Paul G. Putz: Alternative Finanzierungsformen sind ein Wachstumsmarkt

Paul G. Putz ist Geschäftsführer Danube Angels in Wien. Mit ihm sprechen wir über Alternativen zum Sparbuch, fehlende Finanzbildung sowie Nachrangdarlehen.

Paul G. Putz

Crowdinvesting erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Wie erklären Sie sich diesen Trend?

Paul G. Putz: In Zeiten von niedrigen bzw. nicht existenten Zinsen suchen viele Menschen nach Alternativen zum Sparbuch, Bausparvertrag etc., bei denen das veranlagte Kapital aufgrund von Inflation und Gebühren immer weniger wert wird. Leider wird in unseren Schulen viel zu wenig Finanzbildung vermittelt, sodass der Großteil der Bevölkerung wenig bis keine Ahnung vom Finanzmarkt hat und die verschiedensten Anlageformen wie Aktien, Fonds etc. nicht kennt bzw. nicht weiß, wie man risikomindernd investiert. Beim Crowdinvesting wirbt fast jede Online-Plattform mit niedrigen Mindestinvestitionssummen, sodass bei manchen sogar Investments ab EUR 10 möglich sind. Diese geringen Summen gepaart mit hohen, jedoch nicht annähernd risikogerechten, Renditeversprechen, die beim genauen Lesen der Verträge an etliche Auszahlungsbedingungen gekoppelt sind, lassen Crowdinvesting lukrativ aussehen und lassen die Beliebtheit immer weiter steigen.

Wir bei Danube Angels (www.danubeangels.com) bieten Eigenkapitalinvestments an interessanten Wachstumsunternehmen aus der DACH- und CEE-Region ab einer Mindestinvestitionssumme von EUR 1.000 an. Dieser Mindestbetrag mag auf den ersten Blick hoch für Crowdinvesting sein, ein geringerer Betrag ist aber oft aus gesetzlichen Gründen nicht möglich oder nicht sinnvoll. Renditeversprechen finden Sie bei uns keine, da diese nur sehr schwer gemacht werden können. Läuft das Geschäft des Unternehmens gut, profitieren auch die Investoren, natürlich ist dies aber auch umgekehrt möglich. Nichtsdestotrotz kann für die Assetklasse, die wir unseren Investoren anbieten, eine Rendite zwischen 25 % und 35 % erzielt werden, wenn man ein diversifiziertes, also risikominderndes, Portfolio aus vielen Investments aufbaut.

Online-Anbieter sprechen zum Teil gezielt Kleininvestoren an. Sie werben mit geringen Mindestinvestitionssummen. Für wie attraktiv erachten Sie Crowdinvesting für Immobilien?

Paul G. Putz: Fast alle solche Projekte werden durch Nachrangdarlehen angeboten. Dabei sind Investoren Darlehensgeber und schlechter als finanzierende Banken oder andere Darlehensgeber gestellt. Sogenannte Mezzaninstrukturen als Teil eines Finanzierungs-Mixes bei Immobilieninvestitionen sind nichts Neues und werden seit Jahrzehnten verwendet. Neu ist das Einsammeln bei einer Vielzahl an kleinen Investoren. Ob die angebotenen Zinssätze als Risikoentschädigung angemessen sind, muss jeder Investor selbst einschätzen. Wir warnen aber davor, sich von bestimmten Fixzinssätzen blenden zu lassen. Bei Danube Angels bieten wir sehr bewusst keine Nachrangdarlehen, sondern ausschließlich Eigenkapitalinvestitionen an. Für junge Unternehmen mit Wachstumsplänen sind diese die einzig sinnvolle Finanzierungsform.

Kann Crowdinvesting das halten, was oft versprochen wird: hohe Rendite bei geringem Risiko?

Paul G. Putz: Diese Aussage, wie sie hier steht, muss definitiv verneint werden. Wer denkt, dass Crowdinvesting mit geringem Risiko verbunden ist, liegt falsch. Hierbei handelt es sich um Hochrisikoveranlagungen, da meist nur in ein bestimmtes Projekt/Unternehmen investiert wird. Läuft alles gut, erhält der Investor seine eventuell versprochene Rendite. Sollte das Unternehmen/Projekt jedoch nicht nach Plan verlaufen oder sogar eingestellt werden, kann auch das investierte Kapital verloren sein und der Investor erhält gar nichts. Daher kann nie oft genug betont werden, dass man nur Beträge investieren sollte, die man im Ernstfall auch bereit ist zu verlieren. Um das Risiko eines Investments zu reduzieren ist es daher unserer Meinung nach unerlässlich, sein Portfolio zu diversifizieren und so das Risiko auf viele Investments zu verteilen. So kann ein Ausfall eines Investments durch die Rendite eines anderen kompensiert werden.

Welche Tipps können Sie interessierten Investoren geben?

Paul G. Putz: Zum einen sollte man jedes Projekt/Unternehmen, in das man investiert, hinsichtlich der Machbarkeit/Plausibilität der vorliegenden Pläne prüfen. Ein wesentlicher Punkt, auch bei der Auswahl unserer Danube Angels-Projekte, ist die Kompetenz des gesamten Teams und ob man diesem zutraut, die Pläne für das Unternehmen auch in die Realität umzusetzen. Bei der Investition selbst raten wir immer nur jene Beträge zu investieren, die man derzeit nicht benötigt bzw. die man auch bereit ist im Ernstfall zu verlieren. Ein letzter Tipp, der auch schon oftmals hier erwähnt wurde, ist die Diversifikation des Portfolios, um das Risiko so gering wie möglich zu halten. Das bedeutet zum Beispiel, dass eine Investition von EUR 10.000 besser auf 10 Projekte zu je EUR 1.000 aufgeteilt werden sollte als eine Investition von EUR 10.000 in ein Projekt.

Crowdinvesting ist ein neuer Markt, der durch digitale Möglichkeiten erschlossen wurde. Für wie wichtig stufen Sie die Digitalisierung für die Zukunft der Finanzbranche ein?

Paul G. Putz: Alternative Finanzierungsformen sind ein Wachstumsmarkt, da traditionelle Banken insbesondere bei kleinen und jungen Unternehmen ihre Finanzierungsrolle nicht wahrnehmen dürfen oder wollen. Dabei spielen digitale Geschäftsmodelle eine immer stärkere Rolle, nicht nur im Crowdinvesting sondern ganz generell in allen Geschäftsbereichen.

Herr Putz, vielen Dank für das Gespräch!

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