Philipp Wiedamann: Mehrheit wird aber nicht im Luxus leben

Philipp Wiedamann ist Geschäftsführer der Totorio.it GmbH. Mit ihm sprechen wir über künstliche Intelligenz, Recruiting sowie Vor- und Nachteile von Algorithmen.

Die künstliche Intelligenz (KI) spielt im alltäglichen Leben mehr und mehr eine Rolle. Schon heute kommt man unbewusst mit der KI in Kontakt. Neben dem privaten Nutzen der KI unterstützt sie auch zunehmend im Beruf. Wie kann artifizielle Intelligenz im Recruiting behilflich sein?

Philipp Wiedamann: Eher im Matching, hier gibt es schon seit Jahren von einig wenigen sehr guten Anbietern super Tools.

Zunehmend setzen Unternehmen auf Algorithmen, um neue Mitarbeiter auszuwählen. Welche Vor- und Nachteile hat diese Entscheidungsstrategie?

Philipp Wiedamann: Kommt drauf an, von welchen Unternehmen man hier spricht. Aber auch die Großen müssen froh sein, dass sie auf ihre speziellen Stellen genügend Bewerber bekommen. Wenn dann noch Algorithmen auswählen, bleibt ja keine übrig. Die Mehrheit wird aber nicht im Luxus leben, sich aus zig Bewerbern den Wunschmitarbeiter auszusuchen, deshalb sehe ich das teils an der Wirklichkeit vorbei geträumt. Man kann Lebenslauf Parsing machen, wenn man einen großen Bewerberpool an neuen und alten Bewerbungen hat, hier macht das Sinn oder man ist Personalvermittler mit einer großen CV Datenbank. Das Problem, was es in der Realität aber gibt, ist, dass Recruiter bei uns anrufen und von der Materie der Stelle überhaupt keine Ahnung haben und das mit solchen KI Tools noch viel schlimmer wird! Bewerber merken sowas sofort und sind weg! Cool, dass es solche Möglichkeiten gibt, aber pauschal einfach mal überall einsetzen macht gar keinen Sinn!

Immer seltener entscheidet eine Person darüber, wer es in die engere Auswahl schafft. Was müssen Bewerber bei einer KI-Auswertung der Bewerbungen beachten?

 Philipp Wiedamann: Wo wäre das denn der Fall? Bei unseren Kunden definitiv nicht.

Wie können sich Bewerber die KI im Bewerbungsprozess noch zu Nutzen machen?

Philipp Wiedamann: Den CV so zu schreiben, wie es die Stellenbeschreibung angibt. Also die Wörter wiederholen.

Geht es um KI im Recruiting, gehen die Meinungen von Experten auseinander. Was halten Sie von artifizieller Intelligenz im Bewerbungsprozess?

Philipp Wiedamann: Wenn ich in einem Konzern arbeite und nicht weiß, was die Fachabteilungen machen, kann das evtl. hilfreich sein oder ich so viele Bewerbungen bekomme, dass ich froh bin, das mir die KI die Arbeit abnimmt vielleicht, aber das trifft doch nur bei den ganz Großen zu. Der Mittelstand ist doch um jede einigermaßen passende Bewerbung froh.

Herr Wiedamann, vielen Dank für das Gespräch!