Hendrik Sämisch: Ein Vertagen der Energiewende ist nicht möglich

Hendrik Sämisch ist Gründer und Geschäftsführers Next Kraftwerke. Mit ihm sprechen wir im Interview über Energiewende, erneuerbare Energien sowie höhere Klimaziele.

Hendrik Sämisch

Wind, Sonne und andere erneuerbare Energien haben 2020 rund 43% des deutschen Energiebedarfs gedeckt. Müssen wir um die Energiewende fürchten oder sie gar vertagen?

Hendrik Sämisch: Nein, ein Vertagen der Energiewende ist nicht möglich, denn der Klimawandel lässt sich ebenfalls nicht vertagen. Auch fürchten müssen wir uns nicht – trotz des schleppenden Ausbaus der Windenergie und des Stromnetzes in den letzten Jahren. Die guten Nachrichten sind: Strom aus Erneuerbaren Energien wird immer günstiger, konventionelle Kraftwerke werden zusehends allein über den Preis aus dem Markt gedrängt, der Einsatz der Elektromobilität nimmt Fahrt auf. Es ist also nicht mehr die Frage, ob die Energiewende gelingt, sondern nur noch, wann sie beendet sein wird. Und hier stecken viele Stellschrauben zur Beschleunigung im Moment leider fest.

Die Politik hat die höheren Klimaziele beschlossen, aber können sie überhaupt erreicht werden, angesichts rückläufiger Ausbauzahlen beim Wind?

Hendrik Sämisch: Ja, das können sie. In den letzten 20 Jahren ist der Anteil der Erneuerbaren Energien am Strombedarf von rund 5 Prozent auf nahezu 50 Prozent gestiegen. Heute ist die Technologie ausgereift, die Kosten sind stark gesunken, und der gesellschaftliche Wille nicht zu überhören. Es ist also durchaus möglich, nun die nächsten 50 Prozent an Erneuerbaren Energien rasch anzupacken. Wichtig ist, dass nach dem politischen Stillstand der letzten Jahre nun wieder mehr Schwung in den Ausbau kommt, sei es durch die Ausweisung neuer Flächen, dem Repowering oder dem Einsatz neuer Technologien und Konzepte – von schwimmenden Solaranlagen oder Agri-PV bis zu Elektrolyseuren und E-Mobilität zum Schwankungsausgleich.

Was muss bei der Stromerzeugung geschehen, um das höhere CO2-Einsparziel zu erreichen?

Hendrik Sämisch: Hier führt kein Weg daran vorbei, konventionelle Kraftwerke so früh wie möglich systemverträglich vom Netz zu nehmen.

Was sind die Trends bei erneuerbaren Energien? Wohin geht die Zukunft?

Hendrik Sämisch: In Zukunft wird die primäre Frage nicht mehr sein: Was kostet es, Strom aus Erneuerbaren Energien zu erzeugen und können wir uns das leisten? Denn Strom aus neuen Erneuerbaren-Energien-Anlagen ist dank der zunehmenden Marktduchdringung und technologischer Fortschritte bereits heute günstiger als Strom aus neu zu bauenden konventionellen Kraftwerken. Die Frage wird sein: Wie schaffen wir es, den günstigen Strom aus Photovoltaikanlagen und Windkraft 24/7 bereit zu stellen, wenn konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen?

Herr Sämisch, vielen Dank für das Gespräch!

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