Zahnbürste: 40% der Zahnoberfläche bleiben ungeputzt – Dr. Stephan Ziegler (KU64 Dr. Ziegler & Partner Zahnärzte)

Dr. Stephan Ziegler ist Zahnarzt für Zahnästhetik und Inhaber der KU64 Dr. Ziegler & Partner Zahnärzte. Im Interview spricht er über Zahnreinigung, Bleaching und wie mit der Furcht vor einer Behandlung umgegangen werden kann.

Dr. Stephan Ziegler

Schöne, weiße Zähne sind absolut „in“ und viele Menschen lassen sich die Zähne bleichen oder korrigieren mit Zahnspangen. Birgt dieser Trend Risiken oder sind Schönheitskorrekturen risikofrei?

Dr. Stephan Ziegler: Sowohl beim Bleaching wie auch bei den „Zahnspangen“ können Dinge schief gehen und Nebenwirkungen auftreten. Deshalb muss erst eine richtige Diagnose gestellt werden dann die Therapie präzise geplant werden. Beim Bleaching ist darauf zu achten, dass keine offenen kariösen Defekte bestehen und keine freiliegenden Zahnhälse und das Zahnfleisch nicht akut entzündet ist. Zudem muss das Zahnfleisch akribisch geschützt werden, sonst drohen sehr lästige, schmerzhafte Läsionen.

Kann man bei teurem Zahnersatz beispielsweise mit dem Zahnarzt über den Preis verhandeln?

Dr. Stephan Ziegler: Das kann ich nicht für alle Zahnärzte beantworten. Grundsätzlich ist die Neigung einen „Basar zu eröffnen“ sehr gering. Ein Skonto bei schneller Bezahlung oder einer Vorauszahlung ist aber möglich.

Wie oft pro Jahr sollte man zur zahnärztlichen Kontrolle gehen?

Dr. Stephan Ziegler: Bis zum 18. Lebensjahr alle 6 Monate, danach je nach dem, alle 6-12 Monate.

Immer wieder kommt das Thema „Zahnreinigung“ auf: Ist diese wirklich so wichtig für den Menschen? Reicht regelmäßig Putzen nicht aus?

Dr. Stephan Ziegler: Wenn Sie nur die Zahnbürste nehmen, bleiben 40% der Zahnoberfläche ungeputzt. Nehmen Sie noch Zahnseide und/oder Zahnzwischenraum Bürsten dazu, erreichen im besten Fall 90% der Zahnoberfläche, meistens weniger. Was von der häuslichen Mundhygiene gar nicht erreicht wird sind Zahnfleischtaschen und Einziehungen in Zahnzwischenräumen. Auch Zahnärzte gehen regelmäßig zur professionellen Zahnreinigung (PZR), aus gutem Grund, weil wir wissen was passiert, wenn man es nicht tut. Was vielleicht auch noch eine Rolle spielt ist, dass es sich kaum vermeiden lässt, dass bei der PZR die Zähne etwas heller werden und Mundgeruch beseitigt wird.

Wie kann ich meinem Kind das tägliche Zähneputzen verständlich machen und es zur Selbstverständlichkeit werden lassen?

Dr. Stephan Ziegler: Zum Beispiel in dem es selber als gute Vorbild immer vormachen. Unsere Kinderzahnärzte haben hier noch speziellere Tricks und Tipps.

Wie kann man einem ängstlichen Menschen die Angst vor dem Zahnarzt nehmen?

Dr. Stephan Ziegler: Da gibt es keinen allgemeinen Tipp, außer natürlich mehr Zeit einplanen, empathisch sein und gut zuhören. Es gibt ganz verschiedene Ängste in unserem Bereich. Die Angst vor weißen Kitteln, die Angst vor Spritzen, vor einer Situation, der man sich ausgeliefert fühlt, weil man keine Kontrolle hat, Angst vor Schmerzen, Angst vor lauten Geräuschen usw. Diese Ängste müssen ernst genommen werden. Gut erklären hilft. Wenn das nicht genügt, gibt es Tabletten, die Ängste reduzieren und natürlich Dämmerschlaf oder Vollnarkose. Gerade, wenn es sich um große Behandlungen handelt, die schon jahrelang aufgeschoben wurden, kann es auch ein guter Weg sein, die ganze Behandlung „zu verschlafen“. In vielen Fällen ist die Zahnbehandlungsphobie danach nicht mehr da und diese Patienten können den Rest Ihres Lebens ganz normal behandelt werden.

Wie empfehlenswert ist eine Zahnzusatz-Versicherung?

Dr. Stephan Ziegler: Diese Versicherungen sind zu empfehlen, wenn man jung ist, gesetzlich versichert ist (und das auch bleiben will oder muss) und es absehbar ist das Karies bzw. Parodontitis ein Problem werden. Das können Zahnärzte (aber auch oft Patienten) mit Anfang 20 Jahren schon ziemlich gut einschätzen. Was nicht funktioniert, ist dann eine Versicherung abzuschließen, wenn schon erhebliche Schäden da sind. Hier gilt die alte Weisheit: wenn das Haus schon brennt, kann man es nicht mehr versichern.

Herr Ziegler, vielen Dank für das Gespräch.

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