Lebensversicherungen häufig erst nach 40 Jahren profitabel – Peer Schulz (helpcheck)

Peer Schulz ist Geschäftsführer der helpcheck GmbH. Im Interview spricht er über hohe Kosten und niedrige Zinsen von Lebensversicherungspolicen sowie die Möglichkeit zur Rückabwicklung der Verträge.

Lebensversicherungen sind in den letzten zehn Jahren vom Topseller zum Ladenhüter mutiert. Was sind die Gründe?

Peer Schulz: Verbraucher lassen sich aufgrund der Senkung des ehemals attraktiven Garantiezinses auf heute 0,9% seltener zu Neuabschlüssen motivieren. Aufgrund der Niedrigzinsen sind Lebensversicherer ebenso wenig dazu in der Lage, das zu erwirtschaften, was Sie einst versprachen. So müssen viele Versicherungsnehmer teils bis zu 40 Jahre lang sparen, bis sich das Vertragsguthaben (Risikozusatzversicherung ausgenommen) mit den bis dahin eingezahlten Beiträgen deckt. Für den normalen Verbraucher ohne Spezialwissen sind die Zahlen der Lebensversicherer zudem nur schwer nachvollziehbar – diese Intransparenz sowie der Verkauf ohne Zustimmung an sogenannte “Run-Off-Firmen” führen vermehrt zu Unsicherheit. Darüber hinaus sind Lebens- und Rentenversicherung oftmals unflexibel und passen nicht in die moderne Welt der reinen Geldanlage sowie zu den sich stetig verändernden Lebensumständen von Verbrauchern.

Viele Kunden wollen die niedrig verzinsten Lebensversicherungsverträge loswerden. Üblicherweise durch Storno. Welche Konsequenzen hat die vorzeitige Vertragsauflösung?

Peer Schulz: Eine frühzeitige Kündigung bedeutet einen Verlust, denn die Abschluss- und Verwaltungskosten werden in den ersten Vertragsjahren mit den eingezahlten Beiträgen verrechnet. Da nur der übrige Anteil – der Sparanteil – tatsächlich angelegt wird und zu einer Wertentwicklung beiträgt, dauert eine Wertsteigerung entsprechend lange. Der sogenannte „Rückkaufswert“ liegt gerade in den ersten Vertragsjahren deutlich unterhalb der eingezahlten Beiträge. Eine Kündigung ist somit in den meisten Fällen nicht lohnenswert.

Alternativ können Verträge auch beitragsfrei gestellt werden. In welchen Fällen lohnt sich das?

Peer Schulz: Eine Beitragsfreistellung bedeutet, dass keine Beiträge mehr geleistet werden, der Versicherungsvertrag dennoch bestehen bleibt. Das bis dahin erreichte Vertragsguthaben wird weiterhin an Überschüssen beteiligt, sodass sich der Vertragswert jährlich leicht erhöht. Daher lohnt es sich in Fällen, in denen eine Weiterführung der Beitragszahlung nicht gewollt, eine Kündigung jedoch mit einem noch höheren Verlust einhergehen würde.

Welche anderen Möglichkeiten gibt es, um eine Lebensversicherung zu Geld zu machen?

Peer Schulz: Eine gute Möglichkeit ist der Widerruf von Lebens- und Rentenversicherung, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden. Sofern die Widerrufsbelehrung des Vertrages nachweislich Fehler aufweist, besteht ein Anspruch auf alle eingezahlten Beiträge plus Zinsen. Auch bereits gekündigte oder ausgelaufene Verträge können nachträglich widerrufen werden.

Zusätzlich gibt es die Option, jene Verträge gegen eine Einmalzahlung zu verkaufen. Abhängig vom angebotenen Betrag und der individuellen Situation kann dies durchaus lohnenswert sein, da in der Regel zwischen 3% und 15% zusätzlich zum aktuell bestehenden Vertragsguthaben angeboten werden.

In welchen Fällen ist die Rückabwicklung einer Police möglich? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Peer Schulz: Die Urteile zur Rückabwicklung beziehen sich auf den Abschlusszeitraum 21.07.1994 bis 31.12.2007. Voraussetzung ist die Fehlerhaftigkeit der zu Vertragsbeginn ausgestellten Widerrufsbelehrung. Eine kostenlose Prüfung der Vertragsunterlagen und Berechnung der Ansprüche erfolgt kostenfrei über unsere Internetseite www.helpcheck.de.

Wie stark profitieren die Versicherten von einer erfolgreichen Rückabwicklung?

Peer Schulz: Der größte Vorteil liegt wohl darin, dass eine Rückabwicklung eine Rückzahlung aller geleisteten Beträge mit sich zieht. Zusätzlich werden die Nutzungszinsen an den Versicherungsnehmer erstattet – demnach sämtliche Gewinne, die die Lebensversicherung mit den eingezahlten Beiträgen erwirtschaftet hat. Abgezogen wird lediglich der anteilige Beitrag für eventuelle vereinbarte Risikoversicherungen.

Wie lange dauert die Rückabwicklung? Welche Kosten entstehen dem Versicherten?

Peer Schulz: Die Dauer einer Rückabwicklung hängt von der jeweiligen Versicherungsgesellschaft ab sowie davon, ob eine außergerichtliche Einigung erzielt werden kann oder ein gerichtliches Verfahren eingeleitet werden muss. Im Idealfall dauert sie nur wenige Wochen; eine Dauer von bis zu 18 Monaten ist jedoch nicht ungewöhnlich. Die Rückabwicklung mit helpcheck ist für Versicherte mit keinen zusätzlichen Kosten verbunden: Ausschließlich im Erfolgsfall fällt ein anteiliges Honorar zwischen 29,75% und 39,75% des erzielten finanziellen, zusätzlichen Mehrwertes an.

Herr Schulz, vielen Dank für das Gespräch.

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