Lucas Meißner: Wahrnehmung und Bewusstsein haben sich verändert

Lucas Meißner ist Head of Sales Heinrich Heine Consulting e.V. Mit ihm sprechen wir über digitale Transformation, mobiles Arbeiten sowie verändertes Konsumverhalten.

Laut Experten beschleunigt die Pandemie Veränderungen in der mittelständischen Wirtschaft und agiert somit als Katalysator. Welche wirtschaftlichen Veränderungen im mittelständischen Segment sind derzeit besonders prägnant?

Lucas Meißner: Zu Beginn der Pandemie war der Bedarf vor allem bei Themen wie der digitalen Transformation am größten. Binnen weniger Tage mussten komplette Prozesse digital abbildbar sein und auch außerhalb des Büros ausgeführt werden können. Dieser Bedarf hält bis heute an. Dies zeigt uns, dass die Pandemie ausreichend Druck erzeugt hat, die nötigen Schritte einzuleiten.

Welche Unternehmen und Branchen sind am stärksten von der Transformation betroffen?

Lucas Meißner: Besonders Unternehmen, die nach wie vor an starren Strukturen und Regelungen festhielten, sind besonders von der Transformation getroffen. Andere Firmen, insbesondere Start-Ups oder Unternehmen aus der IT oder Werbebranche, hatten bereits im Vorfeld Regelungen, die bspw. mobiles Arbeiten betreffen. Hier sind die Auswirkungen der Transformation weniger zu sehen. Jedoch haben alle Unternehmen mit direktem Kundenkontakt eine Gemeinsamkeit -> Der Kontakt erfolgte während der Pandemie über lange Strecken ausschließlich virtuell. Diese Herausforderung galt es zu meistern, denn ein Switch in den virtuellen Kundenkontakt bringt viele ungewohnte Situationen mit sich, da altbewährte Methoden nicht mehr realisierbar waren.

Viele Unternehmen befürchten ein verändertes Konsumverhalten auch nach der Pandemie. Ist die Angst um einen Nachfragerückgang und Veränderungen im Konsumverhalten berechtigt?

Lucas Meißner: Bestimmt. Durch die letzten anderthalb Jahre der Pandemie hat sich sowohl die Wahrnehmung und Bewusstsein verändert als auch das Konsumverhalten der Menschen angepasst. Insbesondere die Vorzüge der Digitalisierung werden langfristig ein verändertes Konsumverhalten mit sich bringen.

Könnte die Pandemie der Anfang vom Ende für zahlreiche mittelständische Unternehmen sein?

Lucas Meißner: Für einige Unternehmen wird es unglücklicherweise das Aus sein, für andere ein Neustart. Letztendlich lässt sich die Pandemie als Bewährungsprobe sehen. In der Vergangenheit gab es zahlreiche solcher Umwelteinflüsse, die ebenfalls langfristige Folgen nach sich zogen. Nehmen wir als Beispiel das Fließband zur Zeiten der Industrialisierung Zahlreiche Unternehmen, damals möglicherweise auch Manufakturen, unterlagen den veränderten Ansprüchen und mussten sich entsprechend der Umwelt anpassen. So ist es heute mit der Pandemie – entweder wird sich an die neue Umwelt angepasst oder man geht durch den Stillstand in ihr unter.

Der deutsche Mittelstand gilt als Rückgrat unserer Wirtschaft? Wird die Bedeutung zu Gunsten von Konzernen sinken?

Lucas Meißner: Sicherlich hat jede Unternehmensgröße Vor- und Nachteile. Sowohl aus Arbeitnehmersicht aber auch aus Sicht der Kunden- und Lieferanten. Bildlich gesprochen, kann man sich unsere deutsche Wirtschaft als eine Zusammensetzung von Zahnrädern vorstellen – verschiedenste Zahnräder unterschiedlichster Größen wirken zusammen in einem System und funktionieren als Einheit. Der Mittelstand nimmt in diesem System eine tragende Rolle ein und ist unabdingbar. Auch wenn einzelne mittelständische Unternehmen die Pandemie nicht überleben werden, wird der Mittelstand nicht aussterben, sondern andere neue Unternehmen deren Platz einnehmen und dafür sorgen, dass das System fortwährt.

Herr Meißner, vielen Dank für das Gespräch!

 

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