Alternative Finanzierung im KMU Segment – David Block

David Block ist COO bei der VAI. Im Interview spricht er über die Symbiose zwischen Fintechs und Banken.

David Block

Die Fintech-Szene ist angetreten, um den etablierten Wettbewerbern in der Finanz- und Versicherungsbranche den Rang abzulaufen. In welchen Bereichen konnten Fintechs signifikante Marktanteile gewinnen?

David Block: Ich bin da etwas anderer Meinung. Warum muss ich denn einem etablierten Player den Rang ablaufen? Das hieße ja, dass ich mich in einen Markt begebe, in dem schon immenser Wettbewerb herrscht und in dem ein Player mit tiefen Taschen und guten Kundenbeziehungen existiert.

Das haben wir anders gelöst. Wir waren von Anfang an mit der Berliner Volksbank verbunden und haben deshalb gezielt nach der Nische gesucht, die die „etablierten Wettbewerber“, nämlich die Banken nicht optimal bedienen können. Eine sehr schnelle, unkomplizierte und digitalisierte Zurverfügungstellung von Liquidität für KMUs ist da genau die Nische. Es gibt einige Unternehmen, die diese Zielgruppe adressieren, aber weil der Markt so unglaublich groß und bisher wenig adressiert ist, freue ich mich eigentlich über jeden, der alternative Finanzierung im KMU Segment bekannter macht.

Was ist Ihr Kerngeschäft, welche die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens?

David Block: Wir bieten KMUs, vor allem den kleineren KMUs, Liquidität über Einkaufsfinanzierung. Wir kaufen dabei die benötigten Waren, egal ob für den Handel oder die Produktion, z.B. auf Vorkasse und verkaufen sie sofort weiter an unseren Kunden mit einem verlängerten Zahlungsziel. Dieser Unterschied im Zahlungsziel gibt dem Unternehmen zusätzliche Liquidität, um z.B. zu wachsen oder einfach mehr Ware vorrätig zu haben. Dabei haben wir von Anfang an auf Digitalisierung und Automatisierung gesetzt und so eine völlig neue Geschwindigkeit und Gründlichkeit geschaffen.

Welchen Mehrwert bieten Sie Kunden im Vergleich zu ihren etablierten Wettbewerbern?

David Block: Wir bieten eine Möglichkeit ein weiteres Produkt im Liquiditätsportfolio zu haben. Wir sind nicht angetreten, um den klassischen Betriebsmittelkredit zu ersetzen, sondern um ein weiteres Werkzeug zu schaffen. Wir sind zum Beispiel so schnell, dass innerhalb von 24 Stunden die meisten Einkaufslinien zur Verfügung stehen. Wir können gerade im kleinen Segment einen Detailgrad in der Bonitätsprüfung erreichen, der nur aufgrund der strikten Digitalisierung funktionieren kann.

Es gibt zwei Ansätze in der Fintech-Szene: Übernahme des Marktes oder Kooperation mit etablierten Unternehmen. Welchen Ansatz halten Sie für zielführender, wie agiert ihr Unternehmen?

David Block: Kooperation! Wir waren von Anfang an eng mit der Berliner Volksbank vernetzt. Warum soll es denn ein Gegeneinander und ein Es-Kann-Nur-Einen-Geben sein? Ich glaube wir sind da ein gutes Beispiel: Banken kennen ihre Kunden und haben den Zugang, den wir nicht haben. Wir können dagegen ein Produkt und eine Plattform anbieten, über die Banken oder andere Partner dann ihren Kunden ein Produkt mit viel Mehrwert anbieten können. Auf diese Weise profitieren alle: Der Kunde, die Bank und wir.

Wie schnell reagieren Ihre Wettbewerber auf neue Trends, wie hoch ist der Innovationdruck?

David Block: Das kommt jetzt darauf an, wer genau unsere Wettbewerber sind. Wenn man da traditionelle Banken einbezieht, dann ist glaube ich der Innovationsdruck zwar hoch aber nicht bei allen das Verständnis vorhanden, dass es aus eigener Kraft schwierig ist die nötigen Veränderungen zu schaffen. Eine Möglichkeit ist da die beschriebene Partnerschaft mit Fintechs, die einerseits innovative Produkte mitbringen aber andererseits auch neue Arbeitsweisen in die Bank zurücktragen und so den nötigen Wandel unterstützen.

Welche Innovationen dürfen wir von Ihnen in nächster Zeit erwarten?

David Block: Wir haben Mitte des Jahres einen großen Wandel vollzogen. Wir sind vom Direktvertrieb auf den Vertrieb über Partner, also im ersten Schritt mit der Berliner Volksbank, umgestiegen. Damit sind wir, soweit ich weiß, die ersten in der Branche. Mindestens so wichtig wie eine Neuerung einzuführen, ist es jetzt aber eine Neuerung konsequent umzusetzen. Viele Startups bringen auch zu viele und zu häufige Innovationen heraus und scheitern dann an der konsequenten Umsetzung. Das wollen wir nicht und so ist von uns in nächster Zeit eine konsequente Umsetzung des Partnervertriebs zu erwarten.

Herr Block, vielen Dank für das Gespräch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.