Franz Kaim: Viele Privatanleger sind an die Börse zurückgekehrt

Franz Kaim ist geschäftsführender Gesellschafter der KIDRON Vermögensverwaltung GmbH in Stuttgart. Mit ihm sprechen wir über GameStop, Entwicklungen sowie Online-Investment-Allianz.

Eine Community auf Reddit hat für Turbulenzen bei der Game Stop Aktie gesorgt. Wird die Börse durch das Ereignis „GameStop“ mehr und mehr zum Casino?

Franz Kaim

Franz Kaim: Was hier läuft, hat definitiv spekulative Züge und ist mit einem Casino vergleichbar. Ich denke aber, dass das Groß der Investoren weiter seriös agiert. Wenn ich mich als Investor verstehe, bin ich am Wert des Unternehmens interessiert und möchte von der langfristigen operativen Entwicklung partizipieren. Ein Spekulant wettet hingegen auf die kurzfristige Kursentwicklung.

Sind Neotrader für diese Entwicklungen mitverantwortlich?

Franz Kaim: Ja, ich denke sogar, dass diese die Entwicklung pushen. Neotrader oder Online-Broker leben vom Umsatz, den Ihre Kunden generieren. Entsprechend positiv ist es für diese Institute, wenn ihre Kunden wie die Lemminge ordern, um Trends und Storys nachzujagen.

Wie realitätsnah ist der Wert der Aktie in Relation zu dem Unternehmen GameStop und was fängt das Unternehmen mit dem Erfolg jetzt an?

Franz Kaim: GameStop hat in den letzten drei Geschäftsjahren hohe Verluste geschrieben. Auch für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Verlust. Aktuell wird das Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von knapp 21 Milliarden US-Dollar bewertet. Das ist ein stolzer Preis für ein nicht profitables Unternehmen. Den Kursaufschwung hat GameStop genutzt um neue Aktien auszugeben. Insgesamt wurden fünf Millionen neue Aktien ausgegeben und dadurch ein Erlös von gut 1,1 Milliarden US-Dollar erzielt.  GameStop war es dadurch möglich, einen guten Teil seiner Finanzverbindlichkeiten zurückzubezahlen und Investitionen anzustoßen.

Wird das Phänomen „GameStop“ ein einmaliges Ereignis bleiben, oder kann man davon ausgehen, dass über das Ereignis hinaus mit weiteren Aktien spekuliert wird?

Franz Kaim: Einmalig wird dieses Ereignis nicht bleiben. Es passt in die Zeit. Viele Privatanleger sind an die Börse zurückgekehrt. Darunter sind auch viele jüngere, Technologieaffine Anleger, die ihre Informationen über soziale Netzwerke beziehen.

In was für eine Situation werden große Hedgefonds durch die „Online-Investment-Allianz“ aus dem Netz gebracht?

Franz Kaim: Das „Shortselling“ – also der Leerverkauf von Aktien wird noch riskanter. Zukünftig müssen sich diese Häuser eben auch mit der Möglichkeit auseinandersetzen, dass eine große Anzahl von Privatanlegern gegen die Strategie der Hedgefonds wettet.

Können sich Hedgefonds und investierende Firmen vor solchen Angriffen schützen? Wird jemand in der Lage dazu sein Widerstand zu geben?

Franz Kaim: Ja, da gibt es Möglichkeiten. Zum einen in der Wertpapier-Leihe. Damit ist gemeint, dass sich Hedgefonds zu bestimmten Bedingungen, Aktien von Banken leihen. Diese Bedingungen könnten angepasst werden, so dass die Hedgefonds flexibler sind. Auch könnte es zukünftig möglich sein, dass weitere Hedgefonds sich der Leerverkaufs-Strategie anschließen. Letztendlich wird die operative Entwicklung des Unternehmens, dessen Aktien gekauft – oder verkauft werden, entscheidend sein. Enttäuscht beispielsweise das Unternehmen die Börse weiter mit schlechten Nachrichten, dann behält der Verkäufer Recht. 

Herr Kaim, vielen Dank für das Gespräch!

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