Social Media wird schneller – Agenturarbeit auch

Interview mit André Vaternam
Kurzvideo, KI und neue Messlogiken verändern den Alltag von Agenturen spürbar. André Vaternam erklärt, warum Social Media Marketing heute weniger Bauchgefühl und mehr Struktur verlangt.

Welche technischen Trends dominieren aktuell die Welt des Social Media Marketings, und wie beeinflussen sie die Strategien von Agenturen?
Ganz klar: Kurzvideo bleibt der Taktgeber. Nicht nur auf TikTok, auch Reels und Shorts sind oft der schnellste Weg zu Reichweite. Deshalb planen wir Inhalte heute viel stärker im Serien- und Formatdenken.

Dazu kommt KI im Alltag. Texte, Hook-Ideen, Varianten, Untertitel oder schnelle Visuals lassen sich effizient erstellen, was Zeit spart und die Schlagzahl erhöht. Gleichzeitig gewinnt das Thema Tracking an Bedeutung. Seit Cookies und Plattformdaten weniger „einfach so“ verfügbar sind, arbeiten wir sauberer mit UTM-Setups, serverseitigem Tracking, wo sinnvoll, und vor allem mit klaren KPIs pro Funnel-Stufe. Unterm Strich bedeutet das: weniger Bauchgefühl, mehr Testen und schnelleres Lernen.

Welche typischen Fehler oder Risiken begegnen Agenturen, wenn sie neue Social Media Plattformen in ihre Kampagnen integrieren?
Der Klassiker ist FOMO. Man geht auf neue Plattformen, weil alle darüber reden, ohne echten Grund, ohne Ziel und ohne Ressourcen. Häufig wird ein Format von Instagram eins zu eins kopiert, obwohl es auf der neuen Plattform nicht funktioniert, weil Tonalität und Kultur anders sind.

Ein weiteres Risiko ist, den Community-Aspekt zu unterschätzen. Wer neu ist, braucht mehr Interaktion, mehr Reaktion und mehr Präsenz – sonst bleibt es ein leerer Kanal. Hinzu kommen ganz pragmatische Themen wie Rechte und Brand Safety. Neue Plattformen bedeuten neue Regeln, andere Musiklizenzen und eine andere Moderationsrealität. Wird das nicht geklärt, entsteht schnell Stress, bevor überhaupt Reichweite aufgebaut ist.

Wie sieht die praktische Umsetzung moderner Social Media Strategien im Agenturalltag aus, und welche Tools sind dabei unverzichtbar?
Bei uns gibt es weniger „die große Strategie-Präsi pro Quartal“, sondern einen festen Rhythmus. Erstens planen wir Content als Formatplan, nicht als Themenliste. Zweitens produzieren wir in Batches, also mehrere Clips, Fotos oder Stories in einem Dreh, damit es effizient bleibt. Drittens folgt das Ausspielen, Moderieren und Optimieren mit einem wöchentlichen Performance-Check und gezieltem Nachschärfen.

Unverzichtbar sind heute ein Scheduling-Tool – je nach Setup die Meta Business Suite oder ein externes Tool –, ein sauberes Projektboard wie Trello, Asana oder Notion sowie schnelle Schnitt-Tools wie CapCut oder Premiere. Design läuft über Canva oder Adobe, Reporting über Looker Studio in Kombination mit den Plattform-Insights. KI-Tools für Texte, Untertitel und Varianten gehören inzwischen selbstverständlich dazu.

In welcher Form arbeiten Agenturen mit ihren Kunden zusammen, um eine konsistente und zielgerichtete Social Media Präsenz zu gewährleisten?
Am besten funktioniert es, wenn Rollen glasklar definiert sind. Wer liefert Input, wer gibt frei, wer reagiert auf Kommentare, wer steht vor der Kamera? Wir arbeiten häufig mit einem einfachen System aus gemeinsamem Redaktionskalender, kurzem Weekly-Call und einem festen Freigabeprozess mit klaren Deadlines.

Ergänzend erstellen wir ein Brand-Playbook für Social Media: Tonalität, Bildsprache, Do’s und Don’ts, typische Formate und der Umgang mit Kritik. So hängt Konsistenz nicht an einzelnen Personen, sondern am System.

Welche technologischen Entwicklungen könnten die Struktur und Arbeitsweise von Marketingagenturen in den nächsten Jahren grundlegend verändern?
KI wird Agenturen nicht ersetzen, aber Aufgaben neu verteilen. Repetitive Tätigkeiten wie Variantenbau, Schnitt, Untertitel, A/B-Creatives oder erste Analysen werden stärker automatisiert. Teams verändern sich dadurch: weniger reine Ausführung, mehr Steuerung, Auswahl, Prüfung und kreative Führung.

Ein weiteres großes Thema ist die Creator-Ökonomie. Viele Marken arbeiten künftig dauerhaft mit Creator-Pools statt mit klassischen Kampagnen-Peaks. Agenturen werden dabei stärker zu Produzenten und Partnermanagern. Und schließlich gewinnt Messbarkeit wieder an Bedeutung – allerdings anders als früher: mehr First-Party-Daten, saubere Setups und stärkere CRM-Anbindung. Wer das technisch beherrscht, verschafft Kunden wieder klare Sicht darauf, was Umsatz bringt und was nur gut aussieht.

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André Vaternam

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