Wie hat sich die Bedeutung der digitalen Sichtbarkeit im Marketingumfeld in den letzten Jahren verändert?
Früher reichte eine gute Website. Heute ist Sichtbarkeit ein multidimensionales Geflecht aus Web, Social Media, Local SEO und Marktplätzen wie Amazon oder eBay. Die Komplexität, überall ein konsistentes Bild abzugeben, ist massiv gestiegen. Früher war Sichtbarkeit ein Bonus für innovative Marken. Heute ist sie das digitale Äquivalent zur Ladenmiete in der 1A-Lage. Wer bei Google oder auf Social Media nicht auf den ersten Plätzen stattfindet, existiert für einen Großteil der Zielgruppe schlichtweg nicht mehr.
Welche Herausforderungen begegnen Unternehmen derzeit, wenn sie ihre digitale Präsenz stärken wollen?
Es wird mehr Content produziert, als jemals konsumiert werden kann. Die größte Hürde ist es, aus dem Grundrauschen hervorzustechen. Viele Unternehmen investieren in Masse statt in Klasse und wundern sich über mangelnde Resonanz. Dazu kommt, dass sich die Algorithmen ständig ändern. Viele Inhouse-Abteilungen kommen kaum hinterher, die aktuelle Dynamik von KI und technischem SEO gleichzeitig zu beherrschen.
Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem eine erfolgreiche Strategie zur Erhöhung der digitalen Sichtbarkeit umgesetzt wurde?
Ein E-Commerce-Kunde kombinierte SEO und SEA nicht als getrennte Kanäle, sondern als Einheit. Durch die Nutzung von SEO-Daten zur Optimierung der Google-Ads-Quality-Scores konnten wir die Klickkosten senken und gleichzeitig die organische Reichweite für teure Keywords erhöhen.
Inwiefern müssen Marketingagenturen ihre Arbeitsweise anpassen, um die digitale Sichtbarkeit ihrer Kunden effektiv zu verbessern?
Agenturen dürfen nicht mehr nur „die SEO-Agentur“ oder „die Social-Media-Agentur“ sein. Wir müssen ganzheitliche Strategen sein, die verstehen, wie sich die Kanäle gegenseitig beeinflussen. Sichtbarkeit ist ein Ökosystem. Dazu müssen Agenturen KI-Tools fest in die täglichen Arbeitsabläufe implementieren, um effizienter zu werden, etwa bei der Datenanalyse oder Content-Skalierung. Gleichzeitig muss der menschliche Faktor – Strategie und Kreativität – gestärkt werden, um nicht in der KI-Belanglosigkeit zu versinken.
Welche Entwicklungen erwarten Sie in der Bedeutung der digitalen Sichtbarkeit für Unternehmen in den kommenden Jahren?
Die Suche wird sich radikal verändern. KI wird Antworten direkt geben, ohne dass Nutzer immer auf Websites klicken. Unternehmen müssen ihre Inhalte so strukturieren, dass sie als Quelle für diese KI-Antworten dienen, etwa im Sinne von Answer Engine Optimization. Gleichzeitig wird in Zeiten von KI-generiertem Spam „Experience, Expertise, Authoritativeness and Trustworthiness“ zum wichtigsten Rankingfaktor. Echte Autorität und belegbare Expertise werden die einzigen Garanten für dauerhafte Sichtbarkeit sein.
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