Timotheus Künzel: „KPI’s sind für eine langfristige Skalierung essenziell“

Interview mit Timotheus Künzel
Timotheus Künzel ist CEO der Künzel Investments GmbH. Mit ihm sprechen wir über aktuelle Trends und Entwicklungen am Immobilienmarkt.

Die Immobilienbranche gilt als traditionsbewusst. Wie innovationsfreudig sind denn die Branchenteilnehmer in der Praxis?

Timotheus Künzel: Erfahrungsgemäß halten viele Immobilienunternehmer und Makler dogmatisch am Alten fest. Dies betrifft aber nicht nur die Immobilienbranche, sondern auch viele andere Branchen. Bei meiner damaligen Tätigkeit für einen Versicherungskonzern bekam ich von Kollegen des öfteren zu hören, dass ihre Kunden niemals digital kaufen würden, da diese einen analogen und persönlichen Beratungsprozess benötigen würden.

Der Psychologe Daniel Kahnemann beschreibt dieses Verhalten als „Affirmation-Biase“. Hierbei werden Informationen die wir einfach abrufen können für wahrscheinlich gehalten. Viele Branchenteilnehmer mit jahrzehntelanger Erfahrung haben genügend analoge Beratungen durchgeführt, diese Schlussfolgerungen aus der Vergangenheit, sagen allerdings nichts über die Zukunft aus. Aktuelle Statistiken und Umfragen zeigen hierzu in eine klare Richtung. Die Bedürfnisse von Kunden ändern sich massiv. So können diese meiner Meinung nach nur mit digitalen und vor allem effizienten Beratungsansätzen und Prozessen befriedigt werden.

Die Digitalisierung ist derzeit in aller Munde. In jeder Branche suchen Experten nach neuen Lösungen, um Prozesse schlanker, effizienter zu gestalten und einen möglichst hohen Grad an Automatisierung zu erzielen. Inwiefern lassen sich Prozesse im Immobilienvertrieb verschlanken?

Timotheus Künzel: Nahezu alle Prozesse können nicht nur, sondern müssen sogar digitalisiert werden, denn wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Allem voran sollte der Beratungsprozess in der heutigen Zeit volldigitalisiert werden. Das liefert maximale Transparenz und Effizienz sowohl für Kunden, als auch für die Unternehmer. Außerdem spart man dadurch Ressourcen und verringert durch Wegfall von unnötigen Fahrten den CO2 Ausstoß und die Kosten für beide Seiten, was gleichzeitig auch zu höheren Gewinnen führt. Zudem erhöht sich durch die Zeiteinsparungen, die durch die Digitalisierung entstehen, die Effizienz der Mitarbeiter.

Für einen digitalen Beratungsansatz gibt es zahlreiche Videokonferenz und Kommunikation Plattformen, als auch Tools die eine ortsunabhängige Besichtigung ermöglichen. Bei richtiger und transparenter Umsetzung dieser Prozesse, kann dadurch, vor allem beim Kauf einer Immobilien zur Kapitalanlage, eine schnellere Kaufentscheidung getroffen werden. Momentan integrieren wir beispielsweise Virtual Reality in unseren Besichtigungsprozess, wodurch der Kunde mittels einer VR-Brille seine Immobilie virtuell genau begutachten und in jede Ecke des Objekts schauen kann. Zusätzliche Hilfestellung bieten hier Google Streetview oder ein neues Feature der „Karten“ App von Apple, die zudem ermöglichen die Umgebung digital zu erkunden. Nicht nur Besichtigungen, sondern auch Beratungen und Interne Meetings sollen über die Virtual Reality abgehalten und noch emotionaler gestaltet werden.

Dass VR-Brillen die Zukunft verkörpern zeigt unter anderem, dass Apple sein Gerät voraussichtlich nächstes Jahr auf den Markt bringt. Klar ist: In wenigen Jahren finden wir eine VR Brille, wie ein Laptop oder ein Tablet, in beinahe jedem Haushalt vor. 

Interne digitale Prozesse, wie ein gut strukturiertes, auf das Geschäftsmodell ausgerichtetes, CRM System, sind meiner Meinung nach für jedes Unternehmen, vor allem aber für Immobilienvertriebe, Pflicht

Dieses liefert wichtige KPI’s, die für eine langfristige Skalierung essenziell sind. Wenn ein Immobilienvertrieb seine KPI’s nicht kennt, wird dieser langfristig nicht bestehen.

Das Internet und neue Technologien bietet ganz neue Möglichkeiten Immobilien zu präsentieren und neue Zielgruppen zu erschließen. Welche technischen Neuerungen haben sich im Immobiliensektor in den letzten Jahren durchgesetzt?

Timotheus Künzel: Die oben genannten digitalen Besichtigungstools, als auch Vermarktungsstrategien, wie Ad’s, Funnels, Videomarketing und Social Media.

Des weiteren haben sich künstliche Intelligenzen, durch den wachsenden Informationsfluss und die bessere Einschätzung zielgerichteter Produkte, durchgesetzt und etabliert. Langfristig wird sich die Virtual Reality wie vorher schon ausgeführt durchsetzen. Ich kann mich nur wiederholen, wer diesen Change-Prozess nicht akzeptiert und bereit für eine Veränderung ist, wird langfristig nicht mehr bestehen können.

Welche Innovationen und Trends setzen sich denn aktuell durch? Wohin geht die Reise für die Branche?

Timotheus Künzel: Alle schon aufgezählten Trends und Innovationen, wie VR und KI’s. Kundenbedürfnisse ändern sich und deshalb ist ein digitaler und innovativer Beratungsansatz essenziell. Wer heute noch auf analoge Beratungsansätze setzt, verzichtet darauf, das volle Potenzial seiner Zielgruppe auszuschöpfen. Vor allem blockiert das langfristig das Wachstum. Zudem werden remote Prozesse auch für Arbeitnehmer immer wichtiger. Wenn die Prozesse so gestaltet sind, dass Arbeitnehmer keine Home-Office Optionen nutzen können und ortsgebunden arbeiten müssen und somit in ihrer Autonomie eingeschränkt sind, werden langfristig keine A Mitarbeiter mehr dem Unternehmen interessiert sein. Prozesse müssen volldigitalisiert sein, um effizientes, remotes Arbeiten zu ermöglichen. Achtung: Hier gibt es einige Herausforderungen bei der Kommunikation, durch die Digitalisierung haben sich vor allem Führungskompetenzen, die langfristig zum Erfolg führen, stark verändert.

Gerade in der Tech-Branche gibt es eine Grund-Paranoia durch mangelnde Innovationsfähigkeit den Anschluss zum Wettbewerb zu verlieren. Wie wichtig ist es für Unternehmen aus dem Immobiliensektor, sich mit den neuen Technologien zu beschäftigen?

Timotheus Künzel: Es ist essenziell. Alle Marktteilnehmer verändern sich. Ob Kunden, Mitarbeiter oder Wettbewerber. Wer hier nicht neue Wege geht, verliert langfristig.

Herr Künzel, vielen Dank für das Gespräch.

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