Bernd Kellerer: Natürlich ist Nachhaltigkeit nicht kostenlos

Bernd Kellerer ist Project Manager bei der CIRECON, einer Business Unit of Jetsam Service Management GmbH in Regensburg. Mit ihm sprechen wir über Circular Economy, Wirtschaftsmodell der Zukunft sowie Integration im eigenen Unternehmen.

Bernd Kellerer

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) gilt als Wirtschaftsmodell der Zukunft. Können Sie uns dieses Modell genauer erklären?

Bernd Kellerer: In einer Volkswirtschaft, in der Ressourcen und Rohstoffe ausreichend vorhanden sind und damit auch preiswert angeboten werden können, kann der lineare Ansatz sehr erfolgreich sein. Hierbei steht vor Allem die ausreichende Sättigung der Nachfrage im Vordergrund. Unternehmen kaufen Rohstoffe preiswert ein, produzieren und verkaufen möglichst viele Produkte und am nach der Nutzungsdauer, also am Ende des Lebenszyklus des Produktes, wird es entsorgt. Wir sind allerdings in einer Zeit angekommen, in der dieses Modell nicht mehr funktioniert beziehungsweise unsere Zukunft gefährdet. Hierbei kommt das Konzept der Kreislaufwirtschaft ins Spiel. Dieses Modell ist regenerativ. Mittels einer Verlängerung des Produktlebenszyklus und den enthaltenen Rohstoffen durch Wiederverwendung, Reparatur, Aufbereitung und Recycling, sollen endliche beziehungsweise immer knapper werdende Ressourcen geschont werden. Die Idee „reuse, reduce, recycle“ steht dabei im Mittelpunkt der Überlegung. Die damit einhergehenden Vorteile beschränken sich nicht nur auf die Umwelt, die Menschen und Tiere, sondern auch ökonomisch gesehen kann die Kreislaufwirtschaft als das Modell der Zukunft gesehen werden.

Immer wieder bekommt man zu hören, dass die lineare Wirtschaft ausgedient hat. Wie schätzen Sie das ein?

Bernd Kellerer Aktuell ist die lineare Variante das vorherrschende Wirtschaftsmodell weltweit. In diesem Zusammenhang fällt oft der Begriff der Wegwerfgesellschaft. Unserer Meinung nach ändert sich gerade viel in Sachen Recycling, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Bis allerdings das zirkuläre, das lineare Modell zu einhundert Prozent abgelöst hat, ist es noch ein langer Prozess. Hierbei spielt unserer Meinung nach natürlich auch der ökonomische Gedanke eine wichtige Rolle. Hersteller müssen wirtschaftlich sinnvoll handeln, um am Markt bestehen zu können. Dabei geht es natürlich auch darum, möglichst günstig zu produzieren, viele Produkte zu verkaufen und einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Demnach ist aus unserer Sicht eine Transformation vieler Strukturen notwendig, um tatsächlich das lineare Wirtschaftsmodell komplett abzulösen.

Das Wirtschaftsmodell Circular Economy wird immer als nachhaltig betitelt. Auf welche Weise fördert die Circular Economy die Ressourcenschonung und wie erhöht sie die Wertschöpfung?

Bernd Kellerer Durch das „Wiederinverkehrbringen“ von Ressourcen mittels Aufbereitung und Wiederverwendung können diese nachhaltig geschont werden. Schafft man es, die Lebensspanne von Rohstoffen zu verlängern, können rückstandsfreie Wertschöpfungsketten entstehen, die wiederum mit nachhaltiger Energie angetrieben werden.

Die Liste von den Einsatzmöglichkeiten des Modells ist lang. Wie können Unternehmen die Circular Economy im eigenen Unternehmen integrieren?

Bernd Kellerer Die Einsatzmöglichkeiten einer Circular Economy fangen bereits im Tagesgeschäft an. Durch die Digitalisierung von Prozessen, Bereitstellung von nachhaltigen Verpackungen für das Essen der Mitarbeiter:innen oder mittels strikter Mülltrennung im gesamten Unternehmen. Wichtig ist es außerdem, Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schaffen. Dies kann im Unternehmen z.B. durch einen Nachhaltigkeitsreport erreicht werden, in dem man vor Allem auch Fortschritte innerhalb der Firma herausstellt. Um konkret auch ein konkretes Beispiel zu nennen, kann auf die Elektroschrottentsorgung eingegangen werden. Unternehmen haben mittlerweile die Möglichkeit eine Software zur Entsorgung von E-Schrott zu nutzen. Diese macht die Nachverfolgung und die Recyclingprozess transparent.

Know-How, Fördermöglichkeiten und Praxisanwendung unterstützen die Umsetzung von zirkulären Wirtschaften in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Welche Chancen bietet das vor allem für KMU und wie können diese von dem Wirtschaftsmodell profitieren?

Bernd Kellerer KMU können bestehende Prozesse nachhaltig und langfristig optimieren und dieses Vorgehen staatlich fördern lassen. Durch die verschiedenen Förderprogramme bspw. der digitalen Transformation in Unternehmen, wird es auch für kleinere Unternehmen attraktiv und oft überhaupt möglich, ihre Zukunft nachhaltiger zu gestalten. Durch die sinkenden Investitionskosten und die langfristigen Kostenvorteile können KMUs von dem Wirtschaftsmodell profitieren.

Viele denken, dass Nachhaltigkeit immer an einen hohen Preis geknüpft ist. Wie wir die Circular Economy finanziert und ist das Stigma, dass Nachhaltigkeit hohe Kosten mit sich bringt, wirklich wahr?

Bernd Kellerer Natürlich ist Nachhaltigkeit nicht kostenlos. Allerdings ist hierbei zu bemerken, dass die Produkte in der Vergangenheit volkswirtschaftlich gesehen größtenteils einfach zu günstig angeboten wurden. Die für die Gesellschaft entstehenden Kosten wurden bisher zu wenig beachtet. Nun ist es wichtig, eine langfristige Transformation in Gesellschaft und Wirtschaft zu erlangen.  Schaffen es Unternehmen die Balance zwischen Ökonomie und Ökologie zu finden, können Kosten langfristig reduziert und sogar Gewinne erzielt werden.

Herr Kellerer, vielen Dank für das Gespräch!

Ein Kommentar auch kommentieren

  1. Ulrike HR sagt:

    Sehr tiefgründig erklärt. Ich werde es meinem Chef zeigen. Ich glaube selbst im Maschinenbau sind manche Sachen gut anwendbar.

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