Setzt sich künstliche Intelligenz (KI) in der Immobilien-Branche durch?

Interview mit Anna Huber
Wenn wir als Branche zukunftssicher sein wollen, müssen wir uns öffnen. Wir müssen sogar über unseren Umgang mit Daten und der Vielzahl Information nachdenken, die wir besitzen.

Wir sprechen mit Hanna Huber, Leiterin Innovation Management bei Drees & Sommer, ob sich künstliche Intelligenz (KI) in der Immobilienbranche durchsetzen wird. Drees & Sommer ist ein europäisches Beratungs-, Planungs- und Projektmanagementunternehmen. Es begleitet private und öffentliche Bauherren sowie Investoren seit über 50 Jahren in allen Fragen rund um Immobilien und Infrastruktur – analog und digital.

Der Immobilien-Sektor ist immer noch sehr papierlastig und steckt sozusagen analog in der Sackgasse. Das dürfte sich schon bald als ein Defizit herausstellen, weil andere Branchen den Vorsprung durch KI besser nutzen. Sind Sie auch dieser Meinung?

Hanna Huber, Drees & Sommer

Ja, das kann ein Defizit sein. Die Geschwindigkeit der Veränderung – auch in der Bau- und Immobilienbranche macht jedoch Mut. Es gibt schon jetzt zahlreiche digitale Lösungen, Unternehmen, sie sich stetig weiterentwickeln sowie Personen, die Technologie und Innnovation treiben. Wir sind auf einem guten Weg. Besonders bei Drees & Sommer kann ich sagen, dass wir die Chancen von Technologien wie KI frühzeitig erkennen durch Trend-Scouting sowie Zukunftsmanagement und extern gut aufgestellt sind.

Wir befinden uns in einem digitalen Wandel, der uns alle betrifft. Drees & Sommer hat sich entschieden kein passiver Zuschauer zu sein, sondern die digitale Transformation aktiv mitzugestalten. Um zukunftssicher zu bleiben, sollte sich außerdem jede Organisation die Frage stellen: Wie sieht die Zukunft für unser Unternehmen aus, wie Stellen wir HEUTE die Weichen für die Geschäftsmodelle der Zukunft, mutig sein, disrupt yourself!

KI steht für Effizienz, Innovation und besseres Zeitmanagement. Das nutzen die Kunden des Immobilien-Business‘ offenbar zahlreich, um einfach tiefer in die Materie einzutauchen und Chancen besser zu erkennen und zu nutzen. Ist das der berühmte Fluch oder ein Segen?

Ich sehe hier ganz klar eine Chance, also den Segen. Spannende Use Cases gibt es beispielsweise im Bereich von Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit, wo der Einsatz von Technologie zu einem schnelleren Erreichen des deutschen Klimaziels beiträgt. Aber spannend ist auch die Schnittstelle von KI und der AR/VR Technologie, wenn es darum geht, durch Bilderkennung Baufortschritte zu messen. Nicht zu vergessen ist der große Bereich von Smarten Städten und Quartieren – hinsichtlich Energieerzeugung und auch bezüglich sonstiger Infrastrukturthemen gibt es hier enormes Potential durch KI.

KI steht jedoch für viel mehr als „nur“ Effizienz, Innovation und besseres Zeitmanagement. KI und generative KI wird die Art und Weise, wie wir arbeiten und leben radikal verändern – zum Positiven. Der schon oft gesagt Satz: „KI ersetzt nicht Menschen oder Jobs, KI ersetzt die Menschen, die KI nicht einsetzen“ stimmt. Die Vorteile liegen klar auf der Hand – jetzt müssen wir Personen enablen, Unternehmen transformieren und den Weg ebnen für den Einsatz von Technologien in Unternehmen. Bei all der Euphorie muss man Themen wie Ethik, Datenschutz oder Bias in LLMs im Hinterkopf behalten – jedoch gibt es für einige Punkte bereits Regularien wie z.B. der EU AI Act.

Menschen, die eine Immobilie suchen, erhalten durch intelligent Algorithmen kuratierte Angebote – entspricht also der Suche nach relevanten Inhalten aus anderen Quellen und von anderen Marken. Kann man dieser Entwicklung noch mit den althergebrachten, traditionellen Praktiken des Immobiliengeschäftes begegnen?

Der Privatbetrieb ist lediglich ein sehr kleiner Aspekt der Immobilienbranche. Auch dieser Aspekt wird durch intelligente Algorithmen eine deutliche Veränderung erfahren. Schon heute nutzen viele Personen Smart Home Technologien für ihr Zuhause. Auch die Immobiliensuche wird sich durch KI verändern. Durch VR-Brillen sind virtuelle Begehungen von Immobilien bereits möglich. Ob für die Kaufentscheidung eine virtuelle Begehung genügt, ist eine individuelle Entscheidung. Durch den Einsatz von KI können Kunden-Experience und Kunden-Wünsche noch gezielter erfüllt werden. Wichtig ist hier für mich immer die Mensch-Maschine-Interaktion und die Frage: An Welche Stelle kommt der Mensch ins Spiel? Auch das ist individuell sehr unterschiedlich.  Die traditionellen Prozesse werden nicht sofort gänzlich abgelöst, aber sie werden deutlich verbessert und zum Teil disruptiert.

Tauscht sich die Immobilien-Branche eigentlich untereinander aus und reagiert so auf neue Trends oder Strömungen?

Ja, aber es reicht insgesamt noch nicht aus. Wenn wir als Branche zukunftssicher sein wollen, müssen wir uns öffnen. Wir müssen sogar über unseren Umgang mit Daten und der Vielzahl Information nachdenken, die wir besitzen – sowie über die Transparenz im Umgang mit diesen Daten. Denn klar ist: Daten und vor allem strukturierte Daten sind Gold und die Basis jeder KI.

Ich kann es nicht oft genug betonen: Ökosystem statt Silodenken! Ich selbst bin im Innovation Think Tank des Branchenverbands ZIA, sitze in unterschiedlichen Cross-Innovation Think Tanks. Drees & Sommer ist Mitglied beim bitkom, wir tauschen uns ständig mit unterschiedlichen Unternehmen aus – darunter Startups, denn sie sind die mutigen Sprinter in Sachen Innovation, etablierte Player in der Branche, aber auch mit Tech-Giganten, die KI bereits länger implementiert haben.

Unabhängig davon: Wie bewerten Sie die Entwicklung der Immobilienbranche – vor dem Hintergrund beispielsweise, dass der Häusermarkt gegenüber dem Vorjahr um 6,24 Prozent nachgegeben hat?

Wie in jeder Branche beobachten wir auch in der Bau- und Immobilienbranche aufgrund unterschiedlicher Ereignisse eine etwas gedrückte Marktphase. Es gibt jedoch weiterhin einen großen Bedarf an verschiedensten modernen und nachhaltigen Immobilienkonzepten, weswegen sich sowohl die Bau- und Immobilienbranche insgesamt als auch der private Häusermarkt im Speziellen wieder erholen dürfte.

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