Tobias Fausch: Die Digitalisierung ist Teil der Lösung

Tobias Fausch ist Chief Information Officer (CIO) der BayWa. Im Interview sprechen wir mit ihm über Digitalisierung, Bitcom sowie Homeoffice.

Tobias Fausch

Die Zurückhaltung gegenüber der Digitalisierung in deutschen Unternehmen hat neuesten Erkenntnissen des Digitalverbandes Bitcom gemäß seit Beginn der Corona-Krise 2020 nachgelassen. Der Nutzen von digitalen Prozessen scheint in den meisten Köpfen der Verantwortlichen angekommen. Sehen Sie das auch so?

Tobias Fausch: Ja. Durch die Notwendigkeit, das Geschäft trotz der Rahmenbedingungen während der Pandemie so gut wie möglich aufrecht zu erhalten, waren digitale Hilfsmittel notwendig. Zudem wurden diese Hilfsmittel über mehr als sechs Monate verwendet, so dass die Anwendung zur Gewohnheit werden konnte. Die spannende Frage ist, ob die Auffassung ist, dass der jetzt erreichte Zustand „einfach“ das neue Normal ist, oder ob die Frage gestellt wird, welche Digitalisierungsschritte als nächstes anstehen.

Wie lässt sich dieser Stimmungsumschwung erklären?

Tobias Fausch: Sobald der Nutzen von etwas Neuem klar erkennbar und hinreichend groß ist, will man diesen Nutzen haben – auch wenn das mit einer Veränderung der Gewohnheiten verbunden ist.

Analoge Geschäftsprozesse, so ist der Eindruck, behindern den digitalen Geschäftsalltag sogar. Ist diese Erkenntnis nur dadurch gereift, dass viele Mitarbeiter ins Homeoffice übergesiedelt sind?

Tobias Fausch: Nein, aber erst das Home Office hat die Chance genommen, mit dem analogen Prozess weiter durchzukommen.

Die Digitalisierung eröffnet nach Ansicht einiger CDU-Politiker auch neue Möglichkeiten im Klimaschutz. So gebe es viel Potenzial bei gemeinsam genutzten Büroflächen im ländlichen Raum. Ist an dieser Theorie etwas dran?

Tobias Fausch: Die Digitalisierung ist Teil der Lösung – und das in vielen Bereichen. Inwieweit die gemeinsame Nutzung von Büroflächen hier wesentlich ist, wird die Zukunft zeigen. Jedenfalls ist die Digitalisierung schneller als die Evolution des Menschen, so dass persönliche Kontakte auf Dauer nicht durch digitale Meetings ersetzt werden können – auch wenn sich die Häufigkeit der persönlichen Kontakte sehr wohl reduzieren kann – und wohl auch wird – da nicht mehr jedes Meeting als physisches Meeting durchgeführt werden muss.

Fachkräftemangel bremst offenbar ebenfalls die Digitalisierung, weil viele „kluge Köpfe“ in der Wirtschaft fehlen. Kann man diese Vakanzen nicht durch deutsche Experten auffüllen?

Tobias Fausch: Wenn deutsche Experten da wären, gäbe es keinen Fachkräftemangel. Wenn weniger Deutsche MINT-Fächer studieren und/oder sich für Digitalisierung interessieren als es Bedarf an Fachkräften gibt, dann führt das zu einem Defizit an Bewerbern der nur mittel- bis langfristig behoben werden kann. Denn das beginnt in der Schule mit den Lerninhalten und -methodik (Digitalisierung der Schulen und des Schulunterrichts als Schlagwort) und geht über die Ausbildung bzw. das Studium.

Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass nur noch 64 Prozent der Entscheider in die digitale Fort- und Weiterbildung ihrer Beschäftigten investieren – nach 70 Prozent im Vorjahr?

Tobias Fausch: Eine mögliche Interpretation könnte sein, dass die Auffassung besteht, dass man ja jetzt digitalisiert habe und dieser Prozess abgeschlossen sei – obwohl die Digitalisierung selbstverständlich weitergehen wird. Eine andere Erklärung könnte sein, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie jetzt erst einmal andere Prioritäten setzen, um dann später wieder auf die Digitalisierung fokussieren zu können.

Herr Fausch, vielen Dank für das Gespräch!

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