Jean Wiech: Wasserstoff ist ein flexibler Energieträger

Jean Wiech ist COO von Green Hydrogen Technology in Augsburg. Mit ihm sprechen wir über Wasserstoff, verschiedene Anwendungsfälle sowie Steigern der Energieeffizienz.

Jean Wiech (Fotograf: Felix Kästle)

Wasserstoff soll zukünftig eine wichtige Rolle einnehmen. Wie kann Wasserstoff im Verkehr eingesetzt werden und wie energieeffizient sind Wasserstoff betriebene Autos?

Jean Wiech: Wasserstoff ist ein sehr flexibler Energieträger, der in vielen Anwendungsfällen fossile Energieträger ersetzen kann, auch im Straßenverkehr – sei es in Lastkraftwagen, in Bussen oder eben in PKW. Das hat viele Vorteile etwa gegenüber dem batterieelektrischen Fahren – keine langen Ladezeiten und hohe Reichweite. Wie energieeffizient der Einsatz von Wasserstoff ist, hängt maßgeblich davon ab, wie der Wasserstoff erzeugt wird: Wenn man, und das ist aktuell Stand der Technik – viel Strom für die Herstellung von Wasserstoff aufwendet, ist die Energieeffizienz in der Gesamtbetrachtung niedrig: Man benutzt viel Strom, um den Wasserstoff zu gewinnen, der dann im Fahrzeug wieder verstromt wird. Deshalb hat Green Hydrogen Technology ein Verfahren zur Herstellung von grünem Wasserstoff erzeugt, bei dem kein (grüner) Strom benötigt wird. So steigern wir die Energieeffizienz von Wasserstoff in der Mobilität.

Fahrzeuge können auf zwei Arten Wasserstoff nutzen. Können Sie uns die beiden Arten einmal erklären?

Jean Wiech: Es gibt die Brennstoffzellen-Fahrzeuge, das sind Elektro-Fahrzeuge, die ihren Strom nicht aus einer Batterie beziehen, sondern mit einer Brennstoffzelle aus Wasserstoff und dem Sauerstoff der Umgebungsluft erzeugen. Man kann Wasserstoff aber auch als Gas in einem herkömmlichen Verbrennungsmotor nutzen.

Beim Bau der Motoren unterscheidet sich der Wasserstoffmotor stark vom klassischen Verbrennungsmotor. Er benötigt andere Ressourcen, die bei einem Verbrennungsmotor nicht notwendig sind. Welcher Bedarf ergibt sich jetzt bei Rohstoffen und welche weiteren Umweltwirkungen gibt es?

Jean Wiech: Wie gesagt, man kann auch einen herkömmlichen Verbrennungsmotor mit Wasserstoff betreiben, dazu braucht es lediglich einige Anpassungen am Einspritzsystem. Ein deutscher Premium-Hersteller hatte vor gut 10 Jahren schon ein Auto-Modell im Programm, das alternativ mit Benzin oder Wasserstoff betrieben werden konnte. Die Materialien für den Motor sind also dieselben, aber es wird kein fossiler Energieträger verbrannt – und aus dem Auspuff kommen keine Benzin- oder Dieselabgase. Im Fall der Brennstoffzellen-Autos ist der Motor ein simpler Elektromotor wie bei einem «normalen» Elektroauto mit Batterie. Die Diskussionen um die Öko-Bilanz von Elektroautos entzünden sich meines Wissens weniger am Motor als an der Batterie, und da kommt ein Wasserstoff-Auto mit einer deutlich kleineren Batterie aus, weil der Strom an Bord erzeugt wird. Insofern sehe ich keine zusätzlichen negativen Umweltwirkungen bei dieser C02-freien Form des Fahrens gegenüber dem batterieelektrischen E-Auto.

Aktuell sind erst zwei Fahrzeugmodelle mit Brennstoffzelle in Deutschland erhältlich. Wo werden die Autos tanken können und welche Förderungen gibt es für Wasserstoffautos bereits heute?

Jean Wiech: Die heutigen Wasserstoff-Autos mit Brennstoffzelle fahren emissionsfrei und werden deshalb staatlich gefördert. Sie haben eine hohe Reichweite und können sehr schnell betankt werden, – wenn eine Tankstelle in der Nähe ist. Die geringe Zahl von Tankstellen ist aus meiner Sicht das größte Hemmnis für eine weitere Verbreitung von Wasserstoff-Fahrzeugen, heute gibt es in Deutschland erst rund 100. Wenn man eine Wasserstoff-Tankstelle in der Region hat, macht ein Wasserstoff-Auto aber schon heute Sinn. Besonders geeignet ist die Technologie aus meiner Sicht zudem auch für Nutzfahrzeuge: Zum einen für LKW, die mit ihren großen Tanks enorme Reichweiten ohne Tankstopps schaffen und bei denen eine Batterie sehr groß sein müsste, oder auch für Stadtbusse, die ja heute schon vielerorts mit Wasserstoff fahren und immer am Busdepot betankt werden. Für größere Städte, die eine solche Tankstelle für ihre Busflotte betreiben, wird eine dezentrale Wasserstoff-Erzeugung nach unserem Verfahren sicher interessant.

Vor allem die Klimaneutralität soll durch Wasserstofffahrzeuge gefördert werden. Doch wie fällt die Klimabilanz tatsächlich aus und wie viel spart die umweltfreundliche Alternative endgültig ein?

Jean Wiech: Wasserstoff-Fahrzeuge stoßen beim Fahren kein C02 aus und haben eine sehr gute Klimabilanz, wenn der Wasserstoff, mit dem sie fahren, grüner oder blauer Wasserstoff ist. Und wenn zur Erzeugung des Wasserstoffs nicht, wie heute üblich, viel regenerativer Strom eingesetzt wird, den wir bei der Energiewende an so vielen anderen Stellen brauchen und von dem wir in Deutschland noch nicht so viel erzeugen, dass wir unseren Bedarf jederzeit verlässlich decken könnten. Genau deshalb haben wir unser Verfahren zur Erzeugung von grünem Wasserstoff entwickelt. Damit ist dann auch die Erzeugung CO2-neutral.

Um Wasserstoff im Verkehr zu etablieren, müssen noch einige Schritte gegangen werden. Wie hoch würden die volkswirtschaftlichen Umstellungskosten auf Wasserstoff im Straßenverkehr ausfallen?

Jean Wiech: Eine flächendeckende Umstellung auf wasserstoffbetriebene Fahrzeuge sehe ich nicht. Ich freue mich aber, dass Politik und Autohersteller trotz Fokus auf batterieelektrisches Fahren das Thema Wasserstoff nicht ganz aus den Augen verlieren. Gerade im Nutzfahrzeugsektor hat Wasserstoff eine große Zukunft: Bei PKW, aber insbesondere bei Nutzfahrzeugen, wo eine Batterie als Energiespeicher für eine angemessene Reichweite viel zu groß und zu schwer wäre. So arbeiten ein großer deutscher Nutzfahrzeug-Hersteller und ein Mineralölkonzern gerade daran, einen Betankungsstandard zu schaffen und das Tankstellen-Netz entlang von Autobahnen auszubauen. Zum Ausbau der Infrastruktur wollen wir auch ein Stück beitragen: Unsere Technologie bietet eine neue, energiesparende Möglichkeit, Wasserstoff dezentral in der Nähe von Wasserstoff-Tankstellen zu erzeugen.

Herr Wiech, vielen Dank für das Gespräch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.