Dr. Hans-Georg Fasold: Entscheidend wird sein, dass der eingesetzte Wasserstoff „grün“ ist

Dr. Hans-Georg Fasold ist Geschäftsführer von Gasplan Fasold in Essen. Mit ihm sprechen wir über langfristige Zukunft der Energieversorgung, Unterschied zum Verbrennungsmotor sowie umweltfreundliche Alternative. 

Wasserstoff soll zukünftig eine wichtige Rolle einnehmen. Wie kann Wasserstoff im Verkehr eingesetzt werden und wie energieeffizient sind Wasserstoff betriebene Autos?

Dr. Hans-Georg Fasold: Die „Verluste“ in der Rückumwandlungsstufe können verlagert werden in die Stufe des Endverbrauchs, indem der Wasserstoff direkt genutzt wird, z. B. im Verkehrssektor. In Betracht kommen LKWs, Busse, PKWs, Bahnen und Flugzeuge. Gemäß Agora Verkehrswende und Öko-Institut 2017 gelten folgende Wirkungsgrade ((Well-to-Wheel, d.h.: Energiequelle bis zum Rad):

                   Elektrofahrzeug: 64%;

                   Brennstoffzellenfahrzeug (Wasserstoff): 27%;

                   Benzin-Fahrzeug: ca. 20%.

Fahrzeuge können auf zwei Arten Wasserstoff nutzen. Können Sie uns die beiden Arten einmal erklären?

Dr. Hans-Georg Fasold: Die beiden Nutzungsarten sind:(a) elektromotorisch, wobei der elektrische Strom mit Hilfe einer Brennstoffzelle aus Wasserstoff gewonnen wird. (b) via Wärmekraftmaschine (Otto-Motor), wobei der Wasserstoff als Alternative zum Benzin eingesetzt wird. Der höhere Wirkungsgrad spricht für die Variante (a).

Beim Bau der Motoren unterscheidet sich der Wasserstoffmotor stark vom klassischen Verbrennungsmotor. Er benötigt andere Ressourcen, die bei einem Verbrennungsmotor nicht notwendig sind. Welcher Bedarf ergibt sich jetzt bei Rohstoffen und welche weiteren Umweltwirkungen gibt es?

Dr. Hans-Georg Fasold: Der mit Wasserstoff betriebene Verbrennungsmotor unterscheidet sich nur geringfügig vom heute mit Benzin betriebenen Otto-Motor. Schon vor 3 Jahrzehnten hat BMW einen voll funktionstüchtigen PKW mit Wasserstoffbetrieb vorgestellt. Der wesentliche technische Unterschied zum Benzin getriebenen PKW ist der Tank.

Aktuell sind erst zwei Fahrzeugmodelle mit Brennstoffzelle in Deutschland erhältlich. Wo werden die Autos tanken können und welche Förderungen gibt es für Wasserstoffautos bereits heute?

Dr. Hans-Georg Fasold: Die beiden in Europa verfügbaren Wasserstoffautos werden von Toyota und Hyondai angeboten. Aufgrund der niedrigen Serienproduktion sind diese Fahrzeuge sehr teuer. Der Typ entspricht dem des Wasserstoff-Elektro-Autos. Derzeit ist das Wasserstoff-Tankstellennetz in Deutschland erst im Aufbau befindlich. Es dürfte z. Zt. ca. 100 Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland geben. Die Förderung entspricht der von Elektro-Fahrzeugen.

Vor allem die Klimaneutralität soll durch Wasserstofffahrzeuge gefördert werden. Doch wie fällt die Klimabilanz tatsächlich aus und wie viel spart die umweltfreundliche Alternative endgültig ein?

Dr. Hans-Georg Fasold: Entscheidend wird sein, dass der eingesetzte Wasserstoff „grün“ ist, d.h.: dass der zur Wasserstoffherstellung genutzte Strom aus Wasser, Sonne oder Wind generiert wird. Wegen der (zu) langsamen Umrüstung der Energiewirtschaft auf Erneuerbare Energien ist zu wenig grüner Wasserstoff verfügbar. „Grauer“ Wasserstoff, der auf dem Einsatz von fossilen Brennstoffen basiert, bringt keine entscheidende Verbesserung für das Klima mit sich. Bei Verwendung von grünem Wasserstoff ist der Betrieb von Wasserstofffahrzeugen nahezu klimaneutral, da als „Abgas“ bei Verbrennung von Wasserstoff nur Wasser abgeschieden wird. Für die Herstellung der Fahrzeuge wird derzeit jedoch noch fossile Energie eingesetzt. Langfristig muss hier auch auf Erneuerbare Energien gesetzt werden (Beispiel: Stahlherstellung auf Wasserstoffbasis, anstatt auf Basis von Kohle).

Um Wasserstoff im Verkehr zu etablieren, müssen noch einige Schritte gegangen werden. Wie hoch würden die volkswirtschaftlichen Umstellungskosten auf Wasserstoff im Straßenverkehr ausfallen?

Dr. Hans-Georg Fasold: Die Verwendung von Wasserstoff für den Verkehrssektor kann nicht separat bewertet werden. Hier ist eine gesamt-volkswirtschaftliche Betrachtung erforderlich, unter Berücksichtigung der Gesamtkosten der „Energiewende“ (s. Frage 5).

Herr Dr. Fasold, vielen Dank für das Gespräch!

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