Welche Trends prägen aktuell das Thema Cloud-Migration?
Wir erleben aktuell einen klaren Reifeprozess. Viele Unternehmen haben verstanden, dass Cloud nicht automatisch Fortschritt bedeutet. Früher lautete die Frage: „Wie kommen wir möglichst schnell in die Cloud?“ Heute lautet sie: „Welche Lösung bringt uns langfristig Sicherheit, Planbarkeit und wirtschaftlichen Nutzen?“
Reine Lift-&-Shift-Migrationen verlieren deutlich an Bedeutung. Geschäftsführer erwarten heute echte Transformationen – also Lösungen, die Prozesse vereinfachen, Kosten kalkulierbar machen und die Organisation entlasten. Cloud wird damit weniger als Technikthema verstanden, sondern als strategische Entscheidung.
Wo liegen aus Ihrer Sicht die größten Risiken bei Cloud-Migrationsprojekten?
Das größte Risiko ist fehlende Ehrlichkeit – in der Beratung wie in der Planung. Zu oft wird suggeriert, Cloud sei eine Art Evergreen-Lösung. Das stimmt schlicht nicht. Auch Cloud-Systeme haben Lebenszyklen, Update-Zyklen und Folgekosten. Wer das verschweigt, verschiebt Probleme nur in die Zukunft.
Ein weiterer kritischer Punkt ist das Change Management. Veränderungen betreffen immer Menschen. Wenn Anwender nicht mitgenommen werden, entstehen Reibungsverluste, Produktivitätseinbußen und Frustration – und am Ende höhere Kosten.
Hinzu kommt die Datenmigration. Gerade im Mittelstand wird deren Komplexität häufig unterschätzt. Migrationen dauern oft mehrere Monate. In dieser Zeit entstehen parallel neue Daten in Alt- und Neusystemen. Wird das nicht sauber geplant, entstehen Inkonsistenzen, die den laufenden Betrieb gefährden.
Wie stellen Sie sicher, dass eine Cloud-Migration im Alltag eines Unternehmens funktioniert?
Der entscheidende Faktor ist Struktur. Am Anfang steht bei uns nicht die Technik, sondern die Frage: Welche Entscheidung muss der Geschäftsführer treffen – und welche Informationen braucht er dafür?
Darauf aufbauend definieren wir gemeinsam einen klaren Change- und Transformationsprozess. Die Zielumgebung wird technisch aufgebaut, parallel werden Anwender frühzeitig eingebunden und geschult. So entsteht Sicherheit, bevor produktiv gearbeitet wird.
Testmigrationen liefern belastbare Erkenntnisse zu Dauer, Aufwand und Risiken. Erst wenn diese transparent sind, wird der Go-live terminiert. Beim eigentlichen Go-live begleiten unsere Spezialisten die Anwender aktiv im Tagesgeschäft. Ziel ist es, dass das Unternehmen arbeitsfähig bleibt – ohne unnötige Störungen.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit der Beteiligten in solchen Projekten?
Eine sehr große. Cloud-Migration ist kein IT-Projekt, sondern ein unternehmerischer Veränderungsprozess. Wir setzen auf regelmäßige, strukturierte Abstimmungen mit allen Beteiligten. Moderne Werkzeuge helfen dabei, Entscheidungen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten klar zu dokumentieren.
Wichtig ist uns, dass nicht nur Entscheider, sondern auch Anwender Teil des Prozesses sind. Nur wenn alle verstehen, warum etwas verändert wird, kann die Veränderung nachhaltig wirken.
Welche Entwicklungen werden Cloud-Migrationen in Zukunft weiter verändern?
Wir erwarten eine stärkere Standardisierung von Schnittstellen, insbesondere bei der Ablösung klassischer On-Premise-Systeme durch Cloud-Nachfolgeprodukte. Das wird Migrationen planbarer und sicherer machen.
Ein weiterer Treiber ist die steigende Bedeutung von Datenmobilität, auch durch regulatorische Anforderungen. Daten müssen künftig einfacher übertragbar, strukturierter und transparenter sein.
Künstliche Intelligenz wird diesen Prozess deutlich beschleunigen. KI wird in der Lage sein, Quell- und Zielsysteme zu analysieren und Daten weitgehend automatisiert zu migrieren. Das reduziert Risiken, senkt Kosten und erhöht die Qualität von Migrationen erheblich.