Was der Markt heute nicht mehr verzeiht

Interview mit Achim Weyel
Achim Weyel beobachtet den Immobilienmarkt in Bochum und im Ruhrgebiet aus täglicher Praxis. Er spricht über Preisrealität, auseinanderdriftende Teilmärkte und die wachsende Bedeutung von Substanz und Kalkulation.

Wie bewerten Sie aktuell die Entwicklung des Immobilienmarktes und welche Trends sehen Sie für die kommenden Jahre?

Wir sehen aktuell keinen einheitlichen Immobilienmarkt, sondern viele Teilmärkte. Gerade in Bochum und der Metropole Ruhr reagieren Stadtteile sehr unterschiedlich – abhängig von Mikrolage, Energiezustand, Zielgruppe und Angebot. Nach der Korrekturphase hat sich der Markt stabilisiert, allerdings auf einem realistischeren Niveau.

Für die kommenden Jahre zeichnen sich drei klare Trends ab: Erstens bleibt Wohnraum knapp, insbesondere im bezahlbaren Segment. Zweitens wird die Energieeffizienz einer Immobilie noch stärker zum Preistreiber. Unsanierte Bestände geraten unter Druck, während energetisch solide Objekte gefragt bleiben. Drittens rücken Mehrfamilienhäuser und gut strukturierte Kapitalanlagen wieder stärker in den Fokus, weil Investoren planbare Erträge suchen.

Welche Herausforderungen sehen Sie für Immobilienmakler in einem Markt, der von steigenden Zinsen und veränderten Käufererwartungen geprägt ist?

Die größte Herausforderung ist die gestiegene Erwartungshaltung der Käufer. Finanzierungen werden genauer geprüft, Entscheidungen dauern länger und Preisverhandlungen sind deutlich faktenorientierter geworden. Käufer erwarten Transparenz – zu Kosten, Energiezustand, Sanierungsbedarf und realistischem Marktwert.

Für Makler bedeutet das: Reines Marketing reicht nicht mehr. Gefragt sind Marktkenntnis, ehrliche Beratung und die Fähigkeit, Eigentümer und Käufer durch einen komplexer gewordenen Entscheidungsprozess zu führen.

Welche Strategien haben sich in einem volatilen Immobilienmarkt als besonders effektiv erwiesen?

Aus unserer Erfahrung funktionieren drei Dinge besonders zuverlässig.

Erstens eine realistische Preisfindung von Anfang an. Überhöhte Einstiegspreise verlängern Vermarktungszeiten und schaden am Ende allen Beteiligten.
Zweitens eine hybride Arbeitsweise: digitale Vermarktung kombiniert mit echter lokaler Präsenz, vollständigen Unterlagen und klaren Objektanalysen.
Drittens funktionierende Netzwerke. Über regionale Strukturen wie BVFI24 und die Eigentümer-Allianz schaffen wir Schnittstellen zwischen Eigentümern, Maklern, Dienstleistern, Investoren und Endkunden. Das beschleunigt Prozesse und reduziert Reibungsverluste.

Welche Rolle wird Technologie künftig für die Arbeit von Immobilienmaklern spielen?

Technologie wird den Beruf nicht ersetzen, aber sie verändert ihn grundlegend. Digitale Tools und künstliche Intelligenz helfen bei der Vorqualifizierung von Anfragen, der Datenaufbereitung und der Prozesssteuerung. Dadurch werden Abläufe schneller, transparenter und strukturierter.

Entscheidend ist jedoch: Technologie unterstützt Entscheidungen, sie ersetzt keine Verantwortung. Gerade in heterogenen Märkten wie der Metropole Ruhr bleibt lokale Marktkenntnis unverzichtbar.

Wie beeinflussen geopolitische und wirtschaftliche Faktoren die Immobilienpreise in Ihrer Region?

Geopolitische und wirtschaftliche Entwicklungen wirken vor allem indirekt – über Finanzierungskonditionen, Bau- und Sanierungskosten sowie die allgemeine Verunsicherung von Käufern. In der Metropole Ruhr zeigt sich dabei ein differenziertes Bild: Gute Lagen mit solider Bausubstanz bleiben stabil, während Objekte mit Sanierungsstau und unklaren Kosten stärker unter Druck geraten.

Unser Fazit: Der Markt verzeiht Preisfantasien immer weniger. Gewinner sind Immobilien mit Klarheit, Substanz und nachvollziehbarer Kalkulation.

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Achim Weyel

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