Welche Bedeutung haben aktuelle arbeitsrechtliche Trends für die strategische Ausrichtung von Anwaltskanzleien?
Aktuelle Trends zwingen Kanzleien, ihre Beratung stärker strategisch auszurichten. Ich denke dabei momentan insbesondere an das Thema Arbeitszeit und die Aufzeichnung der Arbeitszeit, aber auch an Entgelttransparenz und den Umgang mit KI durch Arbeitnehmer. Unsere Mandanten erwarten, dass wir ihnen die rechtlichen Anforderungen erklären und sie bei der Umsetzung der erforderlichen Prozesse unterstützen.
Wie beeinflussen neue arbeitsrechtliche Entwicklungen die bestehenden Prozessmodelle innerhalb von Kanzleien?
Die Beratung wird projektförmiger. Gerade im Arbeitsrecht steht vielfach nicht der Einzelfall, sondern ein zu standardisierender Prozess im Vordergrund. Klare Vorgaben und Leitlinien erleichtern den Unternehmen die Einordnung und Bearbeitung aufkommender arbeitsrechtlicher Problemstellungen anhand geeigneter und nachvollziehbarer Dokumentation. Wir unterstützen bei der Entwicklung und Implementierung der diesbezüglich notwendigen Tools und informieren über wichtige Änderungen der Rechtslage.
Welche Qualifikationen oder Rollenbilder gewinnen angesichts dieser Trends an Bedeutung?
Gefragt ist fachliche Breite. Arbeitsrecht beinhaltet viele Fragestellungen auch zum Steuerrecht, gerade im Zusammenhang mit Entlassungen und Entsendungen, aber auch im Bereich der mobilen Arbeit. Arbeitnehmer wollen heutzutage von überall arbeiten können. Das stellt Arbeitgeber vielfach vor Herausforderungen, insbesondere im Steuerrecht, aber auch im Sozialversicherungsrecht. Wichtig sind zudem eine ausgeprägte Verhandlungskompetenz sowie Erfahrung in Konfliktlösung und Mediation – auch in englischer Sprache.
Inwieweit verändern sich die Formen der Kooperation zwischen Anwälten und anderen Stakeholdern im rechtlichen Umfeld?
Die Zusammenarbeit beginnt früher und wird enger sowie fachübergreifender. Es besteht seitens der Unternehmen eine höhere Bereitschaft, Anwälte bereits in der Konzeptionsphase einzubinden statt erst im Streitfall. Für internationale Themen sind belastbare Partnernetzwerke vorteilhaft. Wir sind Mitglied der DIRO und können daher innerhalb der EU sowie teilweise auch international auf verlässliche anwaltliche Partner aus anderen Rechtsordnungen zurückgreifen und diese einbinden.
Was erwarten Sie langfristig von den arbeitsrechtlichen Entwicklungen, und welche Entscheidungen sollten Kanzleien heute treffen?
Ich erwarte infolge von Digitalisierung und KI weiter steigende Anforderungen an Verwaltung und Dokumentation. Zudem ist mit einer Ausweitung von Streitigkeiten zur Höhe der Arbeitsvergütung, insbesondere zu Überstunden und Boni sowie zu Rechtsfragen der mobilen Arbeit, zu rechnen. Kanzleien sollten daher heute in Technologie, Wissen und standardisierte Produkte investieren. Moderne Preis- und Serviceangebote können den Mehrwert anwaltlicher Leistung bereits vor dem Streitfall stärker hervorheben.