbeiten wir datenbasiert, prüfen Finanzierbarkeit frühzeitig und steuern den Verkaufsprozess deutlich strukturierter. Innovation bedeutet für mich dabei nicht Technik um der Technik willen, sondern intelligente Abläufe, die reale Probleme lösen.

Welche neuen Rollenbilder oder Qualifikationen könnten für Immobilienmakler in Zukunft wichtiger werden, um sich im Kontext der Zinsentwicklung zu behaupten?
Ich glaube fest daran, dass der Makler der Zukunft ein hybrides Rollenbild einnimmt: Berater, Marktanalyst und Prozessmanager zugleich. Bei KOCO investieren wir stark in Wissen, Technologie und persönliche Weiterentwicklung. Finanzierungsverständnis, Zahlenaffinität und strategisches Denken sind heute genauso wichtig wie Empathie und Kommunikationsstärke. Innovation heißt für uns, Menschen besser zu machen – nicht nur Tools einzuführen.

Wie entwickeln sich die Formen der Kooperation zwischen Immobilienmaklern und Finanzinstituten im Zuge der Zinsänderungen?
Die Zusammenarbeit ist deutlich enger und professioneller geworden. Bei KOCO sehen wir Finanzierungspartner nicht als externe Dienstleister, sondern als integralen Bestandteil unseres Systems. Gemeinsam entwickeln wir individuelle Lösungen, die zu Objekt, Marktphase und Käuferprofil passen. Diese Form der Kooperation ist für mich ein klares Zeichen dafür, dass sich die Branche strukturell weiterentwickelt – weg von Silos, hin zu echten Partnerschaften.

Was bedeutet der langfristige Blick auf die Zinsentwicklung für strategische Entscheidungen in der Immobilienbranche?
Langfristig zwingt uns die Zinsentwicklung dazu, nachhaltiger und intelligenter zu handeln. Schnelles Wachstum ohne Substanz funktioniert nicht mehr. Für KOCO bedeutet das, kontinuierlich in Innovation, Prozesse und Menschen zu investieren. Ich bin überzeugt: Die Zukunft gehört Unternehmen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, neue Wege zu gehen und sich ständig zu hinterfragen. Genau diesen Anspruch haben wir an uns selbst.

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Agnes Kowalska

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