Lars Donath und Florian Wagner: Ein zirkuläres Wirtschaftsmodell schafft neue Eigentümerstrukturen

Lars Donath ist Managing Partner & Auditor (DQS) und Florian Wagner ist Managing Partner & Gründer der Licennium GmbH in Köln. Mit ihnen sprechen wir über Wirtschaftsmodell der Zukunft, lineare Wirtschaft sowie Nachhaltigkeit.

Das Konzept der Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) gilt als Wirtschaftsmodell der Zukunft. Können Sie uns dieses Modell genauer erklären?

Lars Donath: Es gibt im Grunde nicht das eine universelle Modell, sondern unterschiedlichste Ausprägungen, die das Ziel verfolgen weniger Material und Energie einzusetzen, Produkte und Komponenten länger zu nutzen und Material wieder zu verwenden. Dabei ergeben sich unterschiedliche Ansätze für nutzbare Geschäftsmodelle wie etwa Teilung, Leasing, Wiederwendbarkeit, Reparierfähigkeit, Aufbearbeitung oder Recycling. Die wohl konsequenteste Ausrichtung ist die einer bionischen Übertragung des natürlichen Kreislaufs auf den sogenannten technischen Kreislauf. Danach muss jedes Material beim „End of Use“ eines Produktes wieder in demselben Kreislauf überführbar sein.

Immer wieder bekommt man zu hören, dass die lineare Wirtschaft ausgedient hat. Wie schätzen Sie das ein?

Florian Wagner: Ganz eindeutig, Ja! Es gibt dafür drei wichtige Gründe: a) die zunehmende Ressourcenknappheit, b) die ökologischen Auswirkungen und c) der Mangel an den Glauben, dass eine Verzichtsdoktrin eine Lösung für die ökologischen Probleme sein kann – Ein Kreislauf braucht „Futter“ und muss daher konsum-präferiert ausgelegt sein.

Das Wirtschaftsmodell Circular Economy wird immer als nachhaltig betitelt. Auf welche Weise fördert die Circular Economy die Ressourcenschonung und wie erhöht sie die Wertschöpfung?

Lars Donath: Das Konzept der Circular Economy entkoppelt sozusagen das wirtschaftliche Wachstum von Ressourcenverbräuchen, da die Ressourcen sparsamer eingesetzt, sie länger genutzt und sie wiederverwendet werden. Diese drei Säulen sorgen somit ganz konkret für eine Ressourcenschonung. Die Erhöhung der Wertschöpfung bedingt sich durch eine verlängerte Nutzungsdauer der Produkte, die sich auch durch eine höhere ökonomische Abschöpfung der Nutzbarmachung manifestiert.

Die Liste von den Einsatzmöglichkeiten des Modells ist lang. Wie können Unternehmen die Circular Economy im eigenen Unternehmen integrieren?

Florian Wagner: Der Anfang liegt im Produktdesign. Es wird dabei darum gehen, die Produkte und Prozesse so anzulegen, dass sie zirkular-fähig sind.

Know-How, Fördermöglichkeiten und Praxisanwendung unterstützen die Umsetzung von zirkulären Wirtschaften in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Welche Chancen bietet das vor allem für KMU und wie können diese von dem Wirtschaftsmodell profitieren?

Lars Donath: Zunächst einmal liegt die Beschäftigung mit dem Thema Kreislaufwirtschaft auf einer basalen betriebswirtschaftlichen Disziplin, nämlich die Einsparung von Kosten durch eine Reduktion der genutzten Ressourcen. Kreislaufwirtschaft kann mit einem entsprechenden Geschäftsmodell zu einer erlössteigernden Abschöpfung oder Verlängerung des Produktnutzen führen. Schließlich schafft ein zirkuläres Wirtschaftsmodell neue Eigentümerstrukturen an etwa Materialien, die wiederum ein weiteres Geschäftsmodell nach sich ziehen kann. Sich mit diesen Themen zu beschäftigen kann somit aus ökonomischen Gründen sehr sinnvoll sein.

Viele denken, dass Nachhaltigkeit immer an einen hohen Preis geknüpft ist. Wie wird die Circular Economy finanziert und ist das Stigma, dass Nachhaltigkeit hohe Kosten mit sich bringt, wirklich wahr?

Florian Wagner: Dies stimmt in vierfacher Hinsicht nicht. 1) Kosten sind zu einem Teil auch externe Faktoren, deren Marktpreis durch die Gesellschaft gesetzt wird; mit der Veränderung der Rahmenbedingungen verändern sich die Preissetzung und die Erfüllung von Vorgaben reduziert wiederum das Risiko und die Kosten. 2) Nachhaltigkeit ist immer auch mit der Reduktion von Ressourcen (bei gleichbleibendem Ergebnis) verbunden. Somit sind oftmals mit der Einführung der Nachhaltigkeit Kosteneinsparungen verbunden, die eine mögliche Verteuerung von Materialen überkompensieren können. 3) Nachhaltige Produkte stabilisieren die Kundenbeziehung und führen daher zu einer resilienten Erlössituation. 4) Ein nachhaltig ausgerichtetes Unternehmen wird Arbeitgeber positiver wahrgenommen. Das Unternehmen verbessert so die Ausgangssituation für die Gewinnung von Mitarbeitern.

Herr Donath und Herr Wagner, vielen Dank für das Gespräch!

Ein Kommentar auch kommentieren

  1. Der Autor des Interviews sagt:

    Sehr interessantes Interview. Klingt fast nach denselben Antworten, die jemand anders gegeben hat, als er von Business Talk Kudamm, dieselben Fragen gestellt bekommen hat.

    Transparenz ist auch ein Asset der Kreislaufwirtschaft…

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