Dr. Bernhard Höveler: Die Auswirkungen sind bereits spürbar

Dr. Bernhard Höveler ist Gründer und Managing Partner, HÖVELER HOLZMANN. Mit ihm sprechen wir über Lieferprobleme durch die Corona-Pandemie, Materialmangel sowie besonders betroffene Branchen.

Lieferprobleme von Rohstoffen und Bauteilen haben in der Corona-Pandemie zugenommen. Bremst der Materialmangel die Wirtschaft aus?

Dr. Bernhard Höveler

Dr. Bernhard Höveler: Ja, und wie! Hierzu ein Beispiel: Ein Kunde von uns aus dem Maschinenbau hat die „Auftragsbücher voll“. Ab September kann der Lieferant für Steuerungseinheiten nicht mehr liefern, weil keine Halbleiter verfügbar sind. Das bedeutet, dass der Maschinenbauer dann keinen Umsatz mehr machen kann aufgrund des Lieferengpasses. Das ist dramatisch!

Welche Branchen sind von den Lieferproblemen besonders stark betroffen?

Dr. Bernhard Höveler: Besonders die Branchen, die Halbleiter benötigen: Automotive und Maschinenbau.

Woraus resultiert der derzeitige Mangel bzw. die Lieferverzögerungen?

Dr. Bernhard Höveler: Tatsächlich spielt hier Corona eine große Rolle. Durch den Trend zum Home-Office ist die Nachfrage nach IT Hardware signifikant gestiegen. Hinzu kommt, dass bereits vor Corona viele Unternehmen bereits angefangen haben, sich weiter zu digitalisieren. Wenn dann auch noch unvorhersehbare Ereignisse wie der Stau am Suezkanal oder der Bahnstreik passieren, wodurch Frachtgut in Milliardenhöhe stecken geblieben ist, dann führt das zu erheblichen Engpässen.

Viele Handwerksbetriebe befürchten Zwangspausen aufgrund von Materialengpässen. Sind diese Befürchtungen berechtigt?

Dr. Bernhard Höveler: Ja, die Auswirkungen sind bereits spürbar. Wichtige Materialien wie z.B. Holz oder Stahl sind aktuell knapp, weswegen die Preise übermäßig stark gestiegen sind. Zudem haben viele Handwerksbetriebe Personalmangel. Das führt dazu, dass Kundenaufträge nur mit langem Vorlauf bedient werden können.

Wann können wir mit einer Entspannung der Situation rechnen?

Dr. Bernhard Höveler: Die Engpasssituation wird uns bestimmt noch 6 bis 12 Monate begleiten. Darüber hinaus Prognosen zu wagen, ist reine Spekulation.

Welche Maßnahmen sollten betroffene Unternehmen ergreifen, um kurzfristig die Situation zu überstehen und sich langfristig besser zu rüsten?

Dr. Bernhard Höveler:

Kurzfristig:

•          Mit Bestandslieferanten nach Lösungen suchen, ggf. zu höheren Preisen oder verlängerten Verträgen, Einkaufskonkurrenz ausstechen über Anreize für den Lieferanten

•          Ggf. über Händler gehen, falls möglich (Bsp. Elektronik oder Chemie)

•          Falls möglich (ohne größere Testings): Alternativlieferanten suchen

Mittel-/langfristig:

•          Intensivere Testing, um Alternativlieferanten aufzubauen

•          Spezifikations-/Konstruktionsänderungen zur Erweiterung des Lieferantenkreises

•          Insourcing prüfen

•          Global Sourcing, falls nicht schon erfolgt

Herr Höveler, vielen Dank für das Gespräch!

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