Social Media im Umbruch

Interview mit Carsten Geyer
Die Social-Media-Landschaft verändert sich rasant – von KI-Suchergebnissen bis zu neuen Plattformlogiken. Marketingexperte Carsten Geyer erklärt, wie Agenturen Strategien anpassen müssen, um sichtbar und relevant zu bleiben.

Wie bewerten Sie die aktuellen Marktentwicklungen im Bereich Social Media und welche Trends sehen Sie als besonders einflussreich für Marketingagenturen?

Nutzer verwenden Plattformen immer stärker als Suchsysteme: TikTok, Instagram und LinkedIn entwickeln Suchfunktionen, die klassische SEO-Hubs wie Google ersetzen. Hinzu kommen die Suchergebnisse der KI vor den Ads und SEO-Ergebnissen. Schwierig für die Leadgewinnung über die klassischen Funnel-Kanäle. Unternehmen müssen deshalb Inhalte liefern, die suchfähig, tief und thematisch klar verortet sind. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Social Proof. Die Nutzer erwarten reale Stimmen, echte Personen, nachvollziehbare Expertise. Spannend ist auch die Verschiebung zu Long-Form-Content: LinkedIn-Artikel performen deutlich besser als oberflächliche „Snackables“. Zusätzlich wächst der Trend zu Creator-Kooperationen, die Reichweite und Glaubwürdigkeit verbinden. Social Media wird weniger Entertainment und mehr Infrastruktur für Geschäftsmodelle, Recruiting, Reputation und Leadgewinnung.

2. Welche Herausforderungen und Risiken könnten sich durch die rasante Veränderung der Social-Media-Landschaft für Marketingagenturen ergeben?

Die größte Herausforderung ist der strukturelle Wandel: Plattformen ändern Algorithmen, Werbepreise und Content-Standards in hoher Frequenz. Für Agenturen bedeutet das: Strategien müssen adaptiv sein. Ein weiterer Risikofaktor sind steigende Produktionsanforderungen. Die Videoqualität, Formatvielfalt, Social SEO und Community-Interaktion fordern spezialisiertes Know-how. Gleichzeitig wächst der Druck durch KI-generierten Content: Die Menge an Inhalten explodiert, wodurch nur noch differenzierter, gut recherchierter und relevanzbasierter Content auffällt. Und regulatorisch ist die EU auch nicht „faul“ und liefert strengere Richtlinien hinzu. Unternehmen, die weiterhin mit starren Freigabestrukturen arbeiten, verlieren Geschwindigkeit. Die operative Herausforderung ist also weniger „Wie produzieren wir?“ sondern „Wie bleiben wir so agil wie der Markt?“.

3. Aus Ihrer praktischen Erfahrung heraus: Welche Social-Media-Plattformen haben sich als besonders effektiv für die Kundenansprache erwiesen?

LinkedIn ist im B2B-Segment aktuell das präziseste Werkzeug zur Zielgruppenansprache. Mit dem Sales Navigator schaffen wir bei www.geyermk.de exakte Segmentierung nach Funktionen wie CFO, HR-Leitung, Geschäftsführung sowie nach Branche, Unternehmensgröße und Standort. Und wir setzen für unsere Kunden eine KI-basierte Software ein, die den Erstkontakt optimiert. Zusätzlich sind organische Reichweiten bei gutem Content weiterhin hoch. Besonders effektiv sind Thought-Leadership-Posts, Case Insights und persönliche Perspektiven von Führungskräften. Instagram bleibt stark für Employer Branding, weil Nutzer dort gezielt nach Kultur, Team und Authentizität suchen. Für Corporate-Kommunikation bleibt YouTube relevant – durch Tutorials, Personal Branding und Social-SEO-Ranking.

4. Inwiefern könnten zukünftige technologische Fortschritte wie Künstliche Intelligenz oder Augmented Reality die Strategien von Marketingagenturen im Social-Media-Bereich verändern?

KI verschiebt den Workflow: Produktion, Timing, Monitoring und Distribution sind datengetrieben und effizient. Strategisch bedeutet das: Agenturen müssen stärker orchestrieren, statt manuell zu produzieren. Marketing und PR sind heute Zahlen, Daten, Fakten.

AR erweitert Social Media um eine Erlebnisdimension. Nutzer können Produkte testen, Umgebungen simulieren oder Services visualisieren – ein Faktor, den wir bei www.geyermk.de z. B. in der Immobilienbranche und im industriellen B2B-Bereich einsetzen, was die Conversion-Raten nachweislich erhöht. Zukünftig wird Social Media stärker personalisiert: Inhalte, die sich in Echtzeit an Interessen, Region oder Interaktionshistorie anpassen, steigern Relevanz und Effizienz. Technologie macht Social Media messbarer, präziser und erlebnisorientierter.

5. Betrachtet man die kulturellen Unterschiede in der Nutzung von Social Media weltweit: Wie passen sich Marketingstrategien an unterschiedliche regionale Märkte an?

Wir haben Erfahrung im Umgang mit britischen, französischen und US-amerikanischen Kunden und wissen: Regionale Märkte unterscheiden sich deutlich in Nutzungsverhalten, Plattformpräferenzen und Kommunikationskultur. In Deutschland funktionieren faktenbasierte Inhalte, Expertise und klare Aussagen. In den USA zählen Geschwindigkeit, Meinungsstärke und eine gewisse „Boldness“. In Südeuropa beeinflussen visuelle Ästhetik und Storytelling die Performance stärker. Erfolgreiche Marketingstrategien berücksichtigen daher lokale Plattformlandschaften, kulturelle Codes, Kaufmotive und Tonalitäten. Global konsistente Markenbotschaften werden lokal interpretiert, angepasst und mit regionalen Daten unterfüttert.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Kommunikation mit ihrer Emotionalität an verschiedene Märkte angepasst werden muss. Denn wenn wir ein Gesetz als Marketingagentur in Hamburg kennen: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

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Carsten Geyer

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