Dominik Kettner: Gold bleibt die unangefochtene Nummer Eins

Dominik Kettner ist Geschäftsführer der Kettner Edelmetalle. Mit ihm sprechen wir über finanzielle Ruhestandsplanung, Investitionen in Edelmetalle sowie Gold-Silber-Ratio.

Dominik Kettner

Die richtige Geldanlage wird immer schwieriger, ebenso wie die finanzielle Ruhestandsplanung. In welche Edelmetalle investieren die meisten Menschen eigentlich?

Dominik Kettner: Wie Sie sich sicher denken können, ist und bleibt Gold aufgrund seiner jahrtausendlangen Verwendungsgeschichte als Wertspeicher und Zahlungsmittel die unangefochtene Nummer Eins unter den Edelmetallen. In puncto Sicherheit und globaler Wiederverkaufbarkeit kann es hier kein anderes Edelmetall mit Gold aufnehmen. Und noch einen Vorteil bietet das gelbe Metall: Anders als Silber und Co. ist es umsatzsteuerbefreit.

Doch auch Silber erfreut sich wachsender Beliebtheit: Wenngleich es stärkeren Kursschwankungen als Gold unterliegt, gilt es insbesondere aufgrund seines im Vergleich zu Gold sehr niedrigen Preises schon lange als „Gold des kleinen Mannes“. Gleichzeitig stellt es eine mögliche Antwort auf die wachsende Krisenangst in der Bevölkerung dar: Aufgrund des aktuellen Gegenwerts ist es – gerade für kleinere Besorgungen, wie Einkäufe des täglichen Lebens – für solch einen Fall ein geeignetes Tauschmittel.  Im Gegensatz zu Gold wird der Silberkurs stärker von der Industrienachfrage beeinflusst, da es für viele Prozesse, beispielsweise in Batterien von E-Autos, als Katalysator bei chemischen Prozessen oder in der Medizin verwendet wird. Eher Exoten im Anlagebereich bleiben Platin und Palladium: Nur ein niedriger einstelliger Prozentsatz der von uns verkauften Artikel fällt auf diese Metalle zurück – unter anderem, weil beide mit 19% regelbesteuert werden. Nichtsdestotrotz sehe ich auch hier durch die industrielle Verwendung und die hiermit einhergehende Verknappung des Angebots gutes Kurssteigerungspotenzial.

Wie wichtig können Edelmetalle für eine Ruhestandsplanung sein?

Dominik Kettner: Meiner Meinung nach sind Edelmetalle bzgl. der Vorsorge für den eigenen Lebensabend ein wichtiger Grundpfeiler. Im Laufe der Zeit hat es immer wieder Wirtschaftskrisen, Hyperinflationen und Währungswechsel gegeben – durch all diese Ereignisse sind Edelmetalle, allen voran Gold, hingegen stabil geblieben. Wer Wert möglichst sicher speichern möchte, tut gut daran, dies in Edelmetallen zu tun – gerade heutzutage, wo zunehmend Negativzinsen auf uns Verbraucher umgelegt werden.

Wann lohnt sich eine Gold- und wann eine Silberinvestition? Was ist in diesem Zusammenhang die Gold-Silber-Ratio?

Dominik Kettner: Prinzipiell gilt: Eine Gold- und Silberinvestition lohnt sich immer dann, wenn Sie Geld auf die Seite geschafft haben, dessen Wert Sie sichern möchten und was Sie optimalerweise mittel- bis langfristig nicht benötigen. Wir empfehlen grundsätzlich, sowohl in Gold als auch in Silber anzulegen, um das Risiko zu streuen und die Vorteile beider Edelmetalle zu vereinen. Die jeweilige Gewichtung hingegen ist abhängig von Ihrer persönlichen Risikoaffinität. Die Gold-Silber-Ratio gibt an, wie viele Unzen Silber man für eine Unze Gold erhält. Aktuell liegen wir hier ungefähr bei einem Verhältnis von 1:75 – für den Preis einer Unze Gold kann man momentan also in etwa 75 Unzen Silber erwerben. Historisch gesehen liegt dieses Verhältnis bei 1:15 – insofern hat Silber hier eine Menge Aufholpotenzial: Kehrt Silber zu diesem Wert zurück, sind Preise von 100€ pro Unze durchaus möglich.

Werden Edelmetalle weiterhin wertstabil bleiben. Was glauben Sie?

Dominik Kettner: In Zeiten wachsender politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten, zunehmender gesellschaftlicher Spaltung und der immer präsenteren Diskussion über die Abschaffung des Bargeldes sind Edelmetalle momentan eine begehrte Anlageklasse – und das aus gutem Grund: Wenn immer das Sicherheitsbedürfnis in der Bevölkerung steigt, wächst die Nachfrage nach physischem Gold und Silber. Kurz- bis mittelfristig sehe ich also eine positive Tendenz. Langfristig schätze ich die Entwicklung sogar noch rosiger ein: Nach aktuellen Prognosen werden die weltweiten Vorräte an Silber in rund 20, an Gold in rund 30 Jahren erschöpft sein. Mit knapper werdendem Angebot steigen bei gleichbleibender Nachfrage die Preise.

Wo liegen die Risiken beim Investieren in Edelmetalle?

Dominik Kettner: Wie alle Anlagegüter unterliegen Edelmetalle Kursschwankungen. Wer also Geld anlegt, was er kurzfristig benötigt, geht immer ein Verlustrisiko ein.

Überdies ist mit der höheren Gewinnchance beim Silberkauf auch ein höheres Risiko verbunden: Da Silber überwiegend in der Industrie benötigt wird, könnte der Silberpreis negativ beeinflusst werden, wenn man ein für die gleichen Aufgaben geeigneteres bzw. weniger knappes Element entdecken würde. Gleichzeitig gilt es, vor dem Kauf zu recherchieren, bei wem man die Edelmetalle erwirbt – hier sollte man sicherstellen, dass die Ware vom Händler geprüft und mangelfrei vertrieben wird.

Würden Sie stattdessen andere Investmentformen vorziehen?

Dominik Kettner: Ein gesundes Portfolio besteht aus meiner Sicht niemals nur aus einer, sondern immer aus mehreren Assetklassen – wovon Edelmetalle als vor Inflation schützender Anker in jedem Fall einen Teil ausmachen sollten. Wichtig ist, dass man nicht alles auf eine Karte setzt, sondern sein Portfolio diversifiziert, um auf möglichst alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Ob man jetzt zusätzlich auf Immobilien, Aktien, Kryptos oder Anleihen setzt, ist auch wieder von der eigenen Risikobereitschaft und der persönlichen Präferenz abhängig.

Herr Kettner, vielen Dank für das Gespräch!

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