Der Wandel in den Anforderungen beim modernen Coaching

Interview mit Oliver Weiss
Integrität bildet die Basis im Coaching. Ein guter Coach handelt stets im besten Interesse seiner Klient:innen und respektiert deren Vertraulichkeit. Ethik und Integrität sind unerlässlich, um eine vertrauensvolle und professionelle Beziehung zwischen Coach und Klient aufrechtzuerhalten.

Wir sprechen heute mit Oliver Weiss, dem Coaching-Experten, aus München. Heute wollen wir von ihm erfahren, wie modernes Coaching sich gewandelt hat und wie seine Coaching-Methoden funktionieren.

Mit sich ändernden Herausforderungen im Berufsleben kann gutes Coaching dazu beitragen, dass Mitarbeiter:innen ihr volles Potenzial ausschöpfen, sich mit dem Arbeitgeber identifizieren und Lern- und Umdenkungsprozesse eigenverantwortlich gestalten. Wo sehen Sie Veränderungen in Ihrer Arbeit gegenüber früheren Zeiten?

In der Tat haben sich die Anforderungen, Herausforderungen und die Arbeitsgeschwindigkeit im Berufsleben in den letzten Jahren erheblich verändert – und die Veränderungen nehmen zu. Flexibilität, Schnelligkeit und Agilität bei gleichzeitiger Resilienz werden immer wichtigere Faktoren für die mentale Gesundheit des Individuums und für die Attraktivität als Angestellter auf dem Arbeitsmarkt.

Das wirkt sich natürlich auch auf meine Coachings aus. Früher lag der Fokus im Business Coaching oft bei der Verbesserung von beruflichen Fähigkeiten, der Verbesserung von Leistungsergebnissen oder Entscheidungsprozessen. Heute ist ein ganzheitlicherer Ansatz erforderlich und gefragt. Dieser bezieht die persönliche Entwicklung, das Wohlbefinden am Arbeitsplatz und das soziale System mit ein.

Daher biete ich systemisches Coaching an, weil es meiner Ansicht nach auf die Veränderungen und Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft einen besonderen Mindset bietet, besonders gute Tools zu Verfügung stellt und Antworten findet. Es betrachtet nicht nur das Verhalten und die Überzeugungen einer Einzelperson, sondern auch deren Beziehungen zu anderen Mitgliedern des Systems sowie die Strukturen und Prozesse, die das System prägen. Durch diese holistische Sichtweise können wir als systemische Coaches helfen, Muster zu erkennen, die sich auf verschiedene Ebenen des Systems auswirken – beruflich, privat, in Beziehungen oder der Selbstreflexion.

Eine signifikante Veränderung ist die zunehmende Betonung von Soft Skills und emotionaler Intelligenz. Mitarbeiter:innen müssen nicht nur fachlich kompetent sein, sondern auch über die Fähigkeit verfügen, effektiv zu kommunizieren, Konflikte zu lösen und in einem sich ständig wandelnden Arbeitsumfeld flexibel zu sein. Als Coach sehe ich daher meine Aufgabe, nicht nur bei der Entwicklung beruflicher Fähigkeiten zu unterstützen, sondern auch dabei, ein starkes Selbstbewusstsein aufzubauen und eine positive Einstellung z.B. gegenüber Veränderungen zu fördern. Denn die Geschwindigkeit in denen Changes im beruflichen Umfeld zugenommen haben, hat sich dramatisch erhöht. Kaum ist ein Change in einer Firma vollzogen worden, steht der nächste schon vor den Toren.

Ebenfalls stark verändert hat sich zunehmende Bedeutung von Work-Life-Balance und Selbstfürsorge. In einer Welt, die immer schneller und anspruchsvoller wird, ist es entscheidend, dass Mitarbeiter:innen lernen, ihre eigenen Grenzen zu erkennen und zu respektieren. Coaching kann dabei helfen, Stress zu bewältigen, Burnout vorzubeugen und ein gesundes Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben zu finden.

Deshalb erlebe ich eine wachsende Nachfrage nach maßgeschneiderten Coaching-Programmen, die den individuellen Bedürfnissen und Zielen der Mitarbeiter:innen gerecht werden. Unternehmen erkennen zunehmend den Wert von personalisiertem, systemischen Coaching, das auf die spezifischen Herausforderungen und Entwicklungsbereiche jeder und jedes Einzelnen eingeht.

Ist der Erfolg im Coaching messbar in Bezug auf die Erreichung gesetzter Ziele, einer höheren Arbeitszufriedenheit oder im positiven Mitarbeiterverhalten?

Ja, Erfolg im Coaching kann auf verschiedene Weise messbar sein. Drei Möglichkeiten möchte ich gerne ansprechen.
Eine Zieldefinition der selbst gesetzten Ziele gehört als Hauptbestandteil jedes Coachings dazu. Diese vereinbare ich mit jedem Coachee vorab. Sie bilden die Grundlage meiner Coachingsprozesse. Ein klar definierter Erfolgsindikator im Coaching ist dann die tatsächliche Erreichung der zu Beginn festgelegten Ziele.

Eine gesteigerte Arbeitszufriedenheit bei den Klient:innen kann ebenfalls als Erfolgsmaß betrachtet werden. Wenn Mitarbeiter:innen nach dem Coaching eine positivere Einstellung zu ihrer Arbeit haben, sich motivierter fühlen oder ein größeres Engagement zeigen, deutet dies ganz klar auf eine erfolgreiche Coaching-Intervention hin. Einfach messbar machen kann man das durch eine vor und nach dem Coachingprozess durchgeführte Einschätzung auf einer Skala.

Veränderungen im Verhalten der Mitarbeiter:innen können ebenfalls als Erfolg des Coachings betrachtet werden. Dies kann sich in verbesserten zwischenmenschlichen Beziehungen, einer effektiveren Kommunikation, einer besseren Konfliktbewältigung, einem gesteigerten Teamgeist und höherer Resilienz manifestieren. Immer dann, wenn Coaching dazu beiträgt, positive Verhaltensänderungen zu bewirken, ist dies ein klarer Indikator für seinen Erfolg. Messbar wird dies häufig durch eine Reduzierung der Krankheitstage, Mitarbeiterbefragungen oder die Befragung zur psychischen Gefährdungsbeurteilung.

Allerdings muss man anerkennen, dass Erfolg im Coaching nicht immer einfach und sofort zu messen ist. Das ist übrigens bei den Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements ganz ähnlich. Coaching wirkt immer so individuell, wie wir Menschen unterschiedliche Individuen sind.
Dennoch können die Erreichung gesetzter Ziele, eine höhere Arbeitszufriedenheit und positives Mitarbeiterverhalten als allgemeine Maßstäbe dienen, um den Erfolg eines Coaching-Prozesses im beruflichen Umfeld zu bewerten.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen guten Coach aus und was sollte diesen zu seiner „Führungsposition“ qualifizieren?

Ein guter Coach zeichnet sich durch eine Reihe von Merkmalen aus, die ihn oder sie aus meiner Sicht qualifizieren. Dazu zählen Integrität, Empathie und Einfühlungsvermögen, starke kommunikative Fähigkeiten, zuhören können, Expertise und Erfahrung, Flexibilität, Agilität und Freude am Lernen, Lebenserfahrung und Humor.

Ein guter Coach ist einfühlsam und kann sich in die Lage seiner Klient:innen versetzen. Durch Empathie kann ein Coach eine unterstützende und vertrauensvolle Beziehung aufbauen, die es den Klient:innen ermöglicht, sich offen zu äußern und ihre Herausforderungen zu bewältigen.

Ein effektiver Coach verfügt über ausgezeichnete Kommunikationsfähigkeiten, einschließlich aktivem Zuhören, klarer Artikulation und die Fähigkeit, Fragen zu stellen, die zum Nachdenken anregen. Durch eine klare und respektvolle Kommunikation kann der Coach den Klient:innen dabei helfen, ihre Gedanken zu ordnen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Ein guter Coach sollte über fundiertes Fachwissen und Erfahrung in seinem Fachgebiet verfügen. Dies kann durch formale Ausbildungen und reichlich praktische Erfahrungen im Coachingbereich erreicht werden. Ein solides Fachwissen ermöglicht es dem Coach auf eine möglichst große Anzahl an bewährten Methoden und Techniken im Interesse der Klient:innen zugreifen zu können. Achten würde ich unbedingt auf anerkannte Zertifizierungen. Da sich jeder Coach nennen kann, da der Begriff rechtlich nicht geschützt ist, ist mir dieser Punkt sehr wichtig.

Da jeder Klient einzigartig ist, sollte ein guter Coach in der Lage sein, sich flexibel an die individuellen Bedürfnisse und Ziele seiner Klient:innen anzupassen und diese gleichzeitig vorurteilsfrei bestehen lassen zu können.

Integrität bildet die Basis im Coaching. Ein guter Coach handelt stets im besten Interesse seiner Klient:innen und respektiert deren Vertraulichkeit. Ethik und Integrität sind unerlässlich, um eine vertrauensvolle und professionelle Beziehung zwischen Coach und Klient aufrechtzuerhalten.

Außerdem halte ich Humor für einen ganz wesentlichen Erfolgsfaktor. Humor schafft eine entspannte Atmosphäre und baut Streß und Spannungen ab. Dies kann auch dann besonders hilfreich sein, wenn Klient:innen sich in schwierigen oder herausfordernden Situationen befinden. Natürlich muss mit Humor sensibel umgegangen werden und er muss situationsgerecht sein. Aber dennoch darf Coaching auch Spaß machen! Häufig kann ein humorvoller Blick dazu beitragen, festgefahrene Denkmuster zu durchbrechen, neue Lösungsansätze und Kreativität zu entwickeln.

Der Anspruch, dass Coaching transformative Veränderungen bei den Mitarbeiter:innen bewirken soll, ist hoch gesteckt. Glauben Sie, dass ein Coach dazu beitragen kann, die Selbstreflexion zu fördern und dadurch positive Veränderungsprozesse einzuleiten?

Ja, da bin ich mir sicher. Coaching kann eine bedeutende Rolle dabei spielen, die Selbstreflexion zu fördern und positive Veränderungsprozesse bei Mitarbeiter: innen einzuleiten. Wieso auch nicht? Das Wesen des Coachings ist ja die Reflexion und Betrachtung der eigenen Situation.
Als systemischer Coach kann ich transformative Veränderungen besonders durch Selbstreflexion bei Individuen und Teams unterstützen. Dazu biete ich einen sicheren Raum und eine unterstützende Umgebung, in der Mitarbeiter: innen dazu ermutigt werden, über ihre Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen nachzudenken. Durch gezielte Fragen und Gespräche kann ich den Mitarbeiter:innen helfen, ihre eigenen Überzeugungen, Motivationen und Ziele besser zu verstehen. Diesen Raum gibt es im beruflichen Umfeld systematisch nur sehr selten.

Außerdem gelingt es Klient:innen, durch Selbstreflexion ihre Stärken und Entwicklungsbereiche klarer zu erkennen. Ein Coach kann dabei helfen, diese Erkenntnisse zu vertiefen und konkrete Schritte zur Weiterentwicklung und Stärkung der Stärken zu identifizieren. Das ist nicht nur ein Vorteil für den Coachee, sondern auch für den Arbeitgeber:in.

 

Vielen Dank für das Interview.

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