Tobias Kloster: Mit Trinkwasser angemessen umgehen

Tobias Kloster, Unternehmenskommunikation/Presse bei SWP Stadtwerke Pforzheim GmbH & Co. KG, beantwortet im Interview unsere Fragen zum sinkenden Grundwasserspiegel, mögliches Wasserproblem in Deutschland sowie Klimawandel.

Immer mehr Experten warnen vor sinkenden Grundwasserspiegeln. Stehen wir in Deutschland vor einem Wasserproblem?

Tobias Kloster: Wie stark die Grundwasserspiegel sinken, ist von Region zu Region unterschiedlich. Bei uns in Pforzheim können wir einen leicht sinkenden Grundwasserspiegel ausmachen, weshalb wir bereits aktiv dran sind, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Insbesondere der Flächenversiegelung versuchen wir entgegenzuwirken, indem wir neue Flächenversiegelung vermeiden und bestehende Versiegelungen zurückbauen, soweit dies möglich ist. Weiterhin setzen wir uns aktiv für den Erhalt und die Sicherung von Wasserschutzgebieten ein, um die Grundwasserneubildung auch in Zukunft zu gewährleisten und die Belastung mit Schadstoffen so gering wie möglich zu halten. Global betrachtet wird im Zuge des Klimawandels der Zugang zu Trinkwasser den meisten Prognosen zufolge tatsächlich schwieriger werden – für uns in Pforzheim haben wir mit unserer wasserwirtschaftlichen Strategie (https://www.stadtwerke-pforzheim.de/aktuelles/artikel/article/mit-eigenwasser-dem-klimawandel-begegnen/) ein Konzept entwickelt, das langfristig und nachhaltig die Wasserversorgung in Pforzheim und den umliegenden Gemeinden sichern kann. Dennoch ist es wichtig, die vorhandenen Ressourcen zu schützen und besonders mit dem hohen Gut Trinkwasser angemessen umzugehen.

Gefährden Pestizide im Grundwasser unsere Gesundheit?

Tobias Kloster: Unser Ziel ist es, Pestizide erst gar nicht in unser Grundwasser zu lassen. Deshalb machen wir uns für den Erhalt und die Sicherung von Grundwasserschutzgebieten stark, denn aus diesen beziehen wir einen großen Teil unseres Rohwassers, das zu Trinkwasser aufbereitet wird.

Welche Stoffe in welchen Höchstmengen im Trinkwasser vorkommen dürfen, darüber klärt die deutsche Trinkwasserverordnung auf (https://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2001/index.html).

Da Trinkwasser unser wichtigstes Lebensmittel ist und wir uns unserer Verantwortung als Versorger bewusst sind, unterziehen wir unserem Trinkwasser laufenden Prüfungen. Sollte hier ein Wert ausschlagen, so würde dies sofort unseren Kolleg:innen der Wasserversorgung gemeldet. Ergänzend nimmt auch das hiesige Gesundheitsamt in regelmäßigen Abständen Stichproben, die von einem unabhängigen Labor geprüft werden.

Wasser ist essenziell zum Leben. Aber was ist Wasser aus finanzieller Sicht eigentlich wert?

Tobias Kloster: Wie aus der Frage herausgeht, ist Wasser Lebensgrundlage für jegliches Leben auf unserem Planeten. Dies ist nicht mit Geld aufzuwiegen. Als SWP sind wir seit über 125 Jahren mit den Menschen in Pforzheim und der Region eng verbunden und tragen Sorge dafür, diese sicher zu versorgen. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, regelmäßig in das Wassertransport- und -versorgungsnetz zu investieren, um die Versorgungssicherheit so hoch wie möglich zu halten.

Weltweit steigen die Temperaturen. Wird die Welt zur Wüste?

Tobias Kloster: Wie in den letzten Wochen zu beobachten war, bedeutet Klimawandel nicht nur Trockenheit und Dürren, sondern mitunter auch starke Überschwemmungen und Unwetter. So wird aller Voraussicht nach der Klimawandel in Deutschland und Europa andere Auswirkungen haben, als es beispielsweise in Australien der Fall ist. Insbesondere die Abschwächung des Golfstroms im Nordatlantik oder die schwindende Stärke des Polarfrontjetstreams durch die hohen Temperaturen in der Arktis, die jeweils starken Einfluss auf das Wettergeschehen haben, werden für häufigere Extremwetterlagen sorgen: Dies beinhaltet zum einen Hitzeperioden aber auch häufiger vorkommende Stürme und extreme Unwetter.

Es gibt ja auch technische Lösungen, Trinkwasser herzustellen. Ist die Entsalzung von Meerwasser eine Lösung?

Tobias Kloster: Für uns am Tor zum Nordschwarzwald wäre dies natürlich keine naheliegende Option. Selbst in trockenen und mediterranen Regionen ist diese Variante sehr teuer; langfristig aber mit aller Wahrscheinlichkeit notwendig.

Dennoch haben wir in Pforzheim eine der modernsten und innovativsten Wasseraufbereitungsanlagen des Landes. Unsere moderne Ultrafiltrationsanlage mit ihren 64 Modulen ist mit Hohlfasermembranen ausgestattet, die 5000 Mal feiner sind, als menschliches Haar. Sie filtern selbst kleinste Trübstoffe sowie Keime und Bakterien aus dem Trinkwasser. Durch Umkehrosmose wird das Wasser mit hohem Druck durch eine semipermeable Membran gepresst: Dabei werden Härtebildner, aber auch Nitrate aus der industriellen Landwirtschaft oder Hormone bzw. hormonähnliche Stoffe herausgefiltert. So können wir nicht nur die Sauberkeit unseres Trinkwassers gewährleisten, sondern auch den Härtegrad auf einem gleichmäßigen Level halten. Mit unserer Ultrafiltrations- und Umkehrosmoseanlage sorgen wir für eine unabhängige und sichere Versorgung mit regionalem Trinkwasser.

Hier stellen wir unsere moderne Wasseraufbereitungsanlage vor.

Herr Kloster, vielen Dank für das Gespräch!

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