Daniel Charles Bossenz: Eine Inflation begleitet uns jedes Jahr

Daniel Charles Bossenz ist unabhängiger Investmentberater & Versicherungsmakler. Mit ihm sprechen wir über gestiegene Energiekosten, anziehende Inflation sowie Schutz vor Geldentwertung.

Daniel Charles Bossenz

Stark gestiegene Energiekosten haben das Leben in Deutschland verteuert. Die Verbraucherpreise lagen im Juli 3,8 Prozent über dem Level des Vorjahres. Was sind die Gründe für die anziehende Inflation und welche Produkte werden besonders teuer?

Daniel Charles Bossenz: Wenn die Nachfrage wächst, es aber angebotsseitig Engpässe gibt, dann kommt es zu Knappheiten und die Preise steigen. Lange Jahre war das Nachfragewachstum in den Konsumländern des Westens eher bescheiden, aber der Output in den Produktionsländern Asiens wuchs rasant. Das Ergebnis war dann eine niedrige Inflation und Güterschwemme. Die Ursache der nun deutlich gestiegenen Inflation liegt vor allem an den Konjunkturprogrammen der USA und Europa, welche einen regelrechten Nachfrageboom ausgelöst haben, auf den die Produzenten nicht eingestellt waren. Aber auch die staatliche Förderung der Elektromobilität und geringe Erträge durch Missernten bei langwirtschaftlichen Erzeugnissen sind Ursachen für die Preissteigerung. Diese deutliche Steigerung der Inflation wird in Bezug auf die genannten Ursachen aber nur temporär sein. Trotzdem werden wir mit einer höheren Inflation in den nächsten Jahren leben werden, da die verschuldeten Staaten die Inflation natürlich für einen natürlichen „Schuldenabbau“ bedürfen.

Handelt es sich um eine temporäre Steigerung der Inflation oder werden wir uns an schnell steigende Preise gewöhnen müssen?

Daniel Charles Bossenz: Eine Inflation begleitet uns jedes Jahr. Aber natürlich ist das aktuelle Ausmaß der Preissteigerung deutlich höher als in den Jahren zuvor. Wie sich die Inflationsraten in der Zukunft entwickeln, hängt größtenteils von den Notenbanken und der Politik ab. Auch wenn eine geringe Inflation von Ökonomen begrüßt wird, so ist eine dauerhaft hohe Inflation natürlich vor allem für den Verbrauer schädlich. Stark betroffen sind vor allem die Personen, die in Berufen arbeiten, in denen die Gehälter nur gering oder selten angepasst werden.

Experten betonten oft, dass eine erhöhte Inflation ein Luxusproblem für Deutschland sei. Inwiefern wäre eine zu geringe Inflation ein größeres Problem als eine steigende Inflation?

Daniel Charles Bossenz: Aus makroökonomischer Sicht birgt eine dauerhaft anhaltende niedrige Inflation mehrere Risiken. Ein Risiko besteht darin, dass die Wirtschaft in eine Deflation abrutschen kann. Bei der Deflation sinken die Preise für Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum. Als Folge verringert sich dann die Nachfrage der Verbraucher nach Gütern, Sachwerten und Produkten. Investitionen werden von Unternehmen und Konsumenten aufgeschoben, da auf einen künftig günstigeren Preis gehofft wird. Im schlimmsten Fall löst dieses Verhalten eine Abwärtsspirale der Preisentwicklung aus. Auch bewirkt eine Deflation, dass der reale Wert nominaler Verschuldung im Zeitverlauf steigt, so dass es für private Haushalte, Unternehmen aber vor allem auch Regierungen schwieriger wird, ihre Schulden zu tilgen. Dies könnte dann wiederrum eine größere Finanzkrise mit sich ziehen, was dann nicht mehr nur ein Luxusproblem sein sollte.

Für Sparer ist Inflation quasi eine schleichende Enteignung. Was können Anleger tun, um sich vor der Geldentwertung zu schützen?

Daniel Charles Bossenz: Durch eine steigende Inflation wird vor allem die richtige Geldanlage für die Ersparnisse um so wichtiger. Aber auch das „Money Management“ im Allgemeinen sollte hinterfragt werden. Kostenfresser wie der typische Coffee to Go oder unzählige Videostreamabos sollten reduziert oder auch gänzlich weggelassen werden, Konten mit Negativzins und Gebühren gewechselt und Fixkosten für Strom, Versicherung und Telefon/Internet überprüft werden. Neben dem Sparverhalten muss auch das Gesparte richtig angelegt werden. Hierzu eignen sich Aktien, Investmentfonds, ETFs, Immobilien und wertbeständige Sachwerte.

Höhere Renditen bedeuten in der Regel höhere Risiken. Wie lässt sich eine geeignete Strategie finden, um Risiko und Rendite in ein gutes Verhältnis zu bekommen?

Daniel Charles Bossenz: Das Zauberwort hier heißt Diversifizierung. Also Streuung seiner Geldanlage in verschiedene Töpfe mit unterschiedlichen Anlagehorizonten und Anlageklassen. Somit bleibt man stets flexibel und ist auch in unbequemen Zeiten handlungsfähig. Offene Immobilienfonds eignen sich für einen Anlagehorizont von 3-4 Jahren. Mischfonds oder Multi-Asset Fonds ergänzen ein Portfolio für den mittelfristigen Anlagehorizont und Rohstoffe und Aktien bzw. Aktienfonds dienen als Renditetreiber für den langfristigen Anlagehorizont von 7-8 Jahren. Dazu empfiehlt es sich in der aktuellen Lage – trotz hoher Inflation – auch eine größte Cashposition zu halten, um bei der nächsten Konsolidierung der Aktienmärkte sein Portfolio weiter ausbauen zu können.

Herr Bossenz, vielen Dank für das Gespräch!

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