Dr. Alexander Trommen: NFTs sind digitale Werke

Dr. Alexander Trommen ist Geschäftsführer von der Appsfactory GmbH in München. Mit ihm sprechen wir über NFTs, Einzigartigkeit sowie rentable Geldanlagen.

Alle Welt spricht zur Zeit von NFTs, sogenannte „Non-fungible Tokens“. Was sind Non-fungible Tokens genau?

Dr. Alexander Trommen: NFTs sind digitale Werke – zum Beispiel digitale Kunstwerke. Sie basieren auf einem unveränderbaren verschlüsselten Code und sind einzigartig. Bei einem non-fungibel Token handelt es sich um einen einmaligen digitalen Vermögenswert, der nicht gegen einen anderen getauscht werden kann. Kunstwerke, Grafiken, Bewegtbilder aber auch reale Güter können in NFTs umgewandelt werden. Diese müssen jedoch Informationen tragen, die ihre Individualität beweisen. Dadurch kann der rechtmäßige Eigentümer identifiziert und sein Anspruch Geltung erlangen.

Was bringt der Besitz von NFTs und welche Anwendungsbereiche gibt es für diese, wenn jeder doch quasi ein individuelles Sammlerstück ist?

Dr. Alexander Trommen: Wie bei echten Kunstwerken, kommt es darauf an, was Sie besitzen. Allein die Tatsache ein Unikat Ihr Eigen zu nennen, bedeutet noch lange nicht, dass ein hoher Wert oder in Zukunft eine Wertsteigerung damit verbunden ist. Erst die auf das Unikat treffende Nachfrage, definiert den Wert. Ein NFT von einem bekannten Künstler wie Gerhard Richter, der auch in der analogen Welt bekannt ist, hätte sicherlich einen hohen Wert, der sich aus der Nachfrage erklärt. Insbesondere bei Fotokunst können NFTs eine verlässliche Wertsicherungsfunktion erfüllen. Anwendungsbereiche gibt es, wie ich Eingangs erklärte viele: Alle digitalen Produkte die einen Markenwert erhalten sollen, können theoretisch in NFTs überführt werden.

Erklären Sie doch einmal bitte, wie man in den Besitz von NFTs kommt?

Dr. Alexander Trommen: NFTs bauen auf dem Prinzip der Blockchain auf. Es gibt diverse digitale Marktplätze, wo Sie sich NFTs ansehen und erwerben können. Das Auktionshaus Sotheby’s hat mit Metaverse beispielsweise einen Marktplatz für digitale Kunst geschaffen. Der Kaufvorgang ist in vielen Fällen etwas komplexer, weil Sie bevor Sie NFTs kaufen können, die dafür benötigte Währung, zumeist ist das Ethereum, erwerben müssen. Daneben brauchen Sie auch noch ein sogenanntes Wallet – ein Speichermedium, auf das Sie Ihr erworbenes Werk schreiben lassen können.   

Warum treten so viele Experten dem NFT-Hype kritisch entgegen?

Dr. Alexander Trommen: Die Diskussionen laufen ganz ähnlich ab, wie beim großen Streit um Blockchain als Währung. Staatliche Kontrollierbarkeit, juristische Nachverfolgung und Anerkennung der führenden Weltmärkte sind da die großen Themen. Zudem darf man nicht vergessen, dass inzwischen auch andere Technologien rasant wachsen, z.B. Quantencomputing. Wie sicher ist der Wert einer Sache, wenn sie einfach replizierbar wird, weil es auf einmal Quantencomputer gibt, die sie leicht entschlüsseln?

Könnten diese speziellen Token das Kunstsammeln der Zukunft sein?

Dr. Alexander Trommen: Sol LeWitt sagt: “Die Konventionen von Kunst werden durch Kunst verändert.” Das spricht dafür, dass NFTs den Kunstmarkt revolutionieren können. Momentan ist auf jeden Fall ein gewisser Hype zu sehen. Große Galerien wie “König” in Berlin pushen das Thema bereits sehr stark. Ob der Hype Substanz hat, ist ein Blick in die Glaskugel.

Was würden Sie sagen: Sind NFTs als rentable Geldanlage oder eher als riskante Spielerei einzuschätzen?

Dr. Alexander Trommen: Es ist wie mit Objektkunst oder Malerei. Manche Künstler entwickeln sich besser als andere. Die meisten NFT Kunstwerke werden meiner Ansicht nach wie die meisten realen Kunstwerke keine wesentliche Wertsteigerung erfahren. Es gibt laut Magnus Resch weltweit nur 6000 Sammler die mehr als 100.000 € pro Jahr in Kunst investieren. In diesem “Prime Marktsegment” ist Networking also alles. Ich glaube nicht, dass NFTs dieses Segment nachhaltig erschließen werden. Aber vielleicht entsteht ein ganz neues “Mid-Market-Segment”, dass die Kundenbasis des Kunstmarktes verbreitert.

Herr Dr. Trommen, vielen Dank für das Gespräch!

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