André Disselkamp: Nachhaltigkeit gewinnt in diesem Jahr nochmal an Bedeutung

André Disselkamp ist Co-Founder und CEO von Finsurancy. Mit ihm sprechen wir über Digitalisierung, Ziel seines Unternehmens sowie Änderungen für Makler ab August 2022.

Digitalisierung findet seit einigen Jahren Einzug in nahezu jeden Bereich. Wie wichtig schätzen Sie den aktuellen Stand der Digitalisierung in der Versicherungsbranche ein?

André Disselkamp: Die Versicherungsbranche hat sich in den letzten Jahren enorm gewandelt und sehr viel Geld in die Digitalisierung investiert. Viele Versicherer haben mittlerweile ein digitales Kundenportal, bieten eine Online-Abschluss-Strecke an und können aufwändige manuelle Prozesse vermehrt durch den Fortschritt der Digitalisierung vermeiden. Nichtsdestotrotz hat die Branche aufgrund Ihrer Größe, der eingefahrenen Strukturen und der diversen Fusionen noch einen weiten Weg vor sich. Schwer fällt mir zu verstehen, warum es immer noch nicht möglich ist, ganz auf den Papierversand zu verzichten, wenn der Kunde es so möchte. Rechtlich verpflichtet sind die Versicherungsgesellschaften nicht, dem Kunden eine Police in Papierform zu übermitteln.

Finsurancy ist ein digitaler Versicherungsmakler. Was kann man sich darunter vorstellen und welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Unternehmen?

André Disselkamp: Für uns bedeutet digital, mit der Zeit zu gehen und dem Kunden eine bestmögliche Nutzererfahrung zu bieten. Unsere Zielgruppe möchte nicht in einem Versicherungsbüro sitzen und zu Papierbroschüren beraten werden. Sie wollen sich mit 2 Klicks online einen Termin buchen, Ihre Versicherungsdokumente in einer App einsehen und flexibel und ohne viel Aufwand Anpassungen in Ihrer Absicherung vornehmen können. Unser Ziel ist eine starke persönliche Ebene zu unseren Kunden bei gleichzeitiger Nutzung aller Vorteile der Digitalisierung.

Der Nachhaltigkeitsgedanke wird immer wichtiger und Forderungen nach umweltbewussten Versicherungslösungen lauter. Wie gehen Sie mit diesem Thema in Ihrer Firma um?

André Disselkamp: Gleich zur Gründung unseres Unternehmens haben wir uns dazu entschlossen 20 % unseres Gewinns an soziale und nachhaltige Organisationen zu spenden, um der Gesellschaft einen Teil zurückzugeben. Somit tut jeder Vertrag etwas Gutes, auch wenn die viele Versicherungsprodukte noch nicht wirklich nachhaltig sind. Wir beraten unsere Kunden explizit zu nachhaltigen Versicherungen und sorgen durch unsere digitale Aufstellung für eine ressourcenschonende Beratung.

Zusätzlich drückt der europäische Gesetzgeber mehr aufs Tempo als gedacht. Neue Regelungen sollen für Nachhaltigkeit im Beratungsprozess sorgen. Was ändert sich konkret für Makler ab August 2022?

André Disselkamp: Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt in diesem Jahr nochmal an Bedeutung, was uns alle freuen sollte. So denke ich, dass sich bisher die wenigsten Makler Gedanken zu den Themen ökologische und soziale Aspekte, sowie der Unternehmensführung bei den vermittelten Gesellschaften gemacht haben. Durch das neue Gesetz rückt der Fokus ab dem 02. August also nochmal stärker in diese Richtung und regt hoffentlich auch einen Diskurs über eben diese Themen an. Nicht nur, weil Versicherer globale Player an den Finanzmärkten sind, sondern auch um das Image und die Vorbildfunktion wieder hochzuhalten, ist dieser Schritt immens wichtig. Wir haben in den letzten Monaten die Erfahrung gemacht, dass die meisten Kunden dahingehend bereits sensibilisiert sind, so ändert sich bei uns konkret nichts, da wir bereits die höchsten Anforderungen an die Gesellschaften stellen, mit denen wir zusammenarbeiten. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass sich der konservative Teil der Branche zu Anfang etwas schwertun wird. Am Ende geht es aber darum, die Chance zu erkennen und mit der Zeit zu gehen.

Die Gesetzgebung geht also den nächsten Schritt in Richtung Nachhaltigkeit auf dem Kapitalmarkt. Wie gehen Sie vor, um den Kunden die nachhaltigsten Versicherungslösungen anbieten zu können?

André Disselkamp: Wir schauen uns natürlich an, worin und wie die Gesellschaft investiert, welche Partner dabei mit im Boot sitzen und was besonders in der Lebensversicherung wichtig ist, wie das Sicherungsvermögen gestaltet ist. Dort sieht man oft, dass durch die Werterhaltungskonzepte und die daraus resultierende defensive Anlage, kurzfristig gar keine großen Änderungen möglich sind. Zusätzlich prüfen wir die Versicherungsbedingungen nach nachhaltigen Leistungsbestandteilen wie z. B. Ersatz im Schadenfall durch eine klimafreundliche Variante, Mehrkosten für Reparatur statt Ersatz oder die Kosten für eine Nachhaltigkeitsberatung.

In Deutschland gibt es bereits zahlreiche Versicherungsmakler. Können Sie uns erklären, wie sich Ihr Unternehmen von herkömmlichen Maklern abhebt?

André Disselkamp: Wir sind der Meinung, dass die Zeiten des aggressiven Verkaufs vorbei sind und dieser beim Kunden eher den gegenteiligen Effekt hat, deswegen gehen wir neue Wege. Wir möchten unseren Beitrag leisten zu einer fairen und transparenten Beratung, für eine digitale, aber persönliche Arbeitsweise, für hohe Standards beim Umweltschutz und wir vertreten die Auffassung, dass jedes Unternehmen mit seinem Produkt und seiner Dienstleistung Gutes tun kann.

Herr Disselkamp, vielen Dank für das Gespräch!

Ein Kommentar

  1. Friedsa sagt:

    Nachhaltigkeit ist anscheinend überall ein wichtiges Thema. Ich lese es auch bei Konzernen. Einer davon erst kürzlich: https://www.ceconomy.de/de/unternehmen/vorstand/

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