Dr. Alexander Raab: Die Unternehmensinsolvenzen sind rückläufig.

Dr. Alexander Raab ist Rechtsanwalt in seiner Kanzlei Raab & Kollegen in Fürth. Mit ihm sprechen wir über Insolvenzwelle, betroffene Branchen sowie Überbrückungshilfen.

Kann man davon ausgehen, dass durch die Pandemie die Unternehmensinsolvenzen weiter steigen?

Dr. Alexander Raab: Die Unternehmensinsolvenzen sind seit Beginn der Pandemie rückläufig. Die vielfach diskutierte „Insolvenzwelle“ ist bislang so nicht eingetreten. Ich gehe davon aus, dass es eine gewisse Steigerung geben wird, mit einer sog. Insolvenzwelle ist nach meiner Meinung aber nicht zu rechnen. Warum dies so ist, werde ich bei Frage 5) näher erläutern.

Welche Unternehmen mit welchen Geschäftsmodellen könnten besonders betroffen sein?

Dr. Alexander Raab

Dr. Alexander Raab: Klassischerweise betrifft die Pandemie manche Branchen besonders. Direkt ist dies vor allem Gastronomie, Reise und diverse Veranstaltungs- und Kulturbereiche. Manche Branchen wie z.B. Logistik und Transport sind aber indirekt davon betroffen. Bei den direkt betroffenen Branchen kann jedoch viel durch Maßnahme wie Überbrückungshilfen und Kurzarbeit abgefedert werden.

Bisher gibt es viele Unternehmens-Pleiten: Warum läuft es mit der finanziellen Unterstützung so schlecht?

Dr. Alexander Raab: Nach meinem Empfinden gibt es im Hinblick auf die Pandemie nicht viele Unternehmenspleiten. Dies wird auch durch die Insolvenzstatistik bestätigt. Gleichwohl läuft das System der finanziellen Unterstützung wohl nicht an allen Ecken nahtlos. Wobei ich auch im Gegenteil einige Unternehmen kenne, welche innerhalb von 1-2 Wochen Unterstützungsleistungen erhalten haben. Möglicherweise tun sich hier manche Unternehmen schwer die entsprechenden Buchhaltungsunterlagen zur Beantragung der Leistungen vorzulegen. Ich vermute jedoch auch, dass einige Unternehmen (sog. Zombies) schon länger in der Insolvenzverschleppung sind. Für den Geschäftsführer ist dies zivilrechtlich wg. § 15 b InsO und strafrechtlich wg. § 15 a InsO gefährlich.

Wovon hängt die Zahl der Insolvenzen noch ab?

Dr. Alexander Raab: Von den gesetzlichen Regelungen der Bundesregierung. Entgegen der landläufigen Meinung war die Insolvenzantragspflicht lange Zeit nicht komplett, sondern nur in ganz engen Ausnahmefällen ausgesetzt. Dies wurde jedoch auch teilweise sehr oberflächlich in der Politik und in den Medien dargestellt. Weiterhin hängt es auch von den zukünftigen Unterstützungsleistungen ab. So sehr eine gewisse partielle Unterstützung notwendig war, sollte man nunmehr auch aufpassen dies insbesondere hinsichtlich Verschuldung, Inflationsquote und „Zombies“ auf dem Markt nicht zu übertreiben.

Corona paradox: Experten betonen, dass eine weitere Insolvenzwelle möglicherweise ausbleibe. Könnte das bei der jetzigen Wirtschaftsentwicklung der Fall sein?

Dr. Alexander Raab: Wie bereits beschrieben wurde die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht aus meiner Sicht teilweise falsch interpretiert. Weiterhin sind Mittel in großen Umfang geflossen. Nachdem dies nun immer mehr zurückgefahren wird, gehe ich schon von einem gewissen Anstieg aus. Allerdings wird es aus meiner Sicht zu keiner Insolvenzwelle kommen. Dies liegt aber wohl vor allem daran, dass manche Geschäftsführer der Meinung waren bzw. sein wollten, dass alles in Ordnung ist und kein Insolvenzgrund gegeben ist.

Herr Dr. Raab, vielen Dank für das Gespräch!

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